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Filmcheck «Willkommen in der Schweiz» – oder doch nicht?

Die Regisseurin Sabine Gisiger ist in ihrem neuen Dokumentarfilm auf die Suche nach Antworten rund um die Flüchtlingsthematik gegangen. Am Beispiel des Dorfes Oberwil-Lieli, das sich 2015 gegen das Aufnehmen von Flüchtlingen wehrte, zeigt der Film gekonnt die politische Spaltung der Schweiz.

Um das geht's

Willkommen in der Schweiz
Legende: Setzt sich in ihrem Heimatdorf Oberwil-Lieli für Flüchtlinge ein: Die 26-jährige Johanna Gündel. Filmcoopi

Sommer 2015: Europa ist mitten in der Flüchtlingskrise. 1 Million Menschen sind auf der Flucht. Davon schaffen es 40'000 in die Schweiz.

Der reichen Gemeinde Oberwil-Lieli im Kanton Aargau werden neun Flüchtlinge zugeteilt. Andreas Glarner, Gemeindepräsident des Dorfes und einer der provokativsten SVP-Politiker, weigert sich vehement die Flüchtlinge aufzunehmen. Lieber würde die Gemeinde 290'000.- Franken zahlen.

Studentin Johanna Gündel, die selber in Oberwil-Lieli aufgewachsen ist, ist geschockt. Sie kann den Entscheid Glarners nicht akzeptieren und organisiert einen Widerstand gegen die Nein-Politik der SVP.

Das hat funktioniert

Willkommen in der Schweiz
Legende: Sinneswandel? SVP-Politiker Andreas Glarner besucht ein Flüchtlingscamp in Griechenland. Filmcoopi

Auf visueller Ebene ist der Film voll von kraftvollen Bildern. Die Gegenüberstellung der idyllischen Schweizer Dorfgemeinde und Aufnahmen von Menschen auf der Flucht gehen unter die Haut.

Aber auch die Gegenüberstellungen der verschiedenen Meinungen zur Flüchtlingsthematik überzeugen. In fundierten Gesprächen lernt man die Protagonisten und ihre unterschiedlichen politischen Einstellungen kennen. SVP-Politiker Glarner begleiten wir gar in ein Flüchtlingslager in Griechenland.

Interessant sind zudem die wiederkehrenden historischen Einschübe im Film. Durch Archivaufnahmen von alten Nachrichtensendungen, wird uns die Geschichte der Flüchtlingsthematik in der Schweiz näher gebracht.

Das hat nicht funktioniert

Obwohl der Fokus des Films die Politik hinter der Flüchtlingskrise ist, wäre es interessant, mehr Statements von Flüchtlingen selber zu hören. Die kommen im Film nämlich wenig zu Wort.

Fazit

«Willkommen in der Schweiz» ist eine bewegende Dokumentation über ein brandaktuelles Thema. Anhand der Ereignisse in Oberwil-Lieli zeigt der Film treffend die politische Spaltung der Schweiz und beleuchtet die schwierige Thematik von verschiedenen Seiten.

Dieser Film ist für

Alle. Der Film ist sehr informativ und klärt über eine Thematik auf, für die sich alle interessieren sollten.

Rating

3.5 von 5 Punkten

Die Fakten

Die Fakten

Regisseurin: Sabine Gisier
Protagonisten: Andreas Glarner (SVP-Politiker, Gemeindepräsident Oberwil-Lieli), Johanna Gündel (Studentin, IG Solidarität Oberwil-Lieli), Susanne Hochuli (Grüne)
Kinostart: 17.10.2017