«Strasse der Wunder» von John Irving

Der Roman «Strasse der Wunder» zeigt den Kultautor John Irving in seiner bewährten Art: fabulierend, grotesk, wundersam und frivol – aber auch nachdenklich, hintergründig und voller Liebe für Randfiguren.

John Irving
Bildlegende: Everett Irving

«Ich schreibe deshalb so oft über Aussenseiter, weil sie viel über eine Gesellschaft aussagen, die solche Menschen ausgrenzt», sagt John Irving im Gespräch mit Luzia Stettler. Im Mittelpunkt des neuen Romans steht ein «Müllkippen-Kind»: Juan Diego lebt auf den Abfallbergen von Oaxaca und rettet Bücher vor dem Verbrennen. So hat er sich selber das Lesen beigebracht. Und weil seine geheimnisvolle Schwester Lupe ihr Leben opfert, darf ihn ein schwules Paar adoptieren und nach Iowa mitnehmen.

Auch wenn sich Motive wiederholen, so geht John Irving hier formal neue Wege: Auf einer Flugreise nach Asien lässt er den alten, müden Juan Diego – mittlerweile ein gefeierter Schriftsteller – im Dämmerschlaf über den Wolken immer wieder in seine Jugend zurückkehren. Bruchstückhaft steigen die Erinnerungen hoch und lassen erahnen, wie nachhaltig ihn frühe Begegnungen und Erfahrungen geprägt haben. Dabei verwischen sich Traum- und Wirklichkeit ebenso wie die zwei gegensätzlichen Lebensabschnitte in Mexico und den USA.

Buchhinweis:
John Irving. Strasse der Wunder. Aus dem Amerikanischen von Hans M. Herzog. Diogenes, 2016.

Autor/in: Luzia Stettler