Neu im Kino «Ma vie de Courgette» – Filmcheck

Ein von Hand animierter Schweizer Puppenfilm, der die Welt im Sturm erobert? Fast zu schön, um wahr zu sein. Doch die Geschichte stimmt: «Ma vie de Courgette» kämpft am 26. Februar sogar um einen Oscar.

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Filmstart diese Woche: «Ma vie de Courgette»

2:10 min, aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 16.2.2017

Die Story:

Eigentlich heisst er ja Icare. Doch genannt werden möchte der blauhaarige Knabe Courgette, was auf Deutsch Zucchini bedeutet. So rief ihn jeweils seine alkoholkranke Mutter. Nun ist sie tot und der Name Courgette eines der wenigen Dinge, die Icare aus seinem alten Leben mit ins Waisenhaus nimmt. Klingt tragisch, ist aber alles halb so wild. Der Film ist nämlich nicht am grossen Drama interessiert, sondern an den vielen neuen Freundschaften, die Courgette im Waisenhaus schliesst.

Das hat funktioniert:

Grosse Augen, kleine Gesten – «Ma vie de Courgette» ist ein unglaublich einfühlsamer Film. Der Walliser Claude Barras setzt in seinem jüngsten Werk auf minimalistische Mimik – mit maximalem Effekt. Jedes Blinzeln strotzt vor Bedeutung. Man merkt, dass nicht nur viel Liebe, sondern auch ganz viel Erfahrung in diesem Puppenfilm steckt. Die Chef-Animatorin vom Claude Barras hat schon für absolute Stop-Motion-Experten gearbeitet: Tim Burton, Nick Park und Wes Anderson.

Das hat nicht funktioniert:

«Ma vie de Courgette» ist zwar ein bunter Puppenfilm, aber als Film für Kinder funktioniert er nur mit Vorbehalt. Freigegeben ist der Oscaranwärter zwar schon ab 8 Jahren. Aber eigentlich muss man mindestens Teenager sein, um die ausgefeilte Psycho-Dynamik der Figuren wirklich zu begreifen. Bestes Beispiel: Der frühe Unfalltod von Courgettes Mutter, an dem der Blauschopf nicht ganz unschuldig ist. Harmlose Kino-Unterhaltung für Kids sieht anders aus!

Fazit:

Um «Ma vie de Courgette» (deutscher Titel: «Mein Leben als Zucchini») zu geniessen, muss man kein Vegetarier sein. Die Geschichte über den süssen Knaben mit dem Gemüsenamen hat viel Fleisch am Knochen. Zudem kommt diese Schweizer Delikatesse ohne die künstlichen Geschmacksverstärker aus, mit denen die Animations-Köche in Hollywood ihre fade Kost aufpeppen. Umso mehr würden wir dem nominierten Courgette den Triumph bei den Oscars gönnen! Go for it, Zucchini!

Dieser Film ist für:

Teenager und Erwachsene. Vor allem für Fans liebevoll gestalteter Stop-Motion-Filme wie Nick Parks «Shaun the Sheep», Tim Burtons «Corpse Bride», Wes Andersons «The Fantastic Mister Fox» oder Charlie Kaufmans «Anomalisa».

Rating:

5 von 5 Punkten

Die Fakten

Die Fakten

Regie: Claude Barras
Animation: Kim Keukeleire
Kinostart: 16. Februar 2017
Hier geht's zum Trailer