2015: Die bislang besten Alben des Jahres

Das Musikjahr 2015 ist bis heute total an dir vorbeigezogen? Keine Sorge: Wir haben die Köpfe zusammengesteckt und ziehen Zwischenbilanz. Das sind die 8 bislang besten Alben des Jahres.

Musikjahr 2015

Bildlegende: Prägen das Musikjahr 2015 Courtney Barnett, Jamie xx und Kendrick Lamar SRF

Courtney Barnett «Sometimes I Sit and Think...»

Courtney Barnett «Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit»

Bildlegende: Courtney Barnett «Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit» Milk

Für Fans von: Angel Olsen, 90er-Indie Rock (Pavement, Dinosaur Jr.), Nirvana

♫ Songtipp: «Kim's Caravan»

Für Courtney Barnett müsste man eigentlich ein komplett neues Genre erfinden: «Storytelling Rock».

Das Debütalbum der Australierin möchte ich nicht nur immer-und-immer-wieder hören, ich will es auch lesen.

Kaum jemand anderes verpackt derzeit seine cleveren Alltagsbeobachtungen so gut in grandiose Songs wie die 26-jährige Musikerin. Kaum jemand motzt so schön.

Musikalisch ist das Album ein Volltreffer. Courtney hat in ihrer Jugend viel Nirvana gehört. Das ist auf dem Album nicht zu überhören. Trotzdem ist «Sometimes I Sit and Think» ein Vielfaches mehr, als einfach nur Aufwärmen von alten Grunge-Klischees. (Luca)

Dead Sara «Pleasure to Meet You»

Dead Sara «Pleased to Meet You»

Bildlegende: Dead Sara «Pleased to Meet You» Pocket Kid

Für Fans von: Brody Dalle, Courtney Love, Sleater-Kinney

♫ Songtipp: «Something Good»

Dead Sara hätten auf ihre 2. Platte auch nur reine Folk-Balladen packen können. Sängerin Emily Armstrongs Stimme bringt mehr Eier und Power als manch moderne Rockplatte von harten, bärtigen Männern zustande.

Armstrong ist kompromisslos und zeigt auf «Pleased to Meet You» die wohl beste Gesangs-Performance des Jahres - die Platte gefüllt mit grossartigen Rocksongs! (Dominique)

Everything Everything «Get to Heaven»

Everything Everything «Get to Heaven»

Bildlegende: Everything Everything «Get to Heaven» Sony RCA

Für Fans von: Alt-J, Foals, Django Django.

♫ Songtipp (inklusive der Killer-Hook Line des Jahres): «Distant Past»

Was heisst hier «Get to Heaven»? Da sind Everything Everything doch schon längst!

Diese Platte schwebt direkt vom Pop-Olymp zu uns herunter. So viel Awesomeness hat auf einer Platte sonst kaum Platz!

Stell dir Radiohead vor, die sich nicht gegen eingängige Refrains sperren und dazu Songs präsentieren, zu denen du richtig abtanzen kannst. Holy Moly! (Dominique)

Jamie xx «In Colour»

Jamie xx «In Colour»

Bildlegende: Jamie xx «In Colour» XL

Für Fans von: Disclosure, Caribou, The xx, Four Tet.

♫ Songtipp: «Loud Places»

«In Colour» war das am meisten erwartete Debütalbum des Jahres. Und jetzt? Jamie xx hat mit seinem Album die intergalaktisch hohen Erwartungen sogar noch übertroffen.

James Smith, hauptberuflich ein Drittel von The xx, führt uns auf dem Album an «Loud Places» vorbei und verpackt nebenbei seine ganze musikalische Jugend in ein zeitgerechtes Gewand: Ein «instant classic»!

«In Colour» ist eine Ode an eine grandiose Partynacht. Raus gehen, im Club die ganze Nacht durchtanzen, auf dem Nachhauseweg von der Morgensonne begleitet werden. (Danilo)

Kendrick Lamar «To Pimp a Butterfly»

Kendrick Lamar «To Pimp a Butterfly»

Bildlegende: Kendrick Lamar «To Pimp a Butterfly» Top Dawg/Aftermath/Interscope

Für Fans von: 2pac, Schoolboy Q, Jay Electronica.

♫ Songtipp: «King Kunta»

Ein neuer, überkrasser Rapper erscheint und beeinflusst eine Rapgeneration. Das passiert immer wieder. Diesmal mit Kendrick Lamar. Nur: Lamar tut es so unglaublich gut, dass direkte Vergleiche an seinen Fähigkeiten jämmerlich scheitern.

