«Arena/Reporter»: Freie Kinder – freche Goofen?

Antiautoritär war punkto Kindererziehung das Schlagwort der 68er Generation – heute ist es für viele schon fast ein Schimpfwort. Wie klare Regeln sollen wir Kindern vorgeben? Welche Werte gelten heute überhaupt noch? Darüber diskutieren Jonas Projer und Christa Rigozzi in «Arena/Reporter».

«Ich habe keine Lust auf Mathe!» Sind es freche Goofen, die sowas in der Schule sagen – oder sind es freie Kinder, die gelernt haben, auf sich selbst zu hören? Die Privatschule «Dandelion» in Zürich würde Letzterem zustimmen. In dieser Schule sind solche Sätze an der Tagesordnung.

Angela Joerg und ein kleines Team haben die Schule, die sie «ein Herzensprojekt» nennt, vor einem Jahr gegründet. Nicht ganz uneigennützig: Ihr ältester Sohn war im Kindergarten nicht glücklich. Sie nahm ihn aus der öffentlichen Schule und steckte ihn und ihre Ideale in die eigens dafür gegründete Schule. Eine Schule ohne Lernzwang – und mit sehr vielen Freiheiten für die Kinder. Antiautoritär will diese Institution aber nicht sein.

20 Schüler und Schülerinnen üben sich täglich darin, die weit gesteckten Grenzen einzuhalten. Das fällt manchen Schülern schwer. «Wie viele Kinder einfachste Regeln nicht einhalten können, haben wir möglicherweise unterschätzt», meint Schulleiterin Joerg.

Reporterin Kathrin Winzenried hat die «Dandelion» besucht und wollte wissen: Heisst das aktuelle Zauberwort in der Erziehung «selbstbestimmt»? Wie schafft man es, dass einem die Kinder nicht auf der Nase rumtanzen? Und: Wäre mehr Strenge in der heutigen Zeit nicht wichtiger denn je?

In der an den «Reporter» anschliessenden Debatte diskutieren Jonas Projer und Christa Rigozzi mit ihren Gästen, was in Schule und Erziehung heute zählt. Was brauchen Kinder? Wie viel Förderung gehört in die Schule? Und wie viel Druck, den es gar nicht bräuchte, machen Eltern?

Jonas Projer und Christa Rigozzi begrüssen Remo Largo, den renommierten Entwicklungsforscher und Autor. Er steht Eltern seit Jahrzehnten mit Büchern wie «Babyjahre» zur Seite. Remo Largo sagt: «Das Kind ist keine Knetmasse, die wir nach unserem Gutdünken formen können.»

Seine ganz persönliche Sicht bringt Marco Rima, Komiker, ausgebildeter Lehrer und Vater von vier Kindern in die Diskussion ein. Rima sagt: «Heute erziehen wir Kinder nach wie vor zu Gesellschaftssoldaten. Dabei verpassen wir die Chance, die Kinder auf Grund ihrer Stärken zu fördern!»

Elsbeth Stern, Lehr- und Lernforscherin an der ETH Zürich, sagt: «Aufgabe der Schule ist Vermittlung von Wissen und geistigen Kompetenzen. Massnahmen, die auf Motivation und Kreativität ausgerichtet sind, können dies unterstützen – aber nicht ersetzen.»

Die Runde komplettiert Gerhard Pfister, Präsident der «Familienpartei» CVP und Vorstandmitglied im Verband Schweizerischer Privatschulen. Er sagt: «Die Erziehung wäre idealerweise Sache der Eltern – doch heute muss die Schule immer mehr Erziehungsaufgaben übernehmen. Das ist keine gute Entwicklung.»

Zuschauerinnen und Zuschauer können am Sonntag, 8. April 2018 unter der Telefonnummer 0800 830 023 oder auf Twitter unter #srfarena live ihre Meinung einbringen.