Mit Edward Hopper in der Schreibstube

Der amerikanische Maler Edward Hopper (1882 – 1967) hat viele andere KünstlerInnen inspiriert. Das neueste Werk ist eine Geschichtensammlung von amerikanischen AutorInnen. Der Titel: «Nighthawks. Stories nach Gemälden von Edward Hopper». Vielseitige Lektüre – und ein schönes Weihnachtsgeschenk.

Edward Hopper: «Nighthawks»
Bildlegende: Edward Hopper: «Nighthawks» Keystone

Namhafte und weniger bekannte Autorinnen und Autoren erzählen unter anderem Liebesgeschichten, Geisterschichten, Krimis. Stephen King, zum Beispiel, hat sich von einem Hopper-Bild, in dem ein Mann Zeitung liest und eine Frau am Klavier sitzt, zu einer Horror-Story inspirieren lassen. Joyce Carol Oates schreibt über eine Frau, die am Fenster sitzt und auf ihren Liebhaber wartet. Und Joe R. Lansdale erzählt von einem Filmvorführer, der sich in die Platzanweiserin des Kinos, in dem sie beide arbeiten, verliebt hat.
Wie die Szenen in Hoppers Gemälden ist auch der Schauplatz der Geschichten im amerikanischen Alltag der 40er Jahre angesiedelt. Wie Hoppers Bildern mutet auch ihnen eine gewisse Filmästhetik an – unwillkürlich fühlt man sich bei der Lektüre an die Filme mit Humphrey Bogart oder die Fernsehserie «Mad Men» erinnert.

Hoppers zentrales Thema war die Einsamkeit. Paradebeispiel hierfür ist sein wohl bekanntestes Werk «Nighthawks», «Nachtschwärmer». Die Szene in einer grellbeleuchteten Bar, in der vier Menschen versammelt und doch voneinander isoliert sind, nimmt Michael Connelly in seiner Geschichte «Nachtfalken» auf. Es ist eine der Erzählungen, die versöhnlich endet. Und bewirkt, dass man sich als Leserin, als Leser, vornimmt, einmal im Leben ein Hopper-Original zu sehen – und bei einem allfälligen Besuch in Chicago Hoppers Meisterwerk im Art Institute zu besuchen.

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Buchhinweis:
Nighthawks. Stories nach Gemälden von Edward Hopper. Hrsg. Lawrence Block. Droemer Verlag, 2017.

Autor/in: Britta Spichiger