Bedingungsloses Grundeinkommen - Utopie oder Chance?

  • Dienstag, 26. April 2016, 22:25 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 26. April 2016, 22:25 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 27. April 2016, 1:34 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 27. April 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 27. April 2016, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 28. April 2016, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 28. April 2016, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 29. April 2016, 10:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 30. April 2016, 14:05 Uhr, SRF info

Ein Grundeinkommen für alle, egal ob man arbeitet oder nicht: für die Gegner ein «blauäugiger Sozial-Unsinn», ein Aufruf zu einer «Hängematten-Mentalität», für die Befürworter der Beginn einer visionären, neuen Arbeits- und Gesellschaftsordnung. Was stimmt?

Unsere Arbeitswelt verändert sich radikal. Immer öfter übernehmen Roboter unsere Arbeit. Immer weniger Menschen werden eine bezahlte Erwerbsarbeit haben, so die Prognosen vieler Wirtschaftsexperten. Trotzdem muss die Existenz gesichert sein. Das bedingungslose Grundeinkommen ist hierfür die Lösung, sagen die Befürworter. Und mit dem bedingungslosen Grundeinkommen würden auch die Hausarbeit, die Erziehung von Kindern oder die Betreuung von alten Menschen - heute häufig unbezahlte Freiwilligenarbeit - endlich gewürdigt.

Für die Gegner der Initiative ist das bedingungslose Grundeinkommen ein «Motivations-Killer». Es bestünde kein Anreiz mehr zum Arbeiten, kein Wille eine anspruchsvolle Ausbildung durchzustehen. Es sei eine Einladung zum Schmarotzertum und setze ein falsches Zeichen.

Über die Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen wird am 5. Juni abgestimmt. Wie hoch der Betrag ist, steht nicht im Verfassungstext. Die Initianten schlagen 2500 Franken pro Monat für Erwachsene vor und 625 Franken pro Kind oder Jugendlicher. Gerechnet wird, dass man dafür 209 Milliarden Franken benötigt.

Wie steht es um unsere Arbeitsmoral? Welches sind die möglichen Folgen eines bedingungslosen Grundeinkommens? Im «Club» diskutieren unter der Leitung von Thomy Scherrer:

Christian Müller, Mitglied Komitee für ein bedingungsloses Grundeinkommen
Jürg Schläpfer, Psychologe
Franziska Schläpfer, Rapperin «Big Zis»
Monika Bütler, Professorin für Volkswirtschaftslehre Universität SG
Katja Gentinetta, Politik-Philosophin
Jeannette Behringer, Politologin, Ethikerin Reformierte Landeskirche Kt. Zürich

Positionen:

Christian Müller: «Wir stehen vor der schönen Aufgabe, den seit Generationen erträumten Wohlstand in Lebensqualität für alle umzuwandeln.»

Franziska Schläpfer: «Starre Strukturen, Leidenschaftslosigkeit und Ängstlichkeit sind das Ende jeder Kunst. Ein bedingungsloss Grundeinkommen wäre befreiend.»

Katja Gentinetta: «Das bedingungslose Grundeinkommen will Freiheit für alle, indem es die Verantwortung dafür an alle anderen delegiert. Das ist der Grundfehler dieses Konzepts.»

Jürg Schläpfer: «Wir gewinnen so oder so, höchst wahrscheinlich nicht zahlenmässig, aber der Zugewinn ist, dass viele Menschen über dieses Thema diskutieren und nachdenken.»

Jeanette Behringer: «Die Idee der Initiative zementiert die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Frauen werden wieder vermehrt als für Haus- und Familie zuständig erklärt, die Männer für die bezahlte Arbeit.»

Monika Bütler: «Fast alle sagen, sie würden weiterarbeiten, fast alle sagen aber auch, dass sie weniger arbeiten würden – das geht nicht auf. Die Forschung ist eindeutig: Bei so massiven negativen Anreizen, sinkt das Arbeitsangebot.»

Beiträge

  • Thomy Scherrer stellt die Gäste vor

    Wie steht es um unsere Arbeitsmoral? Welches sind die möglichen Folgen eines bedingungslosen Grundeinkommens? Im «Club» diskutieren unter der Leitung von Thomy Scherrer: Christian Müller, Mitglied Komitee für ein bedingungsloses Grundeinkommen, Jürg Schläpfer, Psychologe, Franziska Schläpfer, Rapperin «Big Zis», Monika Bütler, Professorin für Volkswirtschaftslehre Universität SG, Katja Gentinetta, Politik-Philosophin und Jeannette Behringer, Politologin und Ethikerin der Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich.

