Alles für Fifi - Tierliebe ohne Grenzen

  • Dienstag, 25. August 2015, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 25. August 2015, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 26. August 2015, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 26. August 2015, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 27. August 2015, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 27. August 2015, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 29. August 2015, 14:05 Uhr, SRF info

Fifi und Mimi, Hund und Katz, Haustiere. Treue Gefährten, nicht selten die besten Freunde. Wer es sich leisten kann, hegt und pflegt sie, egal, wie viel es kostet. Vom künstlichen Hüftgelenk über die Krebsbehandlung bis zum Hund im Rollstuhl ist alles machbar. Darf Tierliebe grenzenlos sein?

Laut Bundesamt für Statistik geben Schweizer im Jahr rund 1,5 Milliarden Franken für ihre Haustiere aus. Nebst Futterkosten fliesst auch immer mehr Geld in die Kassen der Tierärzte und -kliniken. Fast nichts ist dem Tierliebhaber zu teuer.

Bereits bei der Diagnose profitieren die Vierbeiner von den modernsten Röntgenmethoden. Chemotherapie, Herzschrittmacher für Hunde, Physiotherapie, Burnout-und Wellness-Behandlungen, Psychopharmaka, Homöopathie oder eine Gebisskorrektur mit Zahnspangen: Die Tiermedizin hinkt der Humanmedizin längst nicht mehr hinterher. Im Gegenteil: Sie wagt häufig noch mehr, weil sie weniger ethischen Regeln unterstellt ist. Stirbt das Tier, kommt es samt Abdankungsfeier auf den Tierfriedhof oder sein Besitzer stellt die Urne mit Fifi’s Asche daheim auf das Bücherregal.

Am 30. August findet in der Schweiz nun sogar zum ersten Mal ein «Tag des behinderten Hundes» statt. Die Haustiere sind uns lieb und teuer. Nicht zuletzt, weil die Beziehung zu ihnen oft gerade so wichtig ist, wie jene zu Menschen: Das Tier als Lebenspartner, als Kindersatz, als ebenbürtiges Familienmitglied, als Lebensaufgabe. Doch soll und darf Tierliebe alles?

Karin Frei diskutiert im « Club» mit Tierhaltern, einem Tierarzt, Bioethiker und einer Tierfriedhof-Betreiberin über Sinn und Unsinn in der Tierliebe.

Positionen:

Susanne Karrer: «Behinderte Tiere können sehr viel Lebensfreude entwickeln und sehr fit sein. Dabei darf die Würde des Tieres nie ausser acht gelassen werden.»

Vera Dillier: «Meine drei Hunde haben eine riesige Bedeutung für mich. Sie sind meine drei besten Freunde und haben einen Stellenwert fast wie ein Kind.»

Hans-Peter Schreiber: «Die Hightech in der Veterinärmedizin, ist zum grossen Teil das Ergebnis der Forschung in der Humanmedizin. Viele Menschen, die ihre Tiere verhätscheln sind gegen Tierversuche. Die Humanmedizin, die wir haben und in der Folge die Veterinärmedizin gäbe es aber nicht ohne Tierversuche. Hier herrscht eine gewisse Doppelmoral.»

Christoph Kiefer: «Die Kleintiermedizin bietet heute fast unbegrenzte Therapie-Angebote für Hunde und Katzen. Als Tierarzt ist es mir wichtig, dass ich die Würde und Lebensfreude der Tiere erhalten kann und dabei die Wünsche und Sorgen der betroffenen Tierbesitzer wahrnehme und respektiere.»

Marlies Mörgeli: «Tierliebe heisst für mich, die Würde der Tiere nicht zu verletzen. Auf die Persönlichkeit und die Bedürfnisse der Tiere einzugehen. Ein respektvoller und liebevoller Umgang mit den Tieren.»

Dennis C. Turner: «Die Würde eines Tieres ist dann gewährt, wenn es seine natürlichen Bedürfnisse erfüllen kann. Ein Hund im Rollstuhl kann dies nicht.»

(Quelle Bild: Vanessa Barmettler)

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gästerunde vor

    Karin Frei diskutiert im « Club» mit Tierhaltern, einem Tierarzt, Bioethiker und einer Tierfriedhof-Betreiberin über Sinn und Unsinn in der Tierliebe. Mit dabei in der Runde: fünf Hunde.

