«Auf Bali bleibst du immer fremd»

Sieben Jahre haben Anni Kuhn und Orlando Stamm auf Bali gelebt. Die Kultur der Götterinsel ist faszinierend. Aber auch eine Hürde, um heimisch zu werden.

Mona Vetsch mit den Bali-Auswanderern Orlando Stamm und Anni Kuhn im Restaurant ihres Resorts

Bildlegende: Mona Vetsch mit den Bali-Auswanderern Orlando Stamm und Anni Kuhn im Restaurant ihres Resorts SRF

Das Leben für und mit den Göttern bestimmt auf Bali den Alltag. Da lauern viele Fettnäpfchen. Der verschmutzte Götteraltar der Hotelanlage etwa war Hauswirtschaftslehrerin Anni ein Dorn im Auge. Kurzerhand putzte sie ihn mit Seifenwasser. «Unsere Angestellten waren schockiert!» Eine Frau, eine Ausländerin, eine Dreckbürste und ungeweihtes Wasser: «Es brauchte eine dreiwöchige Zeremonie, um die Götter wieder zu besänftigen.»

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Zahnschleif-Zeremonie

1:53 min, vom 26.5.2017

Zähne schleifen

Von einer Angestellten wurden Anni und Orlando zur Zahnschleif-Feier eingeladen. Mit einer riesigen Feile werden den balinesischen Teenagern die Eckzähne abgeschliffen. «Das Animalische soll eliminiert werden», erklärt Anni die Bedeutung. Erst danach seien die jungen Leute parat, um zu heiraten. «Wer hier leben will, muss solche Rituale respektieren.» Nur die vielen Feiertage hätten im Hotelbetrieb oft Nerven gekostet.

Geschlossene Gesellschaft

Sogar innerhalb Indonesiens ist Bali eine eigene Welt. «Viele offizielle Sitzungen beginnen hier mit einer hinduistischen Zeremonie. Für die muslimischen Indonesier eine Hürde, und es ist nur eine von vielen », erzählt Orlando. Touristen sind willkommen, Auswanderer haben es schwerer. Ausländer können auf Bali kein Land kaufen. Man braucht einen Einheimischen als Mittelsmann oder muss langjährig pachten. Und jeder Einwanderer muss in der Hauptstadt Geld für ein Rückflugticket hinterlegen – falls die Träume platzen.

Trotz den guten Kontakten zu ihren Angestellten und den Einheimischen: Echte Freundschaften haben Anni und Orlando nicht geschlossen. Und auch keine neue Heimat gefunden. Zu unterschiedlich seien die Kulturen. Nach sieben Jahren bilanzieren die beiden: «Auf Bali bleibst du immer ein bisschen fremd».

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«In Bali sind sehr viele gescheitert.»

2:06 min, vom 20.1.2017

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