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Club Ai Weiwei: «Weltmacht China: Das ist eine unheimliche Zukunft!»

Der bekannte chinesische Aktivist und Künstler Ai Weiwei nahm am 7. Dezember 2017 am Symposium «World Minds» in Zürich teil; einem Anlass, wo sich Top-Wissenschaftler und führende Köpfe aus Wirtschaft und Kultur austauschen. Dort stand er der «Club»-Moderatorin Barbara Lüthi Red und Antwort.

Porträt des chinesischen Künstlers Ai Weiwei
Legende: Chinesischer Aktivist und Künstler Ai Weiwei Der chinesische Aktivist und Künstler Ai Weiwei prophezeit eine «unheimliche Zukunft» mit China als Weltmacht. SRF

Wird China eine Weltmacht?

Wir sehen, wie sich all diese sogennannten Supermächte bei China anbiedern, um wirtschaftliche Deals mit China zu machen. Das alte Konzept der Menschenrechte wird schon gar nicht mehr erwähnt, der Westen verteidigt diese Werte nicht mehr gegenüber China. Es gibt einen «Honeymoon» und man macht Deals miteinander. Das ist kurzsichtig vom Westen und ein Schritt rückwärts auf so vielen Ebenen. Es gibt einen kurzfristigen Gewinn und einen klaren Verlust in der globalen Entwicklung. Ich glaube, China ist extrem glücklich darüber, dass die Ideologie des Westens durchgeschüttelt wurde.

Was denken die Chinesen über die Schweiz?

Die Chinesen denken, dass die Schweiz ein Modell ist, das niemand übertreffen kann. Die Schweiz ist hoch angesehen in China. Die Schweiz hat auch eine sehr lang andauernde Beziehung zu China.

Hat das «Chinesische Zeitalter» bereits begonnen?

China wird eine riesige Rolle spielen in den nächsten Jahren. Doch es fehlt den Chinesen an essentiellen Werten, die eine Gesellschaft benötigt. Das Recht zu wählen, ein unabhängiges Rechtssystem, Meinungsfreiheit, individuelle Rechte - all diese Qualitäten existieren einfach schlicht nicht in der grössten Nation der Welt.

Wird das die Welt beeinflussen, jetzt, wo sich das Kräfteverhältnis verschiebt?

Auf jeden Fall. China wird ein globaler Hauptakteur, also wird auch die chinesische Ideologie grossen Einfluss haben. Pragmatisch sein, alles tun, was nötig ist für den eigenen Vorteil und nicht über Moral, Ästhetik und philosophische Ideen reden. Diese Ideologie wird die Form unserer Gesellschaft und unsere Zukunft beeinflussen.

Das hört sich nach einer unheimlichen Zukunft an?

Das ist eine unheimliche Zukunft. Aber die meisten Menschen sind sich dessen nicht bewusst.

«Club»-Premiere

Die Journalistin Barbara Lüthi. Sie blickt ernst. Im Hintergrund: das runde Sofa der Club-Sendung.
Legende: SRF

Anfang 2018 übernimmt die langjährige TV-Auslandkorrespondentin Barbara Lüthi die Moderation der Diskussionssendung «Club». Die Sendung zur Weltmacht China ist ihre Premiere.