30 Jahre «Exit» - Grund zum Feiern?

«Exit» wird 30 Jahre alt. Der begleitete Suizid stösst heute auf breite Akzeptanz. Wird er zum Trend? Setzt das Angebot zur Selbsttötung Kranke und Alte unter Druck? Karin Frei diskutiert im «Club» mit Experten und Betroffenen.

Auch wenn die Sterbehilfeorganisation «Exit» ihr 30-jähriges Jubiläum feiert, wird löst ihre Tätigkeit in der Öffentlichkeit unterschiedliche Reaktionen aus. Das Selbstbestimmungsrecht der Menschen bis in den Tod wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Erbitterte Gegner und Befürworter des begleiteten Suizids liefern sich hitzige Wortgefechte um die Kernfrage: Sterben Menschen humaner und würdevoller, wenn sie den Lebensweg abkürzen, um sich Krankheit, Leid und Schmerz zu ersparen? Ist das Selbstbestimmungsrecht grenzenlos? Und setzt sich das «Exit»-Angebot als Gesellschaftstrend durch?

Diskussionsrunde

  • Bernhard Sutter, Vizepräsident Sterbehilfeorganisation «Exit»
  • Monika Renz, Leiterin Psychoonkologie, Kantonsspital St. Gallen, Sterbebegleiterin
  • Lukas Niederberger, Theologe und Publizist
  • Karin Sautter, Rentnerin (87)
  • Sonja Grob, hat Eltern mit «Exit» in den Tod begleitet, Journalistin
  • Philipp Weiss, Kardiologe

Links zum Thema

Strebehilfeorganisation Exit Deutsche Schweiz

Monika Renz: Zeugnisse Sterbender. Todesnähe als Wandlung und letzte Reifung

«SRF Wissen»: Ausgewählte Videobeiträge zum Thema Sterbehilfe: Ethische, rechtliche und politische Streitpunkte um die Sterbehilfepraxis in der Schweiz.

Beiträge

  • Karin Frei, Moderatorin

    Karin Frei, Moderatorin

  • Philipp Weiss, Kardiologe

    Philipp Weiss, Kardiologe

    «Der Begriff Patientenautonomie wird überdehnt. Ich hege ein Missbehagen gegen den Wunsch, dass alles im Leben planbar sein muss – selbst der eigene Tod. Zudem stellt sich für mich die Frage, ob der Arzt als Helfer auch den Tod ermöglichen muss.»

  • Bernhard Sutter, Vizepräsident Sterbehilfeorganisation «Exit»

    Bernhard Sutter, Vizepräsident Sterbehilfeorganisation «Exit»

    «Das Jubiläum ist für mich leider kein Grund zum Feiern. Zwar hat Exit die Patientenverfügung in die Schweiz gebracht und enorm viel erreicht für die Patientenrechte. Und doch wird das Selbstbestimmungsrecht von Menschen am Lebensende noch nicht überall respektiert, so etwa immer noch nicht in allen Alters- und Pflegeheimen.»

  • Monika Renz, Sterbebegleiterin

    Monika Renz, Sterbebegleiterin

    «Der assistierte Suizid bricht existenzielle individuelle und familiäre Prozesse ab. Der Anspruch des ‚selbstbestimmten Sterbens‘ setzt das ganze medizinische System unter Druck. Nachdenklich stimmt auch, dass zig-tausend Patientinnen und Patienten sich in der Folge dieser Debatte als unwert bezeichnen.»

  • Sonja Grob, hat Eltern mit «Exit» in den Tod begleitet

    Sonja Grob, hat Eltern mit «Exit» in den Tod begleitet

    «Beide meine Eltern sind mit Exit aus dem Leben geschieden. Das war eine sehr einschneidende Erfahrung, jedoch nicht im negativen Sinn. Ich habe dadurch einen guten Umgang mit dem Tod erlebt, weil wir richtig Abschied nehmen konnten und am Ende nichts ungesagt blieb.»

  • Lukas Niederberger, Theologe und Publizist

    Lukas Niederberger, Theologe und Publizist

    «Wenn wir den Todeszeitpunkt selber festlegen, kürzen wir den Sterbeprozess ab und damit auch notwendige Reifungs- und Versöhnungsprozesse.»

  • Karin Sautter, Rentnerin (87)

    Karin Sautter, Rentnerin (87)

    Ich bin Exit vor über 25 Jahren aus Überzeugung beigetreten. Jetzt, im Alter, da ich schon so viele Menschen auf natürliche Weise habe sterben sehen, ist meine Haltung ambivalenter geworden und frage mich, ob ich etwas verpasse, wenn ich die Abkürzung nehme. Für mich ist Exit heute einfach eine letzte Sicherheit zur Selbstbestimmung.»