Dem Bösen auf der Spur

In seinem neuen Buch «Andersen» lotet Charles Lewinsky raffiniert die dunkle Seele eines ehemaligen Folterers aus: Er zeigt uns einen kaltblütigen Menschen, der frei ist von Skrupeln und Schuldgefühlen. Auch Heinz Strunk stellt einen Verbrecher in den Mittelpunkt seines jüngsten Romans «Der goldene Handschuh»: Den historischen Frauenmörder Fritz Honka aus Hamburg. Doch präsentiert er ihn nicht als Monster, sondern als geistig beschränkten Alkoholiker, der im Leben nie eine Chance hatte.

Beiträge

  • Der Autor Charles Lewinksy (Bild: Reyer Boxem)

    Ein Mann ohne Gewissen

    Wie sieht es aus, das personifizierte Böse? Gibt es Menschen, die stolz sind, andere zu quälen? Charles Lewinsky liefert in «Andersen» den Beweis: Er stellt einen ehemaligen Folterer ins Zentrum und lässt ihn nochmals zur Welt kommen.

    Eine verblüffende Idee, die Charles Lewinsky hier durchspielt: Abgründig, erschreckend, hinterhältig. Denn bald wird klar: Der «Neue» ist noch ganz der «Alte». Aber er hat nicht mit der Macht des Guten gerechnet. Im Gespräch mit Luzia Stettler erzählt der Autor vom Umgang mit diesem archaischen Stoff.

    Buchhinweis: Charles Lewinsky. Andersen. Nagel & Kimche, 2016.

    Luzia Stettler

  • Der Autor Heinz Strunk (Bild: Dennis Dirksen)

    Die Hölle der Abgestürzten

    Der Fall «Fritz Honka» sorgte in den 70-er Jahren für Schlagzeilen: Ein Mann hatte vier Frauen ermordet und dann zerstückelt in seiner Wohnung versteckt. Jetzt hat Heinz Strunk das Leben dieser Figur mit grosser Empathie literarisch aufgearbeitet.

    Der Roman «Der goldene Handschuh» gilt als kleine Sensation im aktuellen Bücherfrühling: «Eine Zumutung, aber eine dringend nötige», urteilte der «Spiegel». Heinz Strunk eröffnet uns hier den schonungslosen Blick in die Hölle jener, die am alleruntersten Rand der Gesellschaft dahinvegetieren.

    Buchhinweis: Heinz Strunk. Der goldene Handschuh. Rowohlt, 2016 (Hörbuch: tacheles, 2016)

    Luzia Stettler