In letzter Zeit hat kein US-Rapalbum in der «urbanen» Musikszene so viel verändert wie «To Pimp a Butterfly». Da kann auch «Yeezus» von Kanye West nicht mithalten.

Weil: Kendrick Lamars Version von visionärer Musik ist einfacher goutierbar.

Ob ich als Weissbrot-Schweizer Texte wie «The Blacker the Berry» zu 100 % nachvollziehen kann, weiss ich nicht. Doch ist es extrem erfrischend, ein Album ohne Club-Gangsta-Platitüden zu hören. Nicht, dass ich ignorante Raptexte nicht inbrünstig lieben würde. Aber Kendrick Lamar kommt eben ohne solche aus.

Seine stimmliche Variation auf dem Album erinnert an das Range von Eminem, seine Flows sind einfach nur sick. Damit meine ich unkopierbar gut. «To Pimp a Butterfly»: Endlosschlaufe. (Pablo)

Maribou State «Portraits»

Maribou State «Portraits»

Bildlegende: Maribou State «Portraits» Ninja Tune

Für Fans von: Disclosure, James Blake, Bonobo.

♫ Songtipp: «Portraits»

«Portraits» ist die perfekte Sommerplatte. Allerdings nicht für den Sommer im Süden am Strand - sondern für einen an der englischen Küste. Dort, wo Wind und Wetter rauer sind.

Das 1. richtige Album des englischen Produzenten-Duos Maribou State schafft den Spagat zwischen House und Dubstep. Von aufgeregten Clubsounds bis zu chilligen Sommertracks ist alles dabei.

Die unweigerliche Lust und Experimentierfreude geben «Portraits» seine Ecken und Kanten. Eine vielseitige Platte, die man am besten an einem schönen Sommerabend über die Boxen mit seinen Freunden teilt. (Danilo)

Marsimoto «Ring der Nebelungen»

Marsimoto «Ring der Nebelungen»

Bildlegende: Marsimoto «Ring der Nebelungen» Four Music

Für Fans von: Marteria, K.I.Z., Prinz Pi.

♫ Songtipp: «Illegalize It»

Das neue Marsimoto-Album weckt tiefe Gefühle in mir. Marsi sagt Sachen, die man nur mit hochgepitchter Stimme und maskiert sagen darf.

«Und wenn’s mal nicht mehr läuft, dann geh ich nach Alaska / verkaufe Bikinis und halt mich mit Tauchen über Wasser.» Textlich ist das Album extrem wortwitzreich und trotz seiner Anlehnung an die gesellschaftskritische Oper «Ring der Nibelungen» angenehm unangestrengt.

Der Moralfinger nervt nicht, wenn er grün und dampfend ist. Musikalisch bietet «Ring der Nebelungen» mehr als sein Vorgänger «Grüner Samt». Die Beats sind diverser, epischer, kratzen tief an den Zellenenden von Hoden bis Hirn. Einziger Mangel: es fehlt ein augenscheinlicher Überbanger.

«Illegalize it» kommt zwar mit einem Beat daher, der soziale Unruhen anstiften könnte, an den Hymneneffekt von «Wellness» auf dem Vorgänger kommt er aber nicht heran. (Pablo)

Sufjan Stevens «Carrie & Lowell»

Sufjan Stevens «Carrie & Lowell»

Bildlegende: Sufjan Stevens «Carrie & Lowell» Ashtmatic Kitty

Für Fans von: William Fitzsimmons, José González, Elliott Smith.

♫ Songtipp: «Death with Dignity»

Rückblick: Oktober 2010. Nach unzähligen Meisterwerken scheint bei Sufjan Stevens die Luft draussen zu sein. Sein (damaliges) Album «The Age of Adz» klingt nach einem halbgaren Mix aus Möchtegern-Bombast und unfertigen Electronica-Ausflügen.

Sind dem Wunderkind die Ideen ausgegangen?

Fast Forward: März 2015. Fünf Jahre Zeit hat sich Stevens für sein neues Album «Carrie & Lowell» gelassen. Darauf verarbeitet er den Tod seiner Mutter. Vom Bombast des Vorgängers ist nichts mehr übrig.

Stattdessen präsentiert uns Stevens intime und oftmals himmeltraurige Songs. Das perfekte Album für wehmütige Nostalgiker. (Luca)