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Auf und davon «Auswanderer brauchen Sportsgeist»

SRF DOK begleitet seit 2009 Schweizerinnen und Schweizer auf ihrem Weg in eine neue Heimat. Wie findet das Produktionsteam die mutigen Auswanderer? «Auf und davon»-Autorin Regina Buol ist seit der ersten Staffel dabei.

SRF DOK: Was ist wichtig für das Produktionsteam? Welche Auswanderer-Geschichten eignen sich für die «DOK»-Serie «Auf und davon»?

Regina Buol: Als erstes vorweg: Unsere Auswanderer sind Helden, denn sie haben den Mut, etwas anzupacken, wovon viele träumen.

Merkst du schon, wenn du die Bewerbungsschreiben liest, wer sich eignen könnte?

Nein, Papier nimmt ja bekanntlich alles an. Das erste Telefongespräch aber kann bereits entscheidend sein. Die Art und Weise, wie jemand spricht und mit welcher Begeisterung jemand über seine Pläne redet, geben einen ersten und sehr wichtigen Eindruck. Es zeigt, ob jemand überhaupt mitteilsam ist – und das ist eine wichtige Voraussetzung.

Welche Bedingungen müssen die Auswanderer erfüllen, um in Frage zu kommen?

Sie brauchen Sportsgeist. Indem sie einwilligen, sich beim Auswandern begleiten zu lassen, begeben sich unsere Protagonisten auf ein völlig neues Terrain, auf dem sie keinerlei Übung haben. Neben dem Stress, Koffer zu packen und das Auswandern vorzubereiten, kommt also noch eine Journalistin oder ein Journalist dazu und stellt Fragen. Doch bisher meisterten alle unsere Auswanderer diese Herausforderung bestens.

Und dann sollten die Auswanderer ja auch noch etwas Spannendes erleben.

Wir wollen nicht einfach die Geschichte eines Umzuges, sondern Geschichten eines neuen Lebens erzählen. Die Auswanderer sollen also nicht einfach von hier nach dort umziehen, sondern eine zusätzliche Herausforderung bestehen müssen: Ein neues Geschäft aufbauen, ein eigenes Hotel in Betrieb nehmen, Kinder neu einschulen, mit Behörden verhandeln.

Was geschieht bei einem Casting?

Schlussendlich ist ein Casting ein Interview und es wird aufgezeichnet. So bekommen wir einen ersten Eindruck, wie die Kandidaten sich vor der Kamera bewegen. Werden die Kandidaten nervös oder bleiben sie natürlich? Das ist sehr wichtig, die Kamera soll die Auswanderer nicht beeinflussen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie natürlich Schweizerinnen und Schweizer vor der Kamera agieren. Beim Casting wird auch ein wichtiger Grundstein gelegt, nämlich das Vertrauen. Das gegenseitige Vertrauen ist entscheidend.

Bleibt es bei nur einem Casting, oder besucht ihr die Kandidaten nochmals?

Klar, wo wir unsicher sind, kommt es zu weiteren Treffen. Wichtig aber ist nicht nur, ob ein Kandidat schlussendlich mitmachen will und wir ihn auch wollen. Die Auswanderer sollen auch in die anstehende Staffel passen. Denn die Zusammensetzung der einzelnen Geschichten ist entscheidend dafür, dass eine Serie im Fernsehen funktioniert. Simpel gesagt: Drei Familien, die nach Australien auswandern, wäre keine gute Zusammensetzung. Es sollen unterschiedliche Ziele sein, auch die Auswanderer selbst sollten sich unterscheiden. Damit sich so viele Zuschauer wie möglich mit den Auswanderern identifizieren können, suchen wir junge und ältere Auswanderer. Familien mit grösseren oder auch kleineren Kindern.

Ist es mit den Jahren einfacher geworden, Auswanderer für die «Auf und davon» zu finden?

