Risikosport ist männlich und welsch

Ein Viertel der Befragten hat entweder bereits einmal einen Risikosport wie zum Beispiel «River Rafting», «Free Climbing» oder «Bungee Jumping» ausgeführt. Die Romands sind am offensten für Risikosport, die Tessiner am wenigsten, die Deutschschweizer liegen dazwischen.

Die Sprachregionen der Schweiz (unterschiedliche Färbungen) zeigen, dass die Welschschweiz deutlich häufiger Risikosportarten betreibt. An zweiter Stelle folgt die Ostschweiz, die Westschweiz und das Mittelland befinden sich auf dem dritten Platz. Am wenigsten üben die Tessiner Risikosportarten aus.

Bildlegende: Risikosport: eine Frage der Regionen. Lesebeispiel: 34 Prozent der EinwohnerInnen im Bassin Lémanique haben Risikosporterfahrungen. Risikostudie SRF/ETH 2013

Es ist nicht etwa so, dass der (gelebte) Wunsch nach Risikosport vom Einkommen oder der Bildung abhinge, dafür aber spielt das Geschlecht eine zentrale Rolle: Männer haben deutlich öfter bereits eine Risikosportart ausgeführt oder würden es gerne tun (Männer 32 Prozent versus Frauen 18 Prozent). Daher ist wenig überraschend, dass es sich gemäss der offiziellen Statistik[1] bei über 80 Prozent der beim Sport getöteten Personen um Männer handelt.

Für die Hochrisikosportart «Base Jumping» weist die Statistik durchschnittlich etwa 3 Todesfälle pro Jahr aus (93 Prozent der Fälle Männer). Beim «Bungee Jumping» ist innerhalb der letzten 13 Jahre lediglich eine Person tödlich verunfallt, nämlich ein Mann. Dagegen verunfallen beim Bergwandern und Bergsteigen beispielsweise jährlich knapp 80 Personen tödlich (82 Prozent Männer). Diese Zahlen zeigen allerdings nicht das tatsächliche Sterberisiko beim Ausüben einer bestimmten Sportart – dieses hängt immer auch davon ab, wie viele Personen die Sportart in welcher Intensität betreiben.

[1] Bianchi, G. & Brügger, O. (2013). Tödliche Sportunfälle in der Schweiz, 2000–2012. Bern: bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung. bfu-Grundlagen. (29.7.2013)

Die Autoren der SRF/ETH Studie

Andreas Diekmann, geboren 1951 in Lübeck, ist seit 2003 Professor für Soziologie an der ETH Zürich. Zuvor lehrte er in Mannheim und in Bern. Umweltsoziologie, Spieltheorie und Methoden der empirischen Sozialforschung sind Schwerpunkte seiner Tätigkeit. Heidi Bruderer Enzler, geb. 1980 in St. Gallen, ist Doktorandin an der Professur für Soziologie.