  • Susanne Karrer, Präsidentin Verein für behinderte Hunde

    Susanne Karrer's Hündin Rosa trägt in der Club-Sendung Windeln. Sie hat den gelähmten Vierbeiner aus Rumänien geholt, wo er vermutlich Opfer eines Unfalls war. Die Hündin könne sich nach einigen Anfangsschwierigkeiten bestens im Rollstuhl bewegen und sie zeige auch deutlich Lebensfreude. Mit diesem behinderten Hund hat sich der Alltag von Susanne Karrer aber bedeutend verändert: Auch das Versäubern ist zur Teamarbeit geworden.

  • Vera Dillier, dreifache Hundebesitzerin

    Vera Dilliers Tierliebe ist grenzenlos: Sie hat schon sehr viel Geld für ihre Tiere ausgegeben. Auch für ihren verstorbenen Hund Macho, der herzkrank war, war ihr keine Ausgabe zu viel. Zwei ihrer Hunde hat sie aus dem Tierheim geholt. Die Nackthunde tragen im Winter auch mal ein Mäntelchen oder werden im Sommer mit Sonnencrème gepflegt. Von Vermenschlichung will sie nichts wissen. Auch wenn sie die Hunde als eine Art Kindersatz betrachtet und die Vierbeiner sie fast überall hin begleiten.

  • Hans-Peter Schreiber, Bio-Ethiker

    Der Bio-Ethiker betont, dass es für den Menschen einen Auftrag gibt, so gut wie möglich für ein Tier zu sorgen. Selbstverständlich gebe es da gewisse wirtschaftliche Grenzen. Zu bedenken sei auch immer, welchen Wert ein Haustier für einen Menschen habe und wie viel Haustiere zur Lebensqualität beitragen würden. Selbstverständlich gäbe es Menschen, die bei einer Herzschrittmacher-Operation für einen Hund den Kopf schütteln würden.

  • Christoph Kiefer, Tierarzt, Präs. Gesellsch. Schweizer Tierärzte

    Tierarzt Christoph Kiefer ermöglicht den Tierhaltern und ihren kranken Tieren vieles: Früher habe man eine von einem Auto angefahrene Katze schnell mal eingeschläfert. Heute wisse er, dass auch eine Katze mit amputieren Pfoten noch ein gutes Katzenleben leben könne. Die ganze moderne Tiermedizin sei auch ein grosses Business. Er hat aber auch schon Tierhalter vor einer möglichen Verschuldung durch Tierarztkosten warnen müssen; was nicht alle Tierärzte machen würden.

  • Marlies Mörgeli, Marlies Mörgeli, Tierfriedhof am Wisenberg (BL)

    Die Betreiberin des Tierfriedhofs erlebt fast täglich, wie viel die Tiere ihren Besitzern im Leben und auch nach dem Tod noch bedeuten. Da werden Abdankungsfeiern abgehalten, am Grab gesungen, Kinder würden von den Tieren Abschied nehmen. Sie selber trägt die Asche ihres ersten Hundes in einem Anhänger (Bild) um den Hals. Auf dem Tierfriedhof sind auch bereits einige Menschen in einer Urne begraben; Menschen die am gleichen Ort bestattet sein wollten, wie ihre vierbeinigen Lebensbegleiter. Eine Geschichte ist ihr ganz besonders geblieben: jene von Lilli.

  • Dennis C. Turner, Biologe, Forscher Mensch-Tier-Bezieh.

    Dennis C. Turner steht den Möglichkeiten der Tiermedizin teilweise sehr kritisch gegenüber. Nicht alles, was machbar sei, diene auch dem Tierwohl. Er bezweifelt, dass ein Hund im Rollstuhl noch ein natürliches Verhalten an den Tag legen kann. Trotzdem müsse man auch die Bedeutung des Tieres für den Halter respektieren. Eine Vermenschlichung des Tieres sieht er dann, wenn Hunde Kleider oder Sonnenbrillen tragen. Gleichzeitig betont er, dass die Menschen die Vermenschlichung der Tiere aus Überlebenszwecken sogar hätten lernen müssen und deshalb nicht einfach wegzudenken sei.

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