So verarbeitet diese Band den schweren Unfall mit ihrem Tourbus

August 2012: Während einer Europatour fährt der Tourbus der US-Metalband Baroness durch ein Brückengeländer und stürzt 9 Meter in die Tiefe. Jetzt, 3 Jahre später, sind die Wunden verheilt und die Band meldet sich mit neuem Lineup und neuem Album zurück. Wir haben uns «Purple» angehört.

Baroness

Bildlegende: Baroness, 2015 Abraxan Hymns

Knapp dreieinhalb Jahre ist es her, seit der Tourbus der US-Band Baroness durch ein Brückengeländer fuhr und anschliessend 9 Meter in die Tiefe stürzte.

Sänger John Baizley bricht sich beim Unfall Arme und Beine, Schlagzeuger Allen Blickle und Bassist Matt Maggioni erleiden Brüche an der Wirbelsäule. Die Knochen sind in der Zwischenzeit wieder verheilt, trotzdem sind Baroness an diesem Unfall zerbrochen: Anfang 2013 verkünden Schlagzeuger und Bassist ihren Ausstieg aus der Band.

Mit neuem Lineup zurück zu alter Härte

John Baizley entschliesst sich zwar dafür, Baroness weiterzuführen, allerdings geht der Unfall auch an ihm nicht spurlos vorbei.

Seine ersten Songentwürfe für das soeben erschienene, vierte Baroness-Album «Purple» sind um einiges ruhiger und selbstreflektiver als seine früheren Songs. ZU ruhig für seine neuen Bandmitglieder. Darum ging's für Baizley zurück ans Reissbrett, um sich dabei Stück für Stück wieder an die alte Härte heranzutasten - mit Erfolg.

«Please don't lay me down / under the rocks where I found», schreit Baizley auf der Single «Chlorine & Wine». Den Lebensmut hat er trotz langer Rehabilitationsphase nicht verloren.

Metal, darf ich vorstellen? Stoner Rock.

Auch mit «Purple» bestätigen Baroness einmal mehr, dass ihnen die Schublade Metal nicht genügend Platz bietet. Harte Riffs? Check. Komplizierte Songstrukturen und abwechslungsreiche Tempi? Check. Ihre Melodienvielfalt und die eingängigen Hooks, von denen die Band wirklich keinen einzigen auslässt, zeigen jedoch, dass die Band im Stoner Rock-Umfeld ebenso gut aufgehoben ist.

So klingen Baroness unter dem Strich genauso oft nach Kyuss oder sogar nach den Foo Fighters (ja genau, die da), wie sie an anderen Stellen an ihre Metal-Kumpanen Mastodon oder Torche erinnern.

Und den Mut zu Experimenten haben Baizley & Co. auf ihrem neuen Album ebenfalls nicht verloren: Während auf älteren Alben Flamenco-Gitarren kurze Intemezzi geben durften, sorgen auf «Purple» sanfte Synthie-Klänge für die nötige Portion Abwechslung.

Baroness live

Baroness live

Jimmy Hubbard

Vormerken: Am 16. März spielt die Band ihren einzigen CH-Gig im Mascotte in Zürich.