Achtung - Fertig - Militärpflicht für alle?

  • Dienstag, 26. Juli 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 26. Juli 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 27. Juli 2016, 2:30 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 27. Juli 2016, 8:40 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 27. Juli 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 27. Juli 2016, 12:40 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 27. Juli 2016, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 28. Juli 2016, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 28. Juli 2016, 12:40 Uhr, SRF info
    • Samstag, 30. Juli 2016, 9:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 30. Juli 2016, 14:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 30. Juli 2016, 14:40 Uhr, SRF info
    • Samstag, 30. Juli 2016, 15:25 Uhr, SRF info

Sollen künftig auch Frauen Militärdienst leisten? Dies wäre echte Gleichberechtigung, sagen die einen. «Purer Hohn», meinen die Gegner. Nützlicher wäre eine obligatorische Sozialzeit für alle, im Militär oder einer sonstigen Einrichtung.

Unsichere Zeiten, eine veränderte Bedrohungslage und andere Herausforderungen fürs Militär. Immer weniger ist der Kampf auf dem Feld im Fokus. Immer mehr sind Spezialisten gefragt. Technik, IT-Kenntnisse und Prävention haben sich zu Kernthemen entwickelt.

«Deshalb muss man das Potential der Frauen besser nutzen.» So die Überzeugung einer Expertengruppe des Bundes. Sie stellt diverse neue Dienstpflichtmodelle vor. Eines davon sieht nach norwegischem Vorbild eine Wehrpflicht für Männer und Frauen vor.

«Ausgeschlossen», finden verschiedene Frauenorganisationen.
So lange Frauen immer noch den Löwenanteil der unbezahlten Arbeit wie Kinderbetreuung und Angehörigenpflege leisteten, könne man sie nicht auch noch zu einer Wehrpflicht verknurren. «Auf Augenhöhe mitreden und mitbestimmen kann nur, wer auch mitmacht», sagen wiederum Gleichstellungsbeauftragte.

Was ist die Zukunft der Schweizer Armee? Gilt bald für alle Schweizerinnen «Tenue grün» oder könnten gerade Engpässe, wie jene in der Pflege besser durch eine allgemeine Dienstpflicht, eine Art obligatorische Sozialzeit wettgemacht werden?

Bei Karin Frei diskutieren folgende Gäste über Gleichberechtigung und Dienstgerechtigkeit:

Gisela Dachs, Journalistin, Korrespondentin Israel
Laura Decet, Leutnant der Luftwaffe
Maya Graf, Nationalrätin Grüne/BL, Co-Präsidentin Alliance F
Stefan Holenstein, Präsident der Schweiz. Offiziersgesellschaft (SOG)
Magdalena Küng, Sekretärin GSoA
Elisa Streuli, Soziologin, Dozentin und Beraterin IAP / ZHAW
Hildegard Zobrist, Unternehmerin, Oberstleutnant

Positionen der Gäste:

Gisela Dachs: «In Israel leisten die Frauen seit jeher Militärdienst. Für die Frauen entstehen so, was die gesellschaftliche Position anbelangt, viele Chancen. Die Frage bleibt, ob Chancengleichheit und gesellschaftliche Integration in der Schweiz über eine Wehrpflicht geschaffen werden muss.»

Laura Decet: «Wir sind heute an einem Punkt, an dem man nicht von Gleichberechtigung sprechen kann. Benachteiligt sind aber vor allem die Männer. Diese unterstehen der Wehrpflicht, ob sie wollen oder nicht.»

Maya Graf: «Zuerst muss die Schweiz ihre Hausaufgaben bezüglich Gleichstellung der Frau in der Arbeitswelt machen. Stichwort Lohngleichheit, angemessene Vertretung in Führungsgremien, Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Erst dann kann man über eine Wehrpflicht der Frau sprechen.»

Stefan Holenstein: «Die Armee kann es sich künftig nicht leisten auf die gut ausgebildeten Frauen zu verzichten. Denn die moderne, zunehmend technologisch ausgerichtete Armee braucht immer mehr Spezialisten. Dazu gehören auch die Frauen.»

Magdalena Küng: «Mehr Geschlechtergleichheit kann nur durch die generelle Abschaffung der Wehrpflicht erreicht werden. Das Weiterbestehen der Armee garantieren zu wollen, indem man auch die Frauen dem Dienstzwang unterstellt, ist der falsche Lösungsansatz.»

Elisa Streuli: «Um die zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen zu lösen, braucht es uns alle. Mit einer obligatorischen Sozialzeit leisten wir dazu unseren Beitrag und erhalten zudem die Chance, unsere Perspektive zu wechseln.»

Hildegard Zobrist: «Viele Frauen interessieren sich zu wenig für sicherheitspolitische Themen. Das ist ein grosses Manko, denn als eigenständige Persönlichkeit ist man eigentlich verpflichtet, sich zu informieren. Aufgabe der Armee ist es aber auch, den Informationsfluss zu verbessern.»

Beiträge

  • Achtung - Fertig - Militärpflicht für alle?

    Sollen künftig auch Frauen Militärdienst leisten? Dies wäre echte Gleichberechtigung, sagen die einen. «Purer Hohn», meinen die Gegner. Nützlicher wäre eine obligatorische Sozialzeit für alle, im Militär oder einer sonstigen Einrichtung.

  • «Frauenpower erwünscht»

    Stefan Holenstein, Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, stellt klar, die Frauen brauchts in der Armee der Zukunft:

  • «In Gesellschaft braucht es Frauen dringender als im Heer»

    Männer und Frauen müssen der Zivil-Gesellschaft gemeinsam dienen. Diese gemeinsame Kraft an die Armee zu verschwenden sei falsch, meint Maya Graf, Nationalrätin Grüne/BL:

  • «Wirtschaft und Militär - Hand in Hand»

    Unternehmerin und Oberstleutnant Hildegard Zobrist versteht den Vorwurf nicht, die Armee würde der Wirtschaft schaden oder gar etwas wegnehmen. Man befruchte sich doch gegenseitig:

  • «Frauen in der Armee bedeuten Gleichberechtigung»

    Müssen alle Frauen in der Armee dienen, fragt Israel-Korrespondentin Gisela Dachs. Die Erfahrung zeige jedoch klar, wer mitmacht kann auch leichter mitreden:

  • «Ich entscheide selbst, wie ich meine Jungs führe»

    Frauen führen logischerweise anders, erklärt Laura Decet, Leutnant der Luftwaffe. Die Armee vermittelt Führungs-Strategien - wie man diese später umsetze, liege am Ende bei jedem selbst:

  • «Staat darf Bürger nicht an die Waffen zwingen»

    Was soll eine Armee gegen Einzeltäter ausrichten, fragt Magdalena Küng, GSoA-Sekretärin in die Runde. Friedensförderung müsse immer Priorität haben:

  • «Was soll die Armee heute noch leisten?»

    Es wäre heute möglich, ein neues, bedarfsorientiertes Dienstmodell nach und nach zu entwickeln - ist Soziologin und Dozentin Elisa Streuli sicher:

  • «Im Pflegebereich wird es eng in den kommenden Jahren»

    Helena Zaugg, Präsidentin SBK, Schweizerischer Verband für Pflegefachfrauen und Männer:

Mehr zum Thema