Black Metal vs. Blues: die Genre-Sprengung des Jahres

Zeal & Ardor verdient mehrere Orden. Noch nie... noch NIE wurde ich so überrascht! Diese Musik... ich komme aus dem Staunen, aus der euphorischen, hochfliegenden, tief traurigen und knurrend wütenden Fassungslosigkeit nicht heraus. American Slave, Gospel, Black Metal – wie kann das so gut klingen?

Zeal and Ardor

Bildlegende: Zeal and Ardor Ein offizielles Bandfoto gibt's noch nicht. Zeal and Ardor

Der Mensch, der hinter dem Projekt Zeal and Ardor steckt, ist ein US-schweizerischer Doppelbürger, der seinen Sitz irgendwo zwischen New York und Basel hat.

Zuerst nur als Witz gemeint

Sein aktuelles Projekt begann als Spielerei, oder sogar als Witz. Anonym postete der Musiker im anarchistischen Forum 4Chan neue Musik. Weil das Feedback dort so unschonend direkt ist.

Auf diese Weise fand Zeal and Ardor auf 4Chan auch neue Inspirationen. Er erkundigte sich nach Inputs, welche Musikrichtungen er in seinen nächsten Tracks vermischen sollte. Daraufhin entstanden innert dreissig Minuten Songs, in denen beispielsweise Swing mit Gabber (eine besonders brachiale Form von Techno) zusammen vermählt wurden.

Der Vorschlag eines anderen Users, «schwarze» Musik (den originalen Wortlaut möchte ich an dieser Stelle nicht verwenden) mit Black Metal zu paaren, resultierte in einem Soundbild, welches jetzt auch auf dem aktuellen Zeal and Ardor-Release «Devil Is Fine» zu hören ist. Also, SEHR grob gesagt.

Stell dir vor: Blues, Gospel, chorale Gesänge – und dann ballern Black Metal-Riffs rein. Und im nächsten Track gibt's dann einen unglaublich hüftverdrehenden Hip-Hop-Beat.

Das Kreativste, das ich je gehört habe

Wenn man diese Kombination auf Papier liest, denkt man: das kann nicht, nein, das SOLLTE nicht funktionieren. Aber gerade deswegen tut es das – und zwar in vollen Zügen. Die Leichtigkeit und die von einem musikalischen Über-Ich befreite Herangehensweise an das Musikschreiben ist die Quelle der Qualität von Zeal and Ardor.

Momentan steht bei Z&A extrem viel an. Das begeisterte Feedback reicht von überschwänglichen YouTube-Kommentaren à la «WO KANN ICH DEM MENSCH GELD GEBEN?? (PS: kann man hier) bis zum amerikanischen (!) «Rolling Stone»-Magazin, das «Devil Is Fine» als das «komischste, enigmatischste und wundervollste Metal-Release des Jahres» bezeichnet.

«Devil Is Fine» ist in den vorderen Plätzen von Streamingdiensten u.a. in Hong Kong, Frankreich, Polen und Vietnam zu finden. Liveauftritte sind für 2017 geplant. (Keine Angst: wir werden es uns nicht nehmen lassen, diese fantastische Band bei uns einzuladen.)

Meine Kinnlade klebt immer noch am Tisch.