Zwei Romane über die skandalöse Liaison der Lydia Welti-Escher

Lukas Hartmann und Stef Stauffer zeigen, was Literatur alles kann. Beide haben sich unabhängig voneinander der Amour Fou zwischen Lydia Welti-Escher und dem Maler Karl Stauffer angenähert. Ganz unterschiedlich, mal aus der Sicht des Dienstmädchens, mal als Innensicht der Zürcher Millionärstochter.

Cover der beiden Romane
Bildlegende: Einmal Innensicht, einmal Aussensicht: der unterschiedliche Zugang von Stef Stauffer und Lukas Hartmann SRF

Lydia Welti-Escher ist 1858 geboren und 1891 gestorben. Im Alter von 33 Jahren setzte die Tochter des berühmten Alfred Escher und Ex-Frau von Bundesrats-Sohn Emil Welti ihrem Leben ein Ende. Die Ehe und das Leben als reichste Frau der Schweiz machte sie nicht glücklich. Eine kurze Liaison mit dem bekannten Porträtmaler Karl Stauffer-Bern führte zu einem riesigen Skandal. Lydia wurde ins Irrenhaus gesteckt, Karl ins Gefängnis.

Lukas Hartmann: Lydia aus der Sicht des Dienstmädchens

Lukas Hartmanns Zugang waren die unterschiedlichen Bilder, die Karl Stauffer von Lydia gemalt hat. Er wollte wissen, wer diese Person ist, die auf jedem Bild anders aussieht. Bisher gab es nur Sachbücher über das Leben von Lydia. Hartmann fand, Literatur könne eine so vielschichtige Person noch ganz anders darstellen. In ihrer Ambivalenz, ihrer von Zweifeln begleiteten Entwicklung, ihrem Überschwang, ihren Depressionen. Das hat ihn gereizt. Gereizt hat ihn auch die Sicht des Dienstmädchens auf Lydia Welti-Escher. Dieses spielt die Hauptrolle in seinem Roman.

Stef Stauffer: Lydias Notizen in der Irrenanstalt

Stef Stauffer hat eine Kurzgeschichte über Welti-Escher gelesen und fand, diese Tragödie sei Stoff für einen Roman. Anfangs habe sie noch Mühe gehabt, dieser Frau näher zu kommen. Sie sei unnahbar und unbegreiflich in ihren Handlungen. Dann habe sie sich immer besser in Lydia hineinfühlen können. Habe sich vorgestellt, was sie gedacht und wie sie das in ein Tagebuch geschrieben hätte.

Die neuen Romane
Stef Stauffer. Die Signora will allein sein. Münster Verlag, 2017.
Lukas Hartmann. Ein Bild von Lydia. Diogenes Verlag, 2018.

Die Sachbücher
Joseph Jung. Lydia Welti-Escher. NZZ Libro, 2016.
Willy Wotreng. Lydia Welti-Escher. Eine Frau in der Belle Époque. Elster Verlag, 2014.

Moderation: Regi Sager, Redaktion: Susanne Sturzenegger