Der Fall

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Ein Zürcher Privatdetektiv verstrickt sich wegen einer jungen Frau in einen Fall, der für ihn eine Nummer zu gross ist. Die 18-jährige Marsha erpresst einen Geschäftsmann mit einer vorgetäuschten Schwangerschaft. Doch auch mit dem Detektiv treibt das Flittchen ein böses Spiel.

1972 drehte der Zürcher Regisseur Kurt Früh seinen letzten Spielfilm, der zu einem bitteren Abschied wurde: «Der Fall», ein Krimi aus dem Vorstadtmilieu, entstand hauptsächlich an Schauplätzen in und um Zürich-Oerlikon. Schauspieler Walo Löünd, der zwei Jahre zuvor mit Kurt Frühs «Dällebach Kari» nationale Berühmtheit erlangt hatte, verkörpert darin einen kleinen Privatdetektiv, der auf die schiefe Bahn gerät. Zum 100. Geburtstag am 12. April 2015 ehrt SRF 1 den Regisseur Kurt Früh mit einer Filmreihe. Alle Informationen zur Reihe und zu Kurt Früh stehen während den Ausstrahlungen unter srf.ch/kurtfrueh zur Verfügung.

Oerlikon und seine Umgebung: Eine Vorstadtwelt mit kalten Fabrikgebäuden, Wohnblöcken, Einkaufszentren, Automärkten, dazwischen schäbige Altbauten, Beizen und um die Ecke ein Kleinbordell. In diesem Milieu führt Alfons Grendelmann (Walo Lüönd) seine Detektiv-Auskunftei. Das harzige Geschäft hat der ehemalige Zürcher Polizeibeamte aus Enttäuschung aufgezogen: Weil er das Vergehen eines Vorgesetzten aufdeckte, erhielt er statt einer Auszeichnung eine Rüge. Der Fall wurde vertuscht. Jetzt will Grendelmann selbst für Gerechtigkeit sorgen. Doch da gerät er in eine Erpressergeschichte, die ihn überfordert. Die 18-jährige Marsha (Katrin Buschor) verkauft einem Geschäftsmann ein paar Illusionen allzu teuer. Der Mann wird mit einer vorgetäuschten Schwangerschaft erpresst. Ein böses Spiel treibt das Flittchen ebenfalls mit dem Detektiv. Auch in ihm weckt sie Wünsche und Hoffnungen, und Grendelmann verstrickt sich in die Erpressergeschichte. Während des Sechstagerennens im Hallenstadion, einem Kulminationspunkt im Wettlauf um Ersatzbefriedigung und falsches Glück, stürzt für Grendelmann eine Welt zusammen. Hart wird er auf den Boden der Wirklichkeit zurückgeworfen. Der Kriminalfall ist zu seinem persönlichen Fall geworden.

«Die Tragik eines bürgerlichen Clowns, der aus seinen Illusionen und einer eigenhändig aufgebauten Scheinwelt in die Realität zurückgeholt wird», nannte die «Neue Zürcher Zeitung» die Geschichte des kleinen Privatdetektivs. Walo Lüönd hat die Rolle zur sorgsam porträtierten Charakterfigur gemacht, die neben tragischen Zügen auch ihre Komik hat. Prominente Schweizer Schauspieler finden sich neben ihm, darunter Annemarie Düringer, Ellen Widmann, Sigfrit Steiner, Walter Morath und Jörg Schneider.

Bei den Dreharbeiten faszinierte Kurt Früh am meisten, dass er als Hintergrund eine Landschaft fand, die ihn schon lange beschäftigte: «Die Aussenquartiere Zürichs, wo am augenfälligsten das Wachstum einer Grossstadt zu zeigen war.» «Der Fall» wurde schliesslich auch zu Frühs eigenem Fall. Mit seiner Abkehr von der mittelständischen Idylle und mit seiner pessimistischen Weltsicht verstörte Früh sein bisheriges Publikum. Der von ihm selbst produzierte Film fand zwar die Anerkennung der Kritik, wurde aber ein finanzielles Desaster, das Kurt Frühs Karriere ein Ende setzte.