Der Schmetterlingsjäger - 37 Karteikarten zu Nabokov

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Ein Gelehrter und ein Filmemacher diskutieren, wie man einen Film über Vladimir Nabokov machen könnte. Entstanden ist ein filmischer Essay, in dem sich Episoden aus Nabokovs Leben und Werk, philosophische Dialoge und imaginäre Rekonstruktionen zu einer Meditation über das Wesen von Zeit verdichten.

Das frei improvisierte Gespräch zwischen einem Philosophen – der reale Gelehrte Heinz Wismann - und einem Regisseur (Klaus Wyborny), die sich überlegen, wie man einen Film über Nabokov machen könnte, ist der dokumentarische Ausgangspunkt des Filmes. An ihn lagern sich Assoziationen, Szenen, Texte und Situationen aus drei verschiedenen Nabokov-Büchern an.

Harald Bergmanns Film ist aber weder Dokumentarfilm noch Literaturverfilmung, auch wenn er seine teils fiktiven Protagonisten den Spuren Nabokovs und dessen Romanen folgen lässt. Das zentrale Thema des Filmes ist die Zeit. Ein Kapitel im Roman „Ada oder das Verlangen“ heisst auch „Die Textur der Zeit“. Schreiben sieht man den Protagonisten kaum, doch man kann seine bzw. Nabokovs sprudelnden Gedankengänge förmlich sehen, während er im blauen Jaguar-Cabriolet in rasender Fahrt durch eine grandiose Schweizer Bergwelt kurvt, um eine lang verschollene Geliebte wieder zu treffen.

Auch in seiner Autobiographie „Erinnerung, sprich“versucht Nabokov, die Muster in seinem Leben freizulegen und auf diese Weise dem Geheimnis der Zeit näherzukommen. Er tut dies in Betrachtung seiner Kindheit in Russland, der Flucht vor den Bolschewiken nach Berlin – und anhand einer seiner ganz grossen Leidenschaften: der Schmetterlingsjagd. Um einen Schweizer Schmetterlingsexperten zu Nabokovs Einsichten auf diesem Gebiet zu befragen, schlüpft der Philosoph für kurze Zeit selber in die Rolle eines Schmetterlingsammlers.

Zurück am Schneidetisch plädiert er für, der Filmemacher aber gegen die so entstandenen Aufnahmen. Immer wieder diskutieren und kritisieren die beiden das bereits gedrehte Material und nutzen so den Entstehungsprozess des sich quasi selbst reflexierenden Films für eine ironisch-poetische Ausformung des Themas Zeit im Sinne von Nabokov.

Der Film ist Nabokovs Sohn Dimitri gewidmet, der den Film unterstützt und viele der Texte seines Vaters selber gesprochen hat. Er starb 2012.