«Die Bauern sehen vor lauter Arbeiten die Chancen nicht mehr»

Sie leben in der «subventionierten Idylle», stehen trotzdem immer häufiger am Abgrund: Die Schweizer Bauern. Sie sind verschuldet, überarbeitet. Es endet in Depressionen, das bäuerliche Sorgentelefon läuft heiss, Suizide nehmen zu. Klaus Böhler, innovativer Bauer aus Seuzach (ZH), mit einer Analyse:

Bauer vor seinem Feld

Bildlegende: Bio-Bauer Klaus Böhler aus Seuzach (ZH): «Ich komme aus einem Umfeld, wo nicht ständig gejammert wurde!» zVg

Sie gelten als besonders erfinderischer Biobauer, produzieren Superfood, wie Edamame, Gras-Säfte oder Gourmetpulver für grüne Smoothies. Hier Erfolg, dort Elend: Was ist los mit unseren Bauern?

Ich schätze die Subventionsidylle sehr und danke der Schweizer Bevölkerung für die grosszügige Abgeltung der öffentlichen Güter wie Biodiversität und eine hochstehende Biotierhaltung. Mein Blick auf meine umliegenden jungen Berufskollegen zeigt, dass es um die Bauern nicht schlecht steht, wenn das Segel richtig in den Wind gestellt wird.

Wer oder was ist dafür verantwortlich?

Ich kann mir vorstellen, dass die deprimierten Bauern vor lauter Arbeiten nicht die Chancen im Speziellen sehen oder nur noch auf die Mengen schauen, statt auf die Freude am eigenen Erschaffen und Schaffen.

Sie gelten als sehr erfolgreicher, innovativer Landwirt: Was machen Sie anders bzw. besser?

Als erstes zählt für mich der Kundennutzen. Denn ohne diesen - egal welches Produkt und dazu zählen auch die öffentlichen Güter – gibt es für mich keinen Sinn in meiner Arbeit. Der Sinn ist für mich zentral. Und dann will ich auch einen guten Ertrag am Ende des Jahres in der Buchhaltung sehen.

Das Mitleid und Verständnis in der Bevölkerung hält sich in Grenzen: zu grosszügig die total 2,8 Milliarden Direktzahlungen, zu viel Heimatschutz für den sowieso schon seit langem protegierten und vermeintlich verwöhnten Bauernstand. Was sagen Sie dazu?

Vollkommen richtig: Weg mit den Direktzahlungen, welche keinen positiven Effekt auf die Natur haben. Hat man schon einmal überlegt, weshalb der Tabakanbau und der Zuckerrübenanbau mit Millionen unterstützt werden?

Die Direktzahlungen unterstützen natürlich auch indirekt verschiedene andere Branchen. Das ist vermutlich die Krux. Die Details interessieren mich nicht. Ich konzentriere meine Gedanken lieber auf meine vielfältigen Chancen, die ich täglich neu entdecke und gar nicht alle umsetzen kann.

Was für ein Glück, dass ich in einem Umfeld aufgewachsen bin, wo nicht gejammert wurde, sondern wo immer das Handeln im Zentrum stand. Deshalb meine lieben Bauern: Packt an - dort, wo ihr wahre Chancen seht - dort, wo ihr einen Einfluss haben könnt und euch nicht auf ein zu grosses Risiko einlasst und nochmals: Der Kundennutzen steht immer im Zentrum eures Tuns.

Klaus Böhler führt in Seuzsach einen Biohof: http://www.klausboehler.ch

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