«Club» vom 20.3.2018

  • Dienstag, 20. März 2018, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 20. März 2018, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 21. März 2018, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 21. März 2018, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 21. März 2018, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 22. März 2018, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 22. März 2018, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 23. März 2018, 9:55 Uhr, SRF info
    • Samstag, 24. März 2018, 14:00 Uhr, SRF info

Der Prozess zum Vierfachmord von Rupperswil hat die Schweiz erschüttert. Seit Menschengedenken begegnet uns etwas, was wir fassungslos das Böse nennen. Was bringt Menschen dazu, entsetzliche Verbrechen zu begehen? Und steckt das Böse in jedem von uns?

Hirnforscher, Psychiater, Philosophen und Juristen streiten sich über die Frage, welche Verantwortung letztlich ein jeder für sein eigenes Tun trägt. Kann, wer keine Moral kennt, böse handeln oder ist gerade das Ausblenden der Moral eine böse Entscheidung, eine unterlassene moralische Anstrengung? Folgen Mörder und Vergewaltiger ihrem freien Willen, oder treibt etwas Krankhaftes in ihnen sie zur Tat? Wie erklärt man den Hang zum Bösen? Und gibt es böse Menschen oder nur böse Taten?

Psychiater suchen Antworten in der frühen Kindheit, im problematischen Umfeld oder in traumatischen Erlebnissen. Neurologen versuchen das «Böse» durch Hirn-Scans zu lokalisieren, forschen nach Gesetzmässigkeiten in Verbrecherhirnen und orten genetische Defekte, die nicht durch den Willen beeinflussbar sein sollen.

Doch wenn das Verbrechen ein biologisches Problem ist, bleibt für das Schuldprinzip im Strafrecht kein Raum. Dagegen wehren sich Verfassungsrechtler, Juristen und Richter mit aller Macht. Und auch Philosophen warnen: Wer das Verbrechen auf ein medizinisches Phänomen reduziere, verwische den Unterschied zwischen krank und böse.

Unter der Leitung von Barbara Lüthi diskutieren im «Club»:

Marianne Heer, Richterin
Thomas Knecht, forensischer Psychiater, Psychiatrisches Zentrum AR
Hans Joachim Markowitsch, Hirnforscher und emer. Prof. für Physiologische Psychologie Universität Bielefeld
Bettina Stangneth, Philosophin und Historikerin
Nicole Dill, Gewaltopfer, Geschäftsführerin «Sprungtuch.ch», Anlaufstelle f. Gewaltopfer
Simon Volkart, verurteilter Mörder, hat Strafe verbüsst
Im Interview: Thomas Müller, Kriminalpsychologe und Profiler

Positionen:

Marianne Heer, Richterin: «Auch ein Mensch, der sich abscheulich verhalten hat, ist ein Mensch. Es ist letztlich eine ethische Frage, ob man daran glauben soll, dass sich jemand bessern kann. Jeder Mensch hat in unserer Gesellschaft ein Recht darauf, dass man sich irgendwann wieder um ihn kümmert.»

Thomas Knecht, forensischer Psychiater: «Empathie ist ein zartes Pflänzchen, die Verbrecherseele aber ein steiniger Boden.»

Hans J. Markowitsch, Hirnforscher: «Nach meinen Erkenntnissen sind Kriminelle nicht so frei, dass sie ihre Tat hätten unterlassen können. Das Gefühl sich auch anders entscheiden zu können, ist bei Kriminellen stark eingeschränkt.»

Bettina Stangneth, Philosophin: «Menschen tun Böses, weil sie es können, denn Freiheit, das ist immer auch die Freiheit zum Bösen. Kein Wissen um Gut und Böse kann diese radikale Freiheit einschränken. Es braucht jederzeit die Entscheidung gegen das Böse und für die eigene Vernunft.»

Nicole Dill, Gewaltopfer: «Als überlebendes Opfer erhält man lebenslänglich. Die Begegnung mit dem Bösen hat mich für immer geprägt und verändert. Lange habe ich nicht mehr an das Gute im Menschen geglaubt.»

Simon Volkart, verurteilter Mörder: «Auch nach vielen Jahren im Gefängnis fühle ich, dass es für Mord keine Sühne gibt.»

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