Als man die Serie «Auf und davon» noch nicht kannte, machten viele den Vergleich mit ausländischen Formaten. Das hat einige abgeschreckt. Mittlerweile kennen gerade Leute, die es sich vorstellen können, einmal auszuwandern, unsere Serie. «Auf und davon» kommt sehr gut an und hat Erfolg – das macht die Suche nach Auswanderern, die sich mit der Kamera begleiten lassen möchten, ein wenig einfacher. Allerdings: Wir sind ein Volk von acht Millionen – die Auswahl ist naturgemäss beschränkt. Es wollen ja nicht alle auswandern.

Hermann Schönbächler
Legende: Ein «Character» – Hermann Schönbächler und ein Büsi. SRF

Welche Anekdoten kannst du aus fünf Jahren Casting erzählen?

Es ist fast wie in der Liebe: Es macht «PÄNG» und ich weiss: Der oder die sind es! Beim Bieler Förster Hermann Schönbächler habe ich das so erlebt: Seine Frau öffnete die Wohnungstüre und liess uns für das Casting herein. Auf dem Weg zur Stube knarrte eine Zimmertüre, jemand trat heraus und sagte: «Grüessich!» Ich wandte meinen Kopf, hob meinen Blick und wusste, das ist eine Nummer für sich – oder wie die Amerikaner sagen ein «Character», den müssen wir nehmen.

Was hast du bei den Castings für die neue Staffel erlebt?

Auf Castingtour ist es immer wieder spannend, in welche Häuser man gebeten wird. Für die Staffel 2015 besuchten wir die Familie Landolt im Glarnerland. Meine Kollegin Denise Schneitter und ich waren sprachlos, als uns das GPS zur Fabrikantenvilla der Landolts führte. Vier Kinder, ein solch schönes Zuhause und trotzdem wollen die Landolts auswandern. Das muss eine interessante Geschichte sein, sagten wir uns – und wir sollten recht bekommen.

Für die nächste Staffel «Auf und davon» sucht «DOK» Schweizer, die das Abenteuer Auswandern wagen. Weitere Infos unter folgendem Link:

Auswanderer gesucht

Zur Autorin

Zur Autorin

Regina Buol begleitete Schweizer Auswanderer nach Thailand, Kambodscha, Kreta und in die Türkei. Bei den Castings ist sie meist von Anfang an dabei.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Seraina Zihlmann, Schüpfheim
    Die Sendung ist wunderbar. Vor allem gefällt mir, dass man auch einen guten Einblick in das (Familien-)geschehen erhält. Die Auswanderer sind meist sehr sympathisch und wirken natürlich. Besonders möchte ich auch die Fernsehsprecherin loben, die das Ganze auf eine sehr angenehme Art kommentiert. Ich bin gespannt auf die Staffel von 2015 und hoffe auf viele weitere Episoden.
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  • Kommentar von Martin Hoch, 8132 Egg
    Die Sendung "Auf und davon" von gestern, war für uns eher enttäuschend. Zu lange in der Vergangenheit verweilt und zuwenig in der Gegenward. Wir wollten doch eigentlich wissen wie die Leute heute leben. Doch die Regiseure haben wahrscheinlich mehr Spass am ein- und ausblenden anstatt in die Tiefe zu gehen. Schade! Wir waren nach der Sendung enttäuscht. Freundliche Grüsse M. Hoch
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  • Kommentar von M. Meier, Basel
    Interessante Sendungen. Machte selber längere Sprachaufenthalte im Ausland und reise sehr gerne, bin aber immer wieder froh in die Schweiz zurückkehren zu können, wo meine Heimat ist. Die Vorzüge werden wir immer mehr bewusst. Nicht alle Auswanderer finden ihr ersehntes Glück. Für viele ist es nach einigen Jahren aber nicht mehr gut möglich, die Zelte im Ausland abzubrechen, weil sie in der Schweiz beruflich und finanziell den Anschluss verloren haben. Viele investierten ihre PK-Gelder...
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