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Abenteuer Moskau Sendungsporträt

Nur gerade rund 800 Schweizerinnen und Schweizer leben in Moskau – 2500 Kilometer von der Heimat entfernt. Was sind das für Menschen, die die russische Hauptstadt zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht haben? «DOK» begleitet sechs von ihnen, die den Mut hatten, sich im «Wilden Osten» niederzulassen.

Die Erlöserkirche in Moskau
Legende: Die Erlöserkirche in Moskau SRF

Svetlana Guggenbühl

Die studierte Ökonomin ist im Moment damit beschäftigt, in Moskau ein Kaffeebusiness im grossen Stil aufzuziehen. Ihre Mutter ist Russin, sie selbst lebte lange in der Schweiz und in London. Vor einem Jahr nun hat sich Svetlana Guggenbühl entschieden, in ein total verändertes Russland zurückzukehren, wo sie den ersten Teil ihrer Kindheit verbracht hat.

Beruflich muss sie sich einer doppelten Herausforderung stellen. Zum einen muss sie ihr Kaffeebusiness vorantreiben, zum anderen möchte ihr Vater George, ebenfalls ein Unternehmer, auch nicht auf das Verkaufstalent seiner Tochter verzichten. Ob das gut geht? Dafür ist privat alles bestens. Seit Kurzem ist die 26-Jährige mit Keiran liiert. Der gebürtige Australier hat sich auf das Rösten von Kaffeebohnen spezialisiert. Zudem ist er der ruhende Pol in der Beziehung und unterstützt Svetlana, wo er kann. mehr ...

Svetlana Guggenbühl: Sie verbrachte den ersten Teil ihrer Kindheit in Russland.
Legende: Svetlana Guggenbühl: Sie verbrachte den ersten Teil ihrer Kindheit in Russland. SRF

Julie Bächtold

Seit es sie – nach dem Studium in Moskau Anfang der 90er – vor 14 Jahren der Liebe wegen endgültig nach Moskau verschlagen hat, lebt Julie Bächtold ein klassisch russisches Leben. Allerdings mit enger Verbindung zur Schweiz, denn sie arbeitet auf der Schweizer Botschaft. Die 41-jährige Bernerin hat eine Tochter, die den Sommer – ganz nach russischer Manier – bei den Grosseltern auf der Datscha verbringt.

So oft es möglich ist, besucht Julie ihre Tochter. Auf der anderen Seite geniesst Julie mit ihrem russischen Mann Andrej auch mal einen freien Abend im Kino oder im Theater. Mit ihrem Mann teilt sie zudem ihre Leidenschaft für Fotografie. Ist sie selbst noch Schweizerin oder Russin? Sie sieht sich irgendwo dazwischen, versucht aber, aus beiden Kulturen das Beste mitzunehmen: Aus Russland das Emotionale, aus der Schweiz das Rationale. mehr...

Julie Bächtold: Die Bernerin versucht aus beiden Kulturen das Beste mitzunehmen.
Legende: Julie Bächtold: Die Bernerin versucht aus beiden Kulturen das Beste mitzunehmen. SRF

Lorenz Widmer

Der neue Chef von Julie Bächtold ist bereits russlanderprobt, obwohl der 40-jährige Ökonom mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern frisch aus der Schweiz kommt. Lorenz Widmer hat als Student schon einige Jahre hier verbracht, zudem ist er bereits Teilhaber einer Datscha in der Nähe von Kaluga. Als sich nun die Gelegenheit bot, als neuer Leiter des Swiss Hub Schweizer Unternehmen zu beraten, die sich für den russischen Markt interessieren, hat er sie beim Schopf gepackt.

Ein Abenteuer auf Zeit, schliesslich gilt der neue Job zunächst für vier Jahre. Doch der Alltag mit der Familie in einem Land, das sich in den letzten Jahren stark gewandelt hat, ist eine Herausforderung. mehr ...

Lorenz Widmers Job in Moskau ist vorerst auf 4 Jahre begrenzt.
Legende: Lorenz Widmers Job in Moskau ist vorerst auf 4 Jahre begrenzt. SRF

Dominique Godat

In einem ganz anderen Business ist Dominique Godat tätig. Der Hotelier hat vor fünf Jahren vom russischen Milliardär Alexander Kljatschin den Auftrag erhalten, das Hotel Metropol wieder zur ersten Adresse in Moskau zu machen. Die Zimmer sollen grösser und luxuriöser werden. Und der Service muss von Grund auf verbessert werden. Seither baut Dominique um und versucht, seinen Angestellten ein paar Schweizer Tugenden beizubringen.

