«Hain. Geländeroman» von Esther Kinsky

Ein Reisebericht wird zum Trauerbuch: Mit «Hain» führt Esther Kinsky ins Italien abseits der Touristenströme. Die Ich-Erzählerin hat kürzlich ihren Mann verloren. Nun macht sie die geplante Reise allein. Akribisch notiert sie ihre Gänge durch desolate Gegenden und sucht Versöhnung mit dem Tod.

Portrait von Esther Kinsky
Bildlegende: Mit «Hain» führt Esther Kinsky ins Italien abseits der Touristenströme. © Heike Steinweg Suhrkamp Verlag

Esther Kinsky, für «Hain» eben mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet, verfolgt in ihren Romanen auf eigenwillige Weise die Tradition des «Nature Writing». Ihre auf Streifzügen gesammelten Beobachtungen sind distanziert und intim zugleich, gefasst in eine schwebende Sprache, die immer auch zupackend ist.

Das Wort vom «Freund Hain» prägt den Roman. Tod und Verlust sind allgegenwärtig. Selten ist Italien als so trostlos beschrieben worden. Wobei Esther Kinsky zivilisatorische Zerstörungsprozesse ins Globale spiegelt und persönliche Trauer nie Nabelschau werden lässt. «Hain» ist vielmehr eine Einladung, lesend eigenes Gelände zu erkunden.

Buchhinweis:
Esther Kinsky. Hain. Geländeroman. Suhrkamp, 2018.

Autor/in: Franziska Hirsbrunner