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Film-Review Wie verteidigt man sich gegen einen rassistischen Professor?

Eine Studentin aus einem sozialen Brennpunkt und ein Professor, der sich nichts aus politischer Korrektheit macht: In «Die brillante Mademoiselle Neïla» lässt Regisseur Yvan Attal zwei Welten aufeinanderprallen – und wirft damit einen präzisen Blick auf die heterogene Gesellschaft Frankreichs.

Die Story

Neïla möchte Anwältin werden. Dass sie aus der Pariser Banlieue kommt und algerischen Migrationshintergrund hat, bremst sie dabei nicht. Ihr starker Wille hat sie bis an die rennomierte Assas Law School in Paris gebracht.

Doch bereits in der ersten Vorlesung läuft einiges falsch. Neïla kommt zu spät und wird deshalb vom Professor Pierre Mazard im Hörsaal vor allen StudentInnen blossgestellt. Doch das Schlimmste: Dabei macht er auch noch rassistische Bemerkungen.

Der Vorfall bleibt nicht ohne Folgen: Aus Angst um den Ruf der Hochschule, stellt der Universitätsleiter Professor Mazard – der für seine provokativen, politisch unkorrekten Äusserungen bekannt ist – vor ein Ultimatum: Er muss Neïla für einen Rhetorikwettbewerb trainieren. Wenn er das nicht tut, wird er rausgeschmissen.

Brio
Legende: Ob das gut geht? Der latent rassistische Professor Mazard lehrt Neïla die Kunst der Eloquenz und Rhetorik. Pathé

Das hat funktioniert

Zusammen mit Neïla pendeln wir konstant zwischen zwei Milieus in der gleichen Stadt hin und her, die unterschiedlicher nicht sein könnten: dem sozialen Brennpunkt der Banlieue am Rande der Stadt und dem elitären Universitäts-Universum im Herzen von Paris. Regisseur Yvan Attal zeigt dabei viel Feingefühl und zeichnet Neïlas multikulturelles Umfeld einfühlsam und ganz ohne Klischees.
Gleichzeitig beweist er so auf eine berührende Art und Weise, wie schön es sein kann, sich in unterschiedlichen Welten zu bewegen.

Das hat nicht funktioniert

Die bekannte Ausgangslage des Films – die explosive Mischung des älteren Mentors, der eine Schülerin aus einer unteren Gesellschaftsschicht unterrichtet – zusammen mit dem sehr klassischen dramatischen Aufbau der Geschichte, machen den Film ziemlich vorhersehbar.

Brio
Legende: Geht gar nicht Mazard stellt Neïla vor allen Studenten in der Uni bloss. Pathé

Fazit

«Die brillante Mademoiselle Neïla» ist eine herzerwärmende Tragikomödie, die brandaktuelle Themen behandelt: Wo hört die freie Meinungsäusserung auf? Wie debattiert man richtig in Zeiten von Social Media? Der Film wirft dabei ausserdem einen präzisen Blick auf den Kulturen-Clash Frankreichs – ohne dabei irgendetwas überzudramatisieren.

Psychologisch geht «die brillante Mademoiselle Neila» leider etwas zu wenig in die Tiefe. Wer ist Monsieur Mazard wirklich und warum ist er so ein zynischer Misanthrop geworden? Schade, dass der Film diese Fragen nicht wirklich beantwortet.

Dieser Film ist für

Leute, die sich für gesellschaftspolitische Themen interessieren und Fans von französischen Soziodramen wie «entre les murs».

Rating

3.5 von 5 Punkten

Die Fakten

Die Fakten

Cast: Caméla Jordana, Daniel Auteuil
Regisseur: Yvan Attal
Kinostart: 21.06.2018