Weinland Schweiz: Das Tessin

Er ist erst vor hundert Jahren ins Tessin eingeführt worden und ist die unangefochtene Leitsorte - der aus dem Bordeauxgebiet stammende Merlot.

Weinberg in Cademario im Tessin.
Bildlegende: Weinberg in Cademario im Tessin. Keystone

Verheerende Krisen bieten mitunter auch ungeahnte Chancen. Dies zumindest gilt für den Weinbau im Kanton Tessin, der mit 1'100 Hektaren Rebfläche hinter den Kantonen Wallis, Waadt und Genf die viertgrösste Weinbauzone der Schweiz ist.

Nach den verheerenden Attacken der aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten («Echter und Falscher Mehltau») und der Reblaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, lag der Tessiner Weinbau praktisch am Boden.

Bei der anfangs des 20. Jahrhunderts durchgeführten Evaluierung neuer Rebsorten brachten die aus Frankreich eingeführten und auf reblausresistente Unterlagen aufgepfropften Merlotstöcke die besten Resultate.

Der frühreifende Merlot erwies sich zwar als ertragskräftiger, krankheits- und fäulnisresistenter als andere gestestete Varietäten, konnte jedoch gleichwohl nur langsam Fuss fassen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich als unbestrittene Leitsorte durch. Vier Fünftel der Rebfläche des Kantons Tessin sind heute mit ihr bestockt.

Von den alten einheimischen Rebsorten hat einzig die Bondola überlebt. Sie ergibt saftige, nach Kirschen duftende Weine. Im Sopraceneri wird diese Spezialität zurzeit auf rund zehn Hektaren angebaut.

Moderation: Michael Brunner, Redaktion: Rudolf Trefzer