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Filmcheck Auf ein Date mit dem Mörder meines Vaters

In «Matar a Jesús» sucht eine junge Frau den Mörder ihres Vaters und wird dabei mit der harten Realität der Armenviertel Lateinamerikas konfrontiert. Die Regisseurin hat mit dem brutal authentischen Portrait einer der grössten Städte Kolumbiens ihr eigenes Trauma verarbeitet.

Darum geht's

Paula ist 22, lebt in Medellín, studiert Kunst und geniesst das Leben. Dieses ändert sich jedoch schlagartig, als ihr Vater vor ihren Augen auf offener Strasse ermordet wird.

Wochenlang wird ihr von der ausgelasteten Polizei gesagt, dass vom Mörder jede Spur fehle.

Doch dann wird das Schicksal der jungen Frau nochmals auf den Kopf gestellt: Paula trifft eines Nachts den Mörder ihres Vaters in einem Club. Paula folgt Jesús, der etwa in ihrem Alter ist, ins Armenviertel vor der Stadt. Sie behauptet Fotos von ihm und der Landschaft rund um Medellín machen zu wollen und trifft sich mehrere Male mit ihm. Insgeheim wartet sie auf den perfekten Moment ihn zu töten.

Als Paula beim Versuch eine Waffe zu besorgen überfallen wird, ist es jedoch ausgerechnet Jesús, der ihr danach hilft die Täter zu suchen. Und dann merkt sie auch noch, dass der junge Mann nur ein Auftragskiller war. Paula fällt es langsam aber sicher immer schwerer Jesús zu hassen.

Matar a Jesus
Legende: Da war die Welt noch in Ordnung Paula mit ihrem Vater, einem politisch engagierten Professor. Prosa Film

Das hat funktioniert

Zusammen mit Paula lernen wir nach und nach Jesús Lebenswelt kennen. Er ist arm, sein ganzes Umfeld ist kriminell und er muss sich mit gefährlichen Jobs über Wasser halten. So zeigt uns Regisseurin Laura Mora Ortega eindrücklich, mit was für Probleme die Menschen in den Armenvierteln Kolumbiens zu kämpfen haben – ohne dabei irgendetwas zu überdramatisieren.

«Matar a Jesús» ist ein Film, der an Authentizität kaum zu übertreffen ist. Dies hängt auch mit dem dokumentarischen Stil des Dramas zusammen, der gespickt ist mit wunderschönen Aufnahmen der Landschaft rund um die lateinamerikanischen Stadt.

Matar a Jesus
Legende: Im gleichen Alter aber aus einer anderen Welt Jesus zeigt Paula wie man eine Waffe benutzt. Prosa Film

Das hat nicht funktioniert

Im Film wurde das Meiste mit Handkamera aufgenommen. Dies widerspiegelt zwar oft gelungen die innere Unruhe Paulas, kann mit der Zeit aber auch ziemlich nervös machen.

Es wird angedeutet, dass der Grund für den Mord an Paulas Vater sein politisches Engagement war. Das eigentliche Motiv bleibt jedoch bis zum Schluss offen. Die Frage danach geht mit der Zeit in der Geschichte leider regelrecht unter.

Fazit

«Matar a Jesús» ist so nicht nur ein packender Thriller, sondern auch ein eindrücklicher Einblick in die Realität von Medellín – eine der gefährlichsten Städte der Welt.

Dass sich ein Protagonist oder eine Protagonistin eines Films mit einer anderen Gesellschaftsschicht konfrontiert sieht, ist nichts Neues. Ortega schafft es jedoch, den Film nicht als ein kitschiger Arm-trifft-auf-Reich-Clash wirken zu lassen.

Eher ist «Matar a Jesús» ein aussagekräftiges Portrait davon, wie schnell man in Kolumbien in eine Spirale von Gewalt und Kriminalität rutschen kann – und wie es für viele keinen Weg dort raus gibt.

Matar a Jesus
Legende: Das war nicht geplant Paula kommt Jesús näher. Prosa Film

Dieser Film ist für

Fans von Gesellschaftsdramas wie «Teheran Tabu» und Leute, die sich für Lateinamerika und das lateinamerikanische Kino interessieren.

Rating

4 von 5 Punkten

Die Fakten

Die Fakten

Cast: Natasha Jaramillo, Giovanny Rodríguez, Camilo Escobar, Carmenza Cossiorujillo
Regisseurin: Laura Mora Ortega
Kinostart: 15.03.2018

4 Kommentare

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