Den Krebs besiegen – schafft die Medizin das Wunder?

  • Dienstag, 1. März 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 1. März 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 2. März 2016, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 2. März 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 2. März 2016, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 3. März 2016, 4:15 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 3. März 2016, 12:55 Uhr, SRF info
    • Freitag, 4. März 2016, 10:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 5. März 2016, 14:05 Uhr, SRF info

«Krebs wird in naher Zukunft heilbar», prophezeit Microsoft-Gründer Bill Gates. Neue Medikamente und medizinischer Fortschritt beflügeln die Vision einer Welt ohne Krankheiten. Ein Menschheitstraum scheint wahr zu werden. Forscher schwärmen. Ethiker warnen vor den Grössenfantasien.

Krebs soll heilbar werden. Die Vision besticht. Forschung und Fortschritt in der Medizin erzeugen immer neue und bessere Medikamente. Den Krebs dereinst zu besiegen, folgt dieser Logik. Bill Gates siedelt die glorreiche Zukunft in 30 Jahren an. Kranke bangen auf den Tag. Doch die rasante Entwicklung der Spitzenmedizin beflügelt auch die Grössenfantasie der unbegrenzten Machbarkeit. Mit Gentechnik kann menschliches Leben schon heute manipuliert und designt werden. Skeptiker mahnen zur Zurückhaltung und warnen vor den Folgen, wenn die Büchse der Pandora geöffnet wird. Und schliesslich bleibt da noch die drängende Frage, wer die immensen Kosten bezahlen kann.

Im «Club» nimmt Thomy Scherrer die kühne Vision zum Anlass, um mit seinen Gästen über Wunsch und Wirklichkeit, Chancen und Grenzen medizinischer Heilkunst zu reden. Mit dabei sind:

Viviane Hess, Leitende Ärztin Onkologie Universitätsspital Basel
Rolf Lyssy, Filmemacher
Thomas Cueni, Generalsekretär Interpharma
Ruth Baumann-Hölzle, Medizinethikerin Institut «Dialog Ethik»
Anton Gunzinger, Dozent Computersystemarchitektur ETH Zürich

Positionen der Gäste

Viviane Hess: «Bill Gates gibt durch seine Aussage der Krebsforschung höchste Priorität. Das ist gut so, denn in den nächsten 30 Jahren werden die Krebserkrankungen zunehmen.»

Rolf Lyssy: «Sterben ist ein Skandal. Ich halte mich da an Woody Allen der sagt: «Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Ich möchte nur nicht dabei sei, wenn's passiert.»»

Thomas Cueni: «Die Vision von Bill Gates ist eine typisch amerikanische Moonshot-Vision. Auch wenn der Mensch auf dem Mond gelandet ist und es bei manchen Krebsarten enorme Fortschritte in der Behandlung gibt, sollten wir auf dem Boden bleiben. Es gibt zu viele verschiedene Krebsarten.»

Ruth Baumann-Hölzle: «Den Krebs besiegen wäre ein feine Sache. Nur: welchen Krebs wollen wir besiegen und können wir uns diese Medikamente und die Technologie überhaupt leisten?»

Anton Gunzinger: «Ich finde es grossartig, dass Billl Gates so viel Geld für das Wohl der Menschheit ausgibt. Aber wenn ein Machbarkeitswahn dahinter steckt, dann richtet sich seine Vision gegen das Menschsein.»

Beiträge

  • Thomy Scherrer stellt die Gäste vor

    Der Moderator diskutiert mit seinen Gäste über die neueste Krebsforschung, über Chancen und Grenzen medizinischer Heilkunst.

  • Rolf Lyssy: «Die Endlichkeit kann auch Trost sein.»

    Für den 80-jährigen Filmemacher ist ewiges Leben kein Ziel. Seiner Meinung nach kann die Endlichkeit auch Trost sein: sagen zu können, ich habe gelebt und nun bin ich bereit zu gehen.

  • Viviane Hess: «Die Krebsforschung ist sehr wichtig.»

    Auch wenn die Onkologin nicht glaubt, dass Krebs in 30 Jahren heilbar sein soll, wie es Bill Gates formuiert hat, betont sie die Notwendigkeit der Krebsforschung.

  • Anton Gunzinger: «Der Mensch ist keine Maschine.»

    Der Computerspezialist wehrt sich gegen ein Menschenbild in der Forschung, das den Menschen einer Maschine gleichsetzt. Dieser Ansatz mache nicht nur Angst, sondern sei auch gefährlich.

  • Thomas Cueni: «Krankheit gehört zum Leben wie Geburt und Tod.»

    Die Angst vor ernsthaften Krankheiten ist allgegenwärtig. Der Vertreter der Pharmaindustrie sieht es als Aufgabe der medizinischen Forschung, die Behandlung oder Heilung ernsthafter Krankheiten anzustreben.

  • Ruth Baumann-Hölzle: «Schmerz hat einen tieferen Sinn.»

    Die Medizinethikerin sieht in Schmerzen einen tieferen Sinn: Schmerzen befähigen die Menschen empathisch zu sein.