«Herr Kato spielt Familie» von Milena Michiko Flašar

Schon im Bestseller «Ich nannte ihn Krawatte» zeigt Milena Michiko Flašar Menschen, denen das Leben zur Überforderung wird und die zu ungewöhnlichen Mitteln greifen, um es doch zu bewältigen. Nicht anders ist es beim frischgebackenen Rentner in Flašars neuem Roman «Herr Kato spielt Familie».

Portrait von Milena Michiko Flašar
Bildlegende: @ Helmut Wimmer

Herr Kato, der eigentlich anders heisst, aber den wir nie mit richtigem Namen kennenlernen, fühlt sich als Rentner von der Gesellschaft ausgespuckt. Bis er einer jungen Frau begegnet, die eine «Stand-In»-Agentur betreibt. Er lässt sich anheuern und übernimmt es, in fremden Leben Kurzeinsätze als Grossvater, Ehemann und Chef zu spielen.

Auch «Herr Kato spielt Familie» ist in Japan angesiedelt, der zweiten Heimat der 1980 in St. Pölten geborenen Autorin. Die ausgeprägten sozialen Regeln dort akzentuieren die Verlorenheit Herrn Katos noch. Seine Frau zum Beispiel dient ihm zwar weiterhin (fast ganz) ergeben. Und doch denkt er an sie «wie an einen Menschen, den er vor Ewigkeiten einmal aus den Augen verloren und seither nicht wiedergesehen hat». – Ein feinsinniger, verspielter, oft auch komischer Roman über die Gräben zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Mit Milena Michiko Flašar unterhält sich Franziska Hirsbrunner.

Buchhinweis:
Milena Michiko Flašar. Herr Kato spielt Familie. Verlag Klaus Wagenbach, 2018.

Autor/in: Franziska Hirsbrunner