«Auf und davon Spezial» auf Achse: Die Dreharbeiten

Ausnahmslos alle angefragten, ehemaligen Auswanderer der ersten beiden Staffeln waren bereit, bei der neuen Serie «Auf und davon Spezial» mitzumachen. Hauptproduzent Markus Storrer führt das auf das gegenseitige Vertrauen zurück, und dass es nie darum geht, die Protagonisten blosszustellen.

Selfie in Perth: Mona Vetsch, Kameramann Sergio Cassini, Produzent Samuel Bürgler und Hauptproduzent Markus Storrer.

Bildlegende: Selfie in Perth: Mona Vetsch, Kameramann Sergio Cassini, Produzent Samuel Bürgler und Hauptproduzent Markus Storrer. SRF

SRF DOK: Markus, was hat euch dazu bewogen, «Auf und davon Spezial» zu machen?

Markus Storrer: Das Interesse beim Publikum ist derart gross. Bis heute erhalten wir Zuschriften, in denen Zuschauerinnen und Zuschauer fragen, wie es den Protagonisten der ersten Staffeln geht. Auch in meinem persönlichen Umfeld habe ich diese Neugier gespürt. Also sind wir dem nachgegangen und merkten, dass sich über die Jahre vieles getan hat. Als wir die Auswanderer 2009 das erste Mal begleiteten, waren sie noch mit ganz anderen Problemen und Themen konfrontiert wie heute.

Schweisstreibende Dreharbeiten in Dubai: Samuel Bürgler chauffiert Kameramann Sergio Cassini, der Auswanderer Reto Maccioni filmt.

Bildlegende: Improvisieren in Dubai: Samuel Bürgler chauffiert Kameramann Sergio Cassini, der Auswanderer Reto Maccioni filmt. SRF

Waren denn alle auf Anhieb bereit, wieder mitzumachen?

Ausnahmslos. Die Protagonisten können das Publikumsinteresse selbst gut nachvollziehen, da auch sie neugierig sind, wie es den anderen ergangen ist. Dass diese Bereitschaft bei allen da war, liegt aber sicher auch daran, dass wir niemanden blossstellen, sondern uns ernsthaft für die Geschichten interessieren und sie auch dementsprechend erzählen.

Wie hast du dich auf die Länder vorbereitet, die ihr besucht habt?

In erster Linie haben wir uns auf die Protagonisten vorbereitet und viel recherchiert. Zunächst habe ich die Leute gefragt, was sie in den Jahren erlebt haben. Diese Fakten gab ich Mona in Eckpunkten weiter, aber nicht im Detail. So hatte sie zwar schon Infos, konnte aber dennoch mit offenem Geist und authentischer Neugierde mit den Protagonistinnen und Protagonisten sprechen. Abgesehen davon mussten wir natürlich auch für einige Länder Drehbewilligungen einholen.

War das irgendwo besonders schwierig?

In Venezuela haben wir darauf verzichtet. Wir wollten nicht unnötig schlafende Hunde wecken. Zudem war die Zeit etwas knapp und bei der sozialistischen Regierung dachte ich mir, dass wir unter Umständen in langsame Mühlen geraten, die den Prozess unnötig verzögern. Gedreht haben wir dann mit kleineren Kameras, um nicht zu sehr aufzufallen.

Bei Schönbächlers in Kanada kommt eine Kameradrohne zum Einsatz: «Drohnenpilot» Reto Vetterli kontrolliert die Aufnahmen.

Bildlegende: In Kanada kommt eine Kameradrohne zum Einsatz: «Drohnenpilot» Reto Vetterli kontrolliert die Aufnahmen. SRF

Wie stand es um eure Sicherheit? Das muss doch besonders in Venezuela ein Thema gewesen sein?

Natürlich, die Kriminalitätsrate ist hoch, wirtschaftlich herrscht dort das totale Chaos. Bei meiner Recherche hörte sich alles sehr krass an. Die Hauptstadt Caracas weist weltweit, abgesehen von Kriegsgebieten, die höchste Mordrate auf. Unsere lokalen Kontakte jedoch meinten, das sei alles kein Problem. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Und ist alles reibungslos verlaufen?

Tatsächlich hat uns die Polizei einmal angehalten, als wir für die Aufzeichnung einer Sequenz eine Strandstrasse mehrmals auf- und abgefahren sind. Für einen kurzen Moment hatte ich ein mulmiges Gefühl. Unser Protagonist erklärte den Polizisten dann aber, was wir machen, und die hat es nicht weiter interessiert.

Ausblick auf die peruanische Hauptstadt Lima, gefilmt von Dominic Hiss.

Bildlegende: Ausblick auf die peruanische Hauptstadt Lima, gefilmt von Dominic Hiss. SRF

Musstet ihr auch andere Hürden bewältigen?

Dubai war in einer anderen Hinsicht etwas mühsam: Die Drehbewilligungen waren sehr teuer, beispielsweise wollten sie für einen zweistündigen Dreh in einer Shopping-Passage 6000 Franken. Für das Wohnquartier, in dem unser Protagonist wohnt, wollten sie auch 5000 Franken. Diese Preistreiberei wollten und konnten wir nicht mitmachen. Wir haben dann spontan vor Ort geschaut, was sich machen lässt.

Gab es Geschichten, die dich besonders berührt haben?

Sehr nahe gegangen ist mir die Geschichte in Peru. Wir wussten, dass die Familie in der Zwischenzeit ein Kind verloren hatte, das wir damals noch gefilmt hatten. Mich hat beeindruckt, welche Vorwärtsstrategie die Familie entwickelt hat – immer in Gedenken an das Kind – und dass sie offenbar auch das Vertrauen hatten, mit uns so offen über das Erlebte zu sprechen.

Was meinst du, woher kommt dieses Vertrauen?

Das hat sicher auch mit Mona zu tun. Die Leute «kennen» sie, wenn auch nur indirekt vom Fernsehen und vom Radio. Und Mona wiederum kennt sie ebenfalls vom Fernsehen. Dadurch, dass beide das Gefühl haben, einander irgendwie zu kennen, geht es einfacher. Durchs Band haben uns die Leute so offen empfangen, das war sehr erstaunlich.

Die Temperaturen erlaubten es der Crew, die Schönbächlers in Rosswood, Kanada, auf einem natürlichen Eisfeld zu filmen.

Bildlegende: Die Temperaturen erlaubten es der Crew, die Schönbächlers in Rosswood, Kanada, auf einem natürlichen Eisfeld zu filmen. SRF

Seid ihr euch im Team auch mal auf die Nerven gegangen?

Gar nicht. In meinem Leben bin ich mit niemandem so viel gereist wie mit Mona, schon für «Fernweh» war ich damals während sieben Jahren mit ihr unterwegs. Sie ist weder eitel noch eine Diva. Auch mit allen anderen, die mitgekommen sind, hat alles gut geklappt. Das ist nicht selbstverständlich, da man tagein, tagaus zusammen ist und lange, intensive Arbeitstage hat.

Wie steht es eigentlich mit dir? Könntest du dir vorstellen, auszuwandern?

Ich liebe lange Reisen und manchmal fehlen mir der Strand und das Meer, aber nein, auswandern möchte ich nicht. Viele Auswanderer-Geschichten beginnen damit, dass es den Leuten in der Schweiz zu eng ist, sie das Gefühl haben, sich hier nicht entfalten zu können. Dieses Gefühl habe ich zum Glück nicht. Mir gefällt es in der Schweiz sehr gut.

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