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Serien & Filme «Patients»: Aufgeben oder doch lieber leben?

Grand Corps Malade ist wohl der berühmteste französische Slam-Poet, dessen Künstlername von seiner Teillähmung kommt. Seine Geschichte hat er nun verfilmt. «Patients» ist diese Woche die Alternative für alle Star-Wars-Faulen – ohne Special-Effects dafür mit ganz viel Herz und dopem Soundtrack.

Um das geht's

Sportstudent Ben ist ambitioniert und hat einen guten Sinn für Humor. Sein Leben ändert sich jedoch schlagartig, als er nach einem Unfall, bei dem er einen Lendenwirbel bricht, in einer Reha-Klinik landet. Ben kann anfangs nur seinen Kopf bewegen. Für die kleinsten Dinge ist er auf Hilfe angewiesen und die Ärzte bereiten ihn darauf vor, dass er sein ganzes Leben lang körperlich behindert sein wird.

Als er nach einigen Wochen sein Zimmer verlassen kann, lernt er seine Mitpatienten kennen. Darunter Farid, der schon sein Leben lang im Rollstuhl sitzt, Steve, Toussaint und die schöne Samia. Sie merken schnell, dass sich der Klinik-Alltag zusammen einfacher überstehen lässt und Ben kann aus seinen neu gewonnenen Freundschaften Kraft schöpfen. Leider können nicht alle ihr Schicksal mit so viel Humor hinnehmen wie Ben...

Das hat funktioniert

Patients
Legende: neue Freunde Farid gibt Ben Tipps für den Reha-Alltag. Paterson Entertainment

Es ist absolut grossartig, wie sensibel die verschiedenen Figuren im Mikros-Kosmos der Reha-Klinik dargestellt werden. Die unterschiedliche Art und Weise wie die Reha-Patienten mit ihrem schweren Schicksal umgehen macht den Film realistisch und unglaublich berührend. Genauso wie die entstehenden Freundschaften zwischen den unterschiedlichen Charakteren.

Sehr amüsant sind die Szenen, in denen Ben immer wieder dazu gezwungen ist, seinen männlichen Stolz zu überwinden. Er muss körperliche Nähe zu seinen männlichen Pflegern zulassen, akzeptieren, dass er bei allem auf Hilfe angewiesen ist und auch ziemlich peinliche Therapiemethoden aushalten.

Dabei meistert Schauspieler Pablo Pauly die schwierige Aufgabe, einen Halbgelähmten zu spielen, mit Bravour.

Patients
Legende: Flirts in der Reha Ben und Samia kommen sich näher. Paterson Entertainment

Das hat nicht funktioniert

Der Film hat keinen klassischen dramatischen Aufbau und portraitiert den Reha-Alltag mit seinen Hochs und Tiefs – das kann mit der Zeit etwas lang gezogen wirken.

Patients
Legende: Pinkeln, Essen, Telefonieren. Ben braucht für alles Hilfe. Paterson Film

Fazit

Regisseure Grand Corps Malade, auf dessen Leben die Geschichte basiert, und Mehdi Idir verzichten in «Patients» auf grosses Melodrama. Sie behandeln die schwere Thematik der Geschichte mit viel Herz und Humor. Trotzdem ist der Film nicht verharmlosend, durch und durch berührend und eine wahre Ode an die Freundschaft und Hoffnung.

Dieser Film ist für

Wem Filme wie «It’s Kind of a Funny Story», «To the Bone» oder «Vielen Dank für Nichts» – die ebenfalls auf humorvolle Art Klinik-Aufenthalte darstellen – gefallen, darf «Patients» nicht verpassen.

Aber auch Rap-Fans können sich freuen: Dass Slam-Poet und Hip-Hop-Künstler Grand Corps Malade, Link öffnet in einem neuen Fenster Ahnung von Hip-Hop hat, merkt man. Der Soundrack des Films behinhaltet unter anderem Tracks von Oldschool-French-Rap-Klassiker wie Suprême NTM, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Rating

4 von 5 Punkten

Die Fakten

Die Fakten

Regisseur: Grand Corps Malade, Mehdi Idir
Cast: Pablo Pauly, Nailia Harzoune, Alban Ivanov, Sams (Rapper)
Kinostart: 14.12.2017