Eine Überdosis Sex und Smoothness: «Yes Lawd!» von NxWorries

Anderson .Paak kann nichts falsch machen. Seine Songs überzeugen mich jeweils schon ab dem ersten Einhusten vor der ersten Strophe. Sein neustes Werk, treffend mit seinem und meinem Lieblings-Adlib «Yes Lawd!» betitelt, feiere ich darum wie ein richtig blöder Hype-Idiot auf beiden Händen. Verdient?

Mit ihrer EP «Link Up & Suede» haben US-Rapper Anderson .Paak und Produzent Knxwledge letztes Jahr zum ersten Mal gemeinsame Sache gemacht. Ihr Projekt tauften sie NxWorries, wir berichteten.

NxWorries: Knwxledge & Anderson .Paak

Bildlegende: Hände hoch! Knwxledge (links), Anderson .Paak (rechts), zweifelhafte Kopfbedeckung (rechts oben). Official

Skizzenhafte Songstrukturen, warme, unglaublich geil hinkende Samplebeats: die wenigen Songs auf besagter EP machten Spass. Man durfte sich also Hoffnung machen, dass das «richtige Release» in Form eines Albums die besten Elemente des Duos nehmen und akzentuieren würde: Paaks Smooth-as-a-Motherfucka-ness, die perfekte Delivery seiner Texte und dazu die unfickbar warme Soulästhetik von Knxwledges Produktionen.

Genau das ist jetzt geschehen. Wir stellen vor: Der erste NxWorries-Langspieler «Yes Lawd!».

Einfache Beats, viel Sex & irrwitzige Interludes

Für «Yes Lawd!» hat Knxwledge 19 schlanke Tracks produziert: eine gute Idee pro Song reicht. Das erlaubt Paak sich auf den Tracks ausgiebig auszudehnen und Skills zu zeigen. Ob Spoken Word, Eier-raushängen-lassendes Balzen oder klassisches «du kannst nicht mit mir ficken»: Alleskönner Paak präsentiert seine ganze Bandbreite.

Zu viele Songs, zu wenig Struktur

Bei aller blinden Liebe: wenn sich NxWorries 5 bis 6 Nummern gespart und dafür etwas mehr auf Struktur und Songlänge geachtet hätten, wäre «Yes Lawd!» ein Album mit konzentrierterer Aussagekraft und mehr Fokus. «WNGS» zum Beispiel wäre eigentlich ein starker Song und ein ziemlicher Hit – aber nicht bei lediglich einer Minute und 37 Sekunden Spielzeit.

So bleibt das Album ein Spielteppich, besät mit Kondompackungen und ausgerauchten Jazzzigaretten. Auf diesem Teppich sitzt es sich zwar angenehm und informell, aber irgendwie möchte man nach kurzer Zeit auch wieder aufhören zu spielen.