Hinds: Die Indie-Pop-Stars der Stunde kommen aus Madrid

Miesepeter attestieren ihnen, dass sie ihre Gitarren nicht richtig halten können. Ähm...so what? Es sind die tollen Melodien auf ihrem Album «Leave Me Alone», welche Hinds aus Madrid zu den Indie-Pop-Stars der Stunde machen, nicht ihre technischen Fertigkeiten. Wir haben sie zum Interview getroffen.

Spanien ist ein verdammt grosses Land. Über 45 Millionen Menschen leben dort. Und trotzdem...denk mal kurz nach: Wieviele spanische Acts oder Musiker kannst du aufzählen? Eben.

Jetzt erreicht uns ein frischer Musikwind aus Spanien: Die Band Hinds aus Madrid hat vor ein paar Wochen ihr tolles Debütalbum «Leave Me Alone» veröffentlicht. Eine wunderbare Ansammlung von 12 schrammeligen Kleinodien, die das Herz eines jeden Gitarrenpop-Fans höher schlagen lassen.

Auf ihrer allerersten Europatour haben die vier Musikerinnern Halt im Bogen F in Zürich gemacht. Wir haben die Band vor dem Konzert zum Interview getroffen und wollten von ihnen wissen, woran es liegt, dass so wenige spanische Bands den Sprung ins Ausland geschafft haben. Sängerin Carlotta und Bassistin Ade zeichneten dabei ein äusserst düsteres Bild der spanischen Musikszene:

1. In Spanien werden Musiker nicht ernst genommen

Hinds: «Wenn wir an spanischen Flughäfen mit unseren Instrumentenkoffer stehen, denken die Leute automatisch, dass wir Hippies sind, die jetzt dann gleich ein bisschen an den Strand gehen, um rumzuträllern.

In Spanien ist Musik allerhöchstens eine Nebensache. Wenn du jemandem sagst, dass du Gitarre in einer Band spielst, kommt automatisch die Rückfrage: "Und was arbeitest du richtig?"»

2. Musiker sein in Spanien? Allerhöchstens als Hobby

«In Spanien haben wir verdammt viele gute Sachen: Aber die Idee, dass Kunst deine Lebensqualität verbessern kann, existiert nicht. Künstlerisch tätig sein wird auf das Level eines Hobbys eingestuft.

Du willst malen? Easy: Aber nur am Abend nach der Arbeit oder am Wochenende. Du willst Musik machen? Easy: Aber erst, wenn du 70 und pensioniert bist.»

3. In Spanien möchte man sogar das Schulfach Musik streichen...

«Momentan bestehen gerade Überlegungen, das Schulfach Musik zu streichen. "Was nützt es den Kindern, irgendetwas über Musik lernen?" lautet der Grundtenor.

Einfach idiotisch. Zu früheren Zeiten haben die Kinder ja sogar Mathematik durch Musik gelernt.»

4. ...und an spanischen Unis existiert Musik ebenfalls nicht

«In Spanien gibt es keine Möglichkeit, Musik an der Uni zu studieren. Klassische Musik am Konservatorium, ja. Popmusik? Fehlanzeige. Eigentlich ist das total absurd: Beispielsweise kommt doch Flamenco aus Spanien! Aber schlussendlich befinden wir uns auf verlorenem Posten: Schliesslich sind auch alle Radiosender in Spanien absolut scheisse...»

5. Keine spanischen Bands suchen den Weg ins Ausland...

«Lokale Bands proben in ihrem Übungsraum, spielen Konzerte in Madrid und vielleicht sogar mal in Valencia. Das war's dann aber auch schon. Den Weg ins Ausland sucht nie jemand. Niemand denkt daran. Es existiert einfach nicht auf dem Radar der Leute.»

6. Konzerte unter der Woche in Spanien? Fehlanzeige

«Du hast zwar eine Band und träumst von den grossen Festivals in Spanien... aber nur am Wochenende!

Unter der Woche dürfen nur Lernen oder Arbeiten auf dem Programm stehen. Ein Konzert an einem Dienstag spielen, so wie wir das heute in Zürich tun, ist in Spanien praktisch unmöglich. Selbst in Grossstädten wie Barcelona oder Madrid. Da würde einfach keine Sau kommen.»

Neue Musik aus Spanien

Für den Musikblog «Gorilla vs. Bear» haben Hinds eine Playlist mit ihren 11 liebsten kontemporären Bands aus Spanien zusammengestellt. Wir haben alle Tracks aus der Liste im Radio gespielt. Die ganze Sendung zum Nachhören gibt's oben.