Was der Coupe Nesselrode mit Weltpolitik zu tun hat

Zur Erdbeerzeit gibt's den Coupe Romanoff. Und im Herbst steht neben Rehrücken und Hirschpfeffer der Coupe Nesselrode zuverlässig auf den Speisekarten traditionell ausgerichteter Häuser. Es ist gut möglich, dass dieser am Wiener Kongress zum ersten Mal aufgetischt worden ist.

Vermicelles wird angerichtet.
Bildlegende: Wer die gewöhnlichen Vermicelles mag, der liebt Coupe Nesselrode. Keystone

Vermicelles, Vanilleglace, Rahm und Meringues gehören in den Coupe Nesselrode. Seinen Namen hat das Dessert vermutlich von Karl Robert Graf von Nesselrode (1780 1862), Spross eines Deutschen Adelsgeschlechts. Karl Robert Graf von Nesselrode war zu seiner Zeit ein bekannter Spitzen-Diplomat und führte während des Wiener Kongresses (1814-1815) die russische Delegation an.

Dort haben sich möglicherweise die Wege des Diplomaten mit denen von Marie-Antoine Carême (1784-1833) gekreuzt. Es wird vermutet, dass Carême, einer der brühmtesten Köche seiner Zeit, am Wiener Kongress in der Küche gestanden ist.

Ein erfolgreicher und begabter Diplomat und ein ebenso erfolgreicher und begabter Koch zur gleichen Zeit am selben Ort - wenn dem tatsächlich so gewesen ist, dann könnte der Coupe Nesselrode durchaus am Wiener Kongress zum ersten Mal aufgetischt worden sein.

Moderation: Dani Fohrler, Redaktion: Maja Brunner