Justin Timberlakes Geniestreich: «FutureSex/LoveSounds»

Vor 11 Jahren erschien das zweite Soloalbum vom frisch der Boyband-Ära entschlüpften Justin Timberlake. Ein Album voller Hits, Zukunfts-weisenden Produktionen und JT’s unwiderstehlichem Falsett. Mehr als genug Anlass, das Album wiedermal in seiner ganzen Länge zu spielen.

Die Dichte an Hits, an ernstzunehmenden, wenn sie der DJ im Club droppt hysterische Freude auslösenden Hits auf diesem Album ist f*****g frech. Man vergisst nämlich, wie viele es an der Zahl sind auf diesem epischen Album. («What goes Around... Comes Around», «My Love», «LoveStoned/I Think She Knows», usw). Nur schon die Lead-Single «SexyBack» (Shoutout an die super nicen Spoofs!) ist 1 Dancefloor-Killa der obersten Güteklasse, Timbalands Supersynthbretter und diese Adlibs! Das gab's noch nicht so wirklich im Pop oder Pop’n’B, und das immer wieder auftretende «Yeah» auf SexyBack gibt dem Song die kleine Note Kredibilität, Ruffness oder Urbanität, die Justin das bisschen Schliff wegnimmt und durch Attitüde ersetzt.

Albumcover von Justin Timberlake, er im Anzug.

Bildlegende: Geschichtsschreibender Swag! Timberlake & Timbaland waren 2006 auf «FutureSex/LoveSounds» DAS Duo - und triefen heute vor Relevanz wie wenig andere. official

Das ist so ziemlich der Leitfaden des Albums. «FutureSex/LoveSounds» stellt für JT den endgültigen Übergang vom klebrigen Disneystar und ’N Sync-Frontmann (Boyband-Ära!!!) zum ernstzunehmenden Künstler dar. Dafür verantwortlich sind die Produktionen von Timbaland, der dem Album nebst der Musik durch seine Persona eine gute Portion Kredibilität und Hoodness verleiht – sowie das ausgezeichnete und ungewöhnliche Storytelling und allgemeine Textlevel auf dem Album.

Dies, obwohl JT ausser für einen Song die Texte im Kopf entwarf und schnell ins Studio huschte, bevor er die Lyrics wieder vergass. Die durch Sex und Liebe motivierten Songs, welche die Mehrheit auf «FutureSex/LoveSounds» darstellen, glänzen durch die vielschichtige Herangehensweise. Sex und Liebe werden nicht als kindlich schwarz-weiss stilisierte Ideale betrachtet, sondern werden so widersprüchlich, austauschbar und zugleich ergänzend – wie sie halt wirklich sind – dargestellt.

Das beste Pop-Album aller Zeiten?

Also, zusammenfassend, und bevor wir hier die zwanzigtausend Worte wiederholen, die zu diesem Dekaden-Killer-Album geschrieben wurden, in Kürze: Justins unwiderstehliches Falsett, gepaart mit Timbalands eigenwilligen Produktionen machen die Wirkung dieses Albums aus. Selten haben zwei Musiker, die in Theorie unterschiedlicher nicht hätten sein können (nimmt man die Disney-Vergangenheit von Justin und die Rapgame-Zerstörer-Vergangenheit von Timbaland in Betracht), so viel mehr als die Summe ihrer Einzelteile aus einer Kollaboration herausgepresst. Ich finde, beide sind füreinander jeweils das Beste, was ihnen hätte passieren können. Mein liebstes Pop-Album, ever!

Und eben. Vergesst nie, auf dem Album ist «My Love». Wohl einer der allerbesten Songs aller Zeiten. Bei Meinungsdiskrepanzen: Man trifft mich auf dem SRF Parkplatz, Brunnenhof.