Vernaccia di Oristano: Sardiniens nobelster Wein

Der Vernaccia di Oristano ist ein traditioneller sherryartiger Wein, der nördlich von Oristano an der sardischen Westküste erzeugt wird. Doch leider ist dieser grossartige Traditionswein heute nur noch wenigen Kennern ein Begriff.

Blick auf einen Platz mit alten Gebäuden und einer Statue.
Bildlegende: Oristano ist eine Kleinstadt im Westen der italienischen Insel Sardinien. Jasru/Flickr

Was ist am Vernaccia di Oristano so aussergewöhnlich? Die Erklärung liegt in seiner Herstellung. Die erst in der zweiten Septemberhälfte und anfangs Oktober von Hand geernteten, zuckerreichen Trauben werden zu einem alkoholstarken Weisswein vergoren.

Nach Abschluss der Gärung kommt der Wein in kleine Fässer aus Eichen- oder Kastanienholz. Diese werden nicht ganz, sondern nur zu drei Vierteln gefüllt. Dank des Luftkontakts bildet sich, ähnlich wie beim Sherry, auf der Weinoberfläche eine Schicht von sogenannten Florhofen, die mehrere Jahre erhalten bleiben kann.

Im Gegensatz zum Sherry wird der Vernaccia di Oristano aber nicht aufgespritet. Da Wasser durch das Holz verdunsten kann, nimmt der Alkoholgehalt des Weins mit der Dauer der Fasslagerung auf natürliche Weise stetig zu und kann mitunter auf über 20 Volumenprozent ansteigen.

Die grandiosen Erzeugnisse von Qualitätsproduzenten wie Attilio Contini, Francesco Atzori, Silvio Carta und den Fratelli Serra unterscheiden sich. Aber sie alle verdeutlichen, weshalb der Vernaccia di Oristano von Kennern und Liebhabern zu Recht als Weinmonument bezeichnet wird:

  • Das expressive und vielschichtige Bouquet ist geprägt von zahlreichen typischen Aromen, zu denen Rosinen und getrocknete Feigen, Mandelblüten und Mandelgebäck, Haselnüsse und Baumnüsse gehören.
  • Im Gaumen präsentiert er sich kraftvoll, füllig-warm und im Geschmack ebenso komplex und nachhaltig lang wie in der Nase.

Wer je einen gealterten Vernaccia di Oristano zum Aperitif, als Essensbegleiter getrunken hat, etwa zu Bottarga-Gerichten oder zu Mandelgebäck, wird diesen unvergesslichen Wein schätzen und lieben. Leider ist er hierzulande nur schwer erhältlich.

Moderation: Dani Fohrler, Redaktion: Rudolf Trefzer