Citizen Khodorkovsky

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Zehn Jahre in russischen Gefängnissen und Strafkolonien haben Michail Chodorkowski geprägt, aber sie konnten ihn nicht brechen. Heute ist der ehemalige Geschäftsmann, mittlerweile in England lebend, der einzige ernsthafte Herausforderer von Vladimir Putin.

Russland hat in den letzten Jahren häufig die Schlagzeilen beherrscht. Präsident Putin ist es immer wieder gelungen, die internationale politische Agenda zu bestimmen. Nun stehen Parlamentswahlen an, und Putin läuft kaum Gefahr, dass sein Machtsystem ins Wanken gerät. Opponent Chodorkowski unterstützt zwar über seine Organisation Open Russia Kandidatinnen und Kandidaten der Opposition, aber auch deren Chancen sind gering.

Im Jahr 2010 erhält Eric Bergkraut einen Brief von Michail Chodorkowski aus dem Gefängnis. Er beginnt seinen Dokumentarfilm mit diesem Briefwechsel, der sich über viele Jahre hinzieht. Der Film dokumentiert sodann dessen erstes Jahr in Freiheit, das er überwiegend in Rapperswil SG verbracht hat. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte der geschickte Oligarch mit Erdöl gigantische Gewinne gemacht. Als der Rausch des frühen Reichtums abgeklungen war, begann Michail Chodorkowski, Bildung und Forschung zu unterstützen, und setzte sich für eine transparente Zivilgesellschaft ein. Damit wurde er zum Gegenspieler jenes Mannes, der 2003 dazu ansetzte, seine Macht auszubauen und das Rad der Geschichte zurückzudrehen: Vladimir Putin.

Kaum in Freiheit und befördert durch die dramatischen Ereignisse auf der Krim und in der Ukraine warf Michail Chodorkowski Putin den Fehdehandschuh hin. Im Straflager menschlich gewachsen versucht er durch öffentliche Auftritte und über seine Organisation Open Russia die Zeit nach Putin vorzubereiten. Der Film begleitet ihn bei Auftritten in der Ukraine und zeigt ihn privat in der Schweiz. Nur drei Monate nach der Freilassung besucht der ehemalige Häftling Chodorkowski den Filmautor und Brieffreund Eric Bergkraut in seinem Atelier und gibt ihm ein exklusives Interview über sein Leben im Gefängnis und seine Zukunftspläne.

Nach Drehende zog Chodorkowski nach London. Seine Zukunft muss ebenso offen bleiben wie jene seiner russischen Heimat. Aus dem ehemaligen Öltycoon und späteren Häftling ist ein Mann geworden, der eine neue Ära einleiten möchte. Sich selber räumt er dabei eine prominente Rolle ein. Chodorkowski, ein Mann mit einer Vision und langem Atem oder bald eine weitere tragische Figur des russischen Exils?