«Bist du ein Schaf oder ein Löwe?»

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  • Am Ende gewinnt der Löwe (Bild: Keystone)

    «Bist du ein Schaf oder ein Löwe?»

    «Der Löwensucher» ist der Erstlingsroman des kanadischen Autors Kenneth Bonert. Er erzählt die Geschichte des jüdischen Buben Isaac Helger, dessen Familie 1924 aus Litauen nach Südafrika flieht.

    Im Völkergemisch von Afrikanern, Asiaten, Buren und Engländern, inmitten von Wirtschaftskrise, Rassismus und Gewalt, versucht sich Isaac zu behaupten. Die 780 Seiten sind voller überraschender Wendungen und Parallelgeschichten, drastisch und berührend erzählt. Bonert rüttelt damit an den Grundfesten unserer westlichen Gesellschaft. Denn der Löwe fragt nicht, sondern nimmt sich, was er braucht.

  • Auf der Suche nach dem richtigen Platz im Leben (Bild: Keystone)

    «Are you stupid or clever?» - Buch

    Isaac Helger, die Hauptfigur des Romans, wird heftig zwischen den Ansprüchen der Eltern, der Geliebten, des Lehrmeisters, des Geschäftspartners etc. hin und her gezerrt. Fortuna reisst ihn in Höhen und Tiefen. Schliesslich muss Isaac Entscheidungen fällen, die Menschen zugrunde richten.

    «Der Löwensucher» ist ein Bildungsroman, eine Familiensaga, ein Historiendrama, und es ist vor allem ein Roman von elementarer Kraft.

    Buchhinweis: Kenneth Bonert. Der Löwensucher. Diogenes, 2015.

    Markus Gasser

  • Kenneth Bonert liefert einen meisterhaften Debütroman (Bild: Richard Dubois)

    «In einer Welt der Lügner glaubt niemand die Wahrheit» - Autor

    Kenneth Bonert äussert sich im Interview unter anderem zur Frage nach ethischem Handeln in einer unethischen Gesellschaft, wie sie auch im Südafrika der 1920er- und 1930er-Jahre herrschte. Bonert selber ist in den 1970er- und 1980er-Jahren in Johannesburg aufgewachsen.

    Ein Teil der entsetzlichen Ereignisse im «Löwensucher» gehört zu seiner eigenen Familiengeschichte. Die emotionale Nähe zum Geschehen und zu den Figuren ist eine der Stärken dieses Romans.

    Markus Gasser

  • Die Jugend versteht sich trotz Sprachengewirr (Bild: Keystone)

    «Boerewors» und «Chrain» - Ein babylonisches Sprachengewirr

    Isaac Helger wächst im jüdischen Viertel Doornfontein in Johannesburg auf. Er verkehrt mit Juden, mit Mischlingen, mit Schwarzen, mit reichen und armen Buren und mit Engländern.

    Und Kenneth Bonert erweist in seinem Roman den Sprachen und Slangs all dieser Gruppen die Ehre: Er benutzt Ausdrücke aus dem Afrikaans, schildert die Klicklautsprache der Zulus und feiert vor allem die «melancholische Körpermusik» des Jiddischen, einer Sprache mit Wörtern, die sich anfühlen «wie Mutterbauch und Küche».

    Markus Gasser