Die Herausforderung: Die grosse Renovation darf den Betrieb des Hotels nicht beeinträchtigen. Diese Vorgabe hat er vom Hotelbesitzer erhalten. Dominique lebt für seinen Job. Doch das hat seinen Preis. Seine Frau und seine Tochter wollten nicht nach Moskau ziehen, deshalb pendelt er alle zwei Wochen in die Schweiz. Ganz selten besucht ihn die Familie auch in Moskau. Ein schwieriger Spagat, doch die Entscheidung für den Beruf lässt sich nicht so einfach rückgängig machen. mehr ...

Dominque Godat: Schwieriger Spagat zwischen Familie und Arbeit in Moskau.
Legende: Dominque Godat: Schwieriger Spagat zwischen Familie und Arbeit in Moskau. SRF

Roland Lei

Der Bauunternehmer Roland Lei gehört schon fast zum Inventar in Moskau. Im Moment baut er die neue Schweizer Botschaft. Der Bauingenieur, zu dessen Kunden renommierte Firmen wie Nestlé, Coop, Holcim und VW gehören, hat schon manche Krise in Russland überstanden, die jüngste macht ihm allerdings zu schaffen. Roland arbeitet hauptsächlich für Firmen aus dem Westen, und diese investieren wegen der Sanktionen sehr zurückhaltend. Akquirieren ist schwierig momentan, Lei musste bereits Stellen abbauen und hofft nun auf einen neuen Auftrag.

In der Schweiz hätte er nie eine solche Karriere gemacht, sagt er. Darum kann sich der 61-Jährige auch nicht mehr vorstellen, zurückzukehren. Seine erste Familie hat das Russland-Abenteuer allerdings nicht überstanden. Ein hoher Preis, doch der Kontakt zu seinen beiden Söhnen ist heute gut. Jedes Jahr fährt Roland mit ihnen die Snowboard-Ferien – oder die Söhne besuchen ihn auf seiner Datscha in Rjasan. Dort verbringt Roland die knappe Freizeit mit seiner langjährigen Freundin Katja und dem gemeinsamen Hund. mehr ...

Roland Lei: Fehlende Investitionen aus dem Westen bereiten dem Bauingenieur Sorgen.
Legende: Roland Lei: Fehlende Investitionen aus dem Westen bereiten dem Bauingenieur Sorgen. SRF

Dorothea Kolde

In die Heimat zurückkehren? Das kann sich auch die Westschweizerin Dorothea Kolde nicht ganz vorstellen. Nach 20 Jahren hat sie sich von ihrem russischen Ehemann getrennt, ihre Tochter Sophia ist jedoch in Moskau aufgewachsen und will nicht weg. Zudem hängt Dorothea an ihrem Job.

Die 53-Jährige arbeitet als Beobachterin für Menschenrechte für die Schweizer Botschaft. Sie stellt sicher, dass die Arbeiter auf den Baustellen, wo die Arbeiten für die WM voll im Gang sind, menschenwürdig behandelt werden. Eine sinnvolle Aufgabe, privat ist Dorothea daran, sich ein neues Leben aufzubauen und probiert Sachen aus, für die sie bisher keine Zeit hat, italienisch lernen zum Beispiel. Eine neue Beziehung sucht sie nicht aktiv, vorerst ist und bleibt Tochter Sophia der wichtigste Mensch in ihrem Leben. mehr ...

Dorothea Kolde:Dorothea Kolde: Trotz wichtiger Arbeit ist sie nach der Trennung von ihrem Partner auf Sinnsuche.
Legende: Dorothea Kolde: Trotz wichtiger Arbeit ist sie nach der Trennung von ihrem Partner auf Sinnsuche. SRF

Moskau – eine Millionenmetropole mit zwei Gesichtern: weltoffen und modern, aber zugleich streng und traditionell. Wer hier lebt und arbeitet, muss sich darauf einlassen, genauso wie auf einen Präsidenten, der von vielen Russen geliebt und im Westen eher kritisch beäugt wird. Traum oder Albtraum? – Abenteuer Moskau!