Heinrich Gerlach: Der Chronist in der Hölle von Stalingrad

Der 1991 verstorbene deutsche Schriftsteller Heinrich Gerlach kämpfte als Offizier in Hitlers Wehrmacht in Stalingrad. Er geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft und schrieb dort den atemberaubenden Roman «Durchbruch bei Stalingrad». Die Sowjets unterbanden jedoch die Publikation. Das Manuskript galt während Jahrzehnten als verschollen. Kürzlich wurde es nun in einem Moskauer Archiv gefunden.

Beiträge

  • Ein fesselndes Anti-Kriegsepos: Durchbruch bei Stalingrad (Coverausschnitt)

    Fesselnde Lektüre

    Heinrich Gerlachs Roman ist ein ebenso monumentales wie fesselndes Anti-Kriegsepos.

    Es überzeugt durch die sprachliche Kraft und die grosse Authentizität: In wohl keinem anderen Stalingrad-Roman schildert ein Autor durch die eigenen Augen und aus so kurzer zeitlicher Distanz das grauenvolle Geschehen im Kessel von Stalingrad im Winter 1942/43.

    Felix Münger

  • Stalingrad, 1943 (Bild: Keystone)

    Den Toten und den Lebenden

    Heinrich Gerlach widmete seinen Roman sowohl den Opfern als auch den Überlebenden und den Nachgeborenen. Das Buch ist ein Monument gegen den Krieg. Es erzählt keine lineare Handlung.

    Es ist vielmehr ein gewaltiges und unübersichtliches Gemälde des Schreckens, das zeigt, zu was Menschen fähig sind – und was Krieg ist.

    Felix Münger

  • Hat das Originalmanuskript gefunden: Carsten Gansel (Bild: Bernd Lasdin)

    Die Suche nach dem Manuskript

    Die Sowjets konfiszierten das Manuskript, bevor sie Heinrich Gerlach 1950 aus der Kriegsgefangenschaft nach Deutschland zurückkehren liessen. Der Autor litt enorm unter dem Verlust seines Werks: Mit Hilfe eines Hypnotiseurs rekonstruierte er es und brachte es 1957 in einer zweiten Fassung heraus.

    Nach langer Suche hat der der Germanist Carsten Gansel nun in Moskau das Originalmanuskript aufgespürt. Die Geschichte, wie das Manuskript verschwand und nun wieder auftauchte, böte Stoff für einen eigenen Roman.

    Buchhinweis: Heinrich Gerlach. Durchbruch bei Stalingrad. Galiani, 2016.

    Felix Münger