«Love»: Lohnt sich die neue Netflix-Serie?

Die neue Netflix-Comedyserie «Love» wirft einen realistischen und unaufgeregten Blick auf das Datingleben zweier Mittdreissiger. Hinter der Kamera: Judd Apatow, Macher von Filmen wie «The 40-Year-Old Virgin» und «Knocked Up». Die ganze erste Staffel der Serie ist ab sofort online.

Die brandneue Netflix-«Comedy»-Serie trägt den simplen Titel «Love». Das Wort «Comedy» steht hier allerdings ganz bewusst in Anführungszeichen. Wer nämlich ein Joke-auf-Joke-auf-Joke-Feuerwerk à la «New Girl» oder «The Big Bang Theory» erwartet, sollte einen weiten Bogen um diese Serie schlagen.

Love

Bildlegende: Gillian Jacobs <3 Suzanne Hanover/Netflix

Im Kern ist «Love» eine klassische Liebeskomödie: Zwei Menschen lernen sich auf mehr oder weniger zufällige Weise kennen, fangen an zu daten und verlieben sich ineinander. Dazwischen gibt's Drama und Sex.

Der Unterschied zu Genreklassikern wie «Pretty Woman» oder «Notting Hill»: Die Serie lässt sich bei diesem Prozess viel Zeit. Sehr viel Zeit.

«Gegensätze ziehen sich an»: das Einmaleins von Liebeskomödien

Wer die Filme von Judd Apatow kennt («The 40-Year-Old Virgin», «Knocked Up», «This Is 40»), begegnet diesem Problem regelmässig. Apatows Filme zeichnen sich durch Charme, tiefe Charaktere und smarte Witze aus, kommen aber oftmals mit Überlänge daher. Bei «Love» verhält sich das nicht anders. Alleine die erste Episode ist über 40 Minuten lang.

Love

Bildlegende: Mickey und Gus Suzanne Hanover/Netflix

Die Figuren, die im Mittelpunkt von «Love» stehen, sind dafür richtig richtig gut geschrieben. Auf der einen Seite die wilde Mickey (Gillian Jacobs), auf der anderen Seite der etwas schüchterne Gus (Paul Rust). Zwei typische Exemplare der Generation Y, die auch Anfang 30 weder im Job noch in der Liebe die richtige Bestimmung gefunden haben und ein bisschen ziellos durchs Leben irren.

Das klingt auf den ersten Blick nach «Gegensätze ziehen sich an», mit der Zeit stellt sich allerdings heraus, dass die beiden gar nicht so verschieden sind. So wie in praktisch jedem Liebesfilm eben.

Trotzdem: Im persönlichen Freundeskreis möchte man weder Mickey noch Gus haben. Wer Serien wie «Girls» oder «Transparent» nicht schauen mag, weil er sich über die gelegentliche Fürchterlichkeit der Hauptfiguren nervt, wird auch mit «Love» seine liebe Mühe haben.

Paul Rust: Der nächste Star?

Serienmacher Judd Apatow hat seit jeher ein hervorragendes Auge für neue Talente. Seine Filme und TV-Serien waren Startpunkt für zahlreiche erfolgreiche Hollywoodkarrieren. Seth Rogen, James Franco, Steve Carell, Jason Segel, Elizabeth Banks oder Lena Dunham: die Liste der Personen, die Apatow zu (Super-)stars gemacht hat, ist lang.

Paul Rust, der männliche Hauptdarsteller von «Love», hat gute Karten, der nächste Star aus Apatows Küche zu werden. Er verkörpert den «lieben Siech», der in Wirklichkeit aber gar nicht so lieb ist, richtig klasse. Und immer dann, wenn seine Maskerade des «netten Typen» fällt, läuft die Serie zu Hochform auf.

Lohnt sich die Serie?

«Love» wirft einen unaufgeregten und realistischen Blick auf das Datingleben der Gegenwart. Wer sich mit dem gemächlichen Tempo der Serie anfreunden kann und kein Ha-Ha-Ha-Humor-Feuerwerk erwartet, darf sich über eine Liebesgeschichte erfreuen, die Hollywood-untypisch überhaupt nicht überzeichnet dargestellt wird.
8 von 10 Punkten.

Die ganze erste Staffel von «Love» läuft ab Freitag, 19. Februar auf Netflix. Eine zweite Staffel wird 2017 folgen.