Die Revolution und das Mädchen

Der Roman «Eine Mango für Mao» beschreibt das Leben eines Mädchens, das während der Kulturrevolution in China aufwächst. Von Politik hat es keine Ahnung. Doch die Politik ist überall. Auch eine Mango ist nicht einfach eine Frucht, sondern ein politisches Symbol

Die Mango als politisches Symbol in der Kulturrevolution
Bildlegende: Die Mango als politisches Symbol in der Kulturrevolution Bild: zvg.

Seit 23 Jahren lebt Wie Zhang in der Schweiz. Doch geboren und aufgewachsen ist sie in China, zur Zeit der Kulturrevolution. Die dauerte von 1966-1976 und war eines der dunkelsten Kapitel der chinesischen Geschichte. Doch Wei Zhang schreibt nicht über die Grausamkeiten, nicht über die Strassenkämpfe, die Deportationen, die hunderttausende Toten. Jedenfalls nicht direkt. Sie erzählt vom ganz «normalen» Alltag in einer totalitären Diktatur, und sie tut dies konsequent aus der Sicht eines Kindes. Der naive Blick entlarvt die absurden Mechanismen der Diktatur. Das ist schrecklich und komisch zugleich.

Im BuchZeichen erklärt die Autorin, warum sie die Geschichte der Kulturrevolution aus der Perspektive des Kindes erzählt und warum sich China so schwer damit tut, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Und wir erfahren, welche Rolle die Mango in der Kulturrevolution gespielt hat.

Buchhinweis:
Wei Zhang. Eine Mango für Mao. Salis, 2018.
Alfreda Murck (Hg.). Maos Mango. Massenkult der Kulturrevolution. Museum Rietberg Zürich. Scheidegger & Spiess, 2013.
Yu Hua. Brüder. Fischer Taschenbuch, 2012 (2009).
Dai Sijies. Balzac und die kleine chinesische Schneiderin. Piper, 2003.

Autor/in: Martina Süess