  • Strassenumfrage: «Wer würde noch arbeiten gehen?»

    Der «Club» hat in einer nicht repräsentativen Strassenumfrage von Passantinnen und Passanten wissen wollen, ob sie mit einem bedingungslosen Grundeinkommen von beispielsweise 2500 Schweizer Franken überhaupt noch zur Arbeit gingen.

  • Das bedingungslose Grundeinkommen - Der Initiativtext

    Es wird bereits stark über die Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» diskutiert. Aber was verlangt diese Initiative wirklich? Ein kleines Erklärstück zu den Fakten dieser Volksabstimmung.

  • Franziska Schläpfer: «Nicht das Geld ist das Spannende!»

    Franziska Schläpfer, besser bekannt als Rapperin «Big Zis», verortet die Qualität des bedingungslosen Grundeinkommens nicht in erster Linie beim Geld, das man jeden Monat bekommen soll. Sie ist der Meinung, dass es vor allem eine Chance sei, über den Terminus «Arbeit» neu nachzudenken. Insbesondere als Künstlerin oder auch als dreifache Mutter arbeite sie sehr viel, von der Gesellschaft sei aber nur der Teil ihrer Arbeit anerkannt, der auch dementsprechend entlöhnt werde.

  • Jeannette Behringer: «Das BGE ist eine Spagettizange!»

    Jeannette Behringer, Politologin und Ethikerin der Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, befürchtet bei einer Annahme der Initiative eine Zementierung der klassischen Geschlechterrollen. Wenn der Geldregen des bedingungslosen Grundeinkommens auf das noch bestehende Ungleichgewicht zwischen Frau und Mann falle, dann würden die Frauen noch stärker in ihre Hausfrauen-Rolle gedrängt werden. Da Männer ohne Mutterschaftsunterbrüche häufig kontinuierlicher an ihrer Karriere arbeiten könnten, würde sich ein möglicher Rollentausch mit dem BGE finanziell noch weniger lohnen.

  • Jürg Schläpfer: «Wer Zufriedenheit will, wird immer auch geben!»

    Der Psychologe Jürg Schläpfer hält es für unwahrscheinlich, dass das BGE die Menschen in grosser Zahl zum Nichtstun verführen würde. Menschen seien zwar alle auch Egoisten, allerdings brauche es für die alltägliche Zufriedenheit immer den sozialen Austausch, das Wechselspiel zwischen Geben und Nehmen.

  • Monika Bütler: «Die Zielgenauigkeit des BGE macht Bauchweh!»

    Die Professorin für Volkswirtschaftslehre der Universität Sankt Gallen, Monika Bütler, reagiert auf das oft gehörte Argument der Befürworter, dass das BGE sowieso komme, da die Digitalisierung und Robotik in den kommenden Jahren die meisten Arbeitsplätze koste. Dazu gäbe es unter Ökonomen sehr unterschiedliche Meinungen. Sicher sei, dass die Gesellschaft die Verlierer dieser Industrialisierung entschädigen müsse. Aber mit dem BGE könne dies allenfalls zu teuer kommen. Diese Beträge würden anderweitig dringender gebraucht und effizienter eingesetzt werden können.

  • Christian Müller: «Das BGE ist finanzierbar!»

    Der Ökonom Christian Müller, Mitglied des Komitees für ein bedingungsloses Grundeinkommen, erklärt die Finanzierbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommen. Zum Beispiel durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Die Preise würden, gemäss seiner Meinung, dadurch nicht in die Höhe gehen. Unternehmer könnten Lohnkosten sparen und so die Preise ihrer Produkte senken. Auf dieses günstigere Produkt werde dann die Mehrwertsteuer aufgeschlagen, so dass es sich im Vergleich zu heute um ein Nullsummenspiel handle.

  • Katja Gentinetta: «Wer arbeitet wird zum Verlierer!»

    Die politische Philosophin Katja Gentinetta hält letztlich alle Berechnungen für falsch, da die menschlichen Verhaltensanpassungen nicht in diese Rechnungen einfliessen würden. Sollte es nämlich doch Personen geben, die weniger arbeiten gehen und dann weniger Steuern zahlen, würden diese Kosten auf diejenigen abgewälzt, die doch noch arbeiten gingen. Die Verantwortung werde somit zu einseitig auf die Schultern der arbeitenden Menschen abgewälzt.

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