Die neuen Grosseltern - zwischen Enkelhüten und Abgrenzung

  • Dienstag, 29. März 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 29. März 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 30. März 2016, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 30. März 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 30. März 2016, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 31. März 2016, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 31. März 2016, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 1. April 2016, 10:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 2. April 2016, 14:05 Uhr, SRF info

So nah wie heute waren sich Grosseltern und Enkelkinder noch nie. Dass Grosseltern Betreuungsaufgaben übernehmen scheint zum Pflichtprogramm zu gehören. Doch was ist, wenn Grosseltern nicht mitmachen und sich abgrenzen wollen?

Die Grosseltern sind auch im Alter noch fit und die Enkel brauchen eine liebevolle Betreuung, weil die Eltern arbeiten. Es gibt aber Grossväter, die lieber ihre freie Zeit geniessen, als sich um die Enkel zu kümmern. Es gibt Grossmütter, die das Gefühl haben, in ein altes Rollenbild gedrängt zu werden.

Wie wertvoll eine intensive Beziehung zu den Grosseltern sein kann, weshalb es ein Tabu ist, sich als Grossmutter abzugrenzen oder warum die Beziehung zu den Enkeln entspannter sein kann als zu den eigenen Kindern diskutiert Moderator Thomy Scherrer mit seinen Gästen:

Pasqualina Perrig-Chiello, Generationenforscherin
Sascha Deboni, Kantonsschüler und Enkel
Monika Zech, Journalistin und Grossmutter
Bruno Käppeli, pensionierter Werkstattchef und Grossvater
Heidi Witzig, Historikerin und Grossmutter
Esther Knaus, pensionierte Unternehmerin und Grossmutter

Positionen

Pasqualina Perrig-Chiello: «Aus evolutionstheoretischer Sicht gibt es eine Verpflichtung der Grosseltern, die Aufzucht der Enkel aktiv zu unterstützen. Mittlerweile leben wir aber in einer Viergenerationen-Gesellschaft. Die Grosseltern sind zunehmend doppelt belastet: da die Pflege der betagten Eltern und hier die Betreuung der Enkel.»

Sascha Deboni: «Die Beziehung zu meinen Grosseltern ermöglicht mir den Austausch mit einer anderen, entfernten Generation. Es ist äusserst spannend und lehrreich, wenn ich mit ihnen über ihre Wertvorstellungen oder Lebensgeschichten diskutiere. Ich erlebe dabei eine speziell schöne Form von Vertrautheit und Liebe.»

Monika Zech: «Die Beziehung zu meinen drei Enkelkindern ist sehr eng und emotional. Wegen der Wohnsituation sehen wir uns nur in unregelmässigen Abständen. Weil ich schon mit 20 Jahren Mutter und mit 44 Jahren Grossmutter geworden bin, passt mir die Situation ganz gut. Für einen bestimmten «Grositag» in der Woche würde ich mich nicht verpflichten wollen.»

Bruno Käppeli: «Für einen regelmässigen Kontakt mit meinen beiden jüngsten Enkeln an einem bestimmten Wochentag fehlt mir die Zeit. Aber wenn sie mich besuchen, dann musizieren wir oder gehen in den Wald, säubern Bachläufe oder bauen Wasserräder. Solche wunderbaren Erlebnisse geniesse ich sehr. Leider habe ich diese Art von Spielen und Zusammensein mit den eigenen Kindern verpasst und rückblickend bereue ich das auch.»

Heidi Witzig: «Grossmutter zu sein ist wunderschön, aber es ist nicht der einzige Inhalt in meinem Leben. Mein Enkel ist jeden Mittwoch bei mir, dann darf jeweils er entscheiden, was gespielt werden soll. In Absprache mit meiner Tochter gelten in meinem Haushalt andere Regeln: Zum Beispiel muss mein Enkel bei mir weder Salat noch Gemüse essen.»

Esther Knaus: «Meine Rolle als Grossmutter definiere ich nicht über einen Enkelhütedienst an einem fixen Wochentag. Dafür bin ich nicht zu haben. Ich liebe meine vier Enkel. Doch die Qualität der Beziehung steht für mich nicht in Zusammenhang mit einer Betreuungsverpflichtung. Liebe, Interesse, Zuneigung und Wohlwollen meinerseits sind für die Beziehung entscheidend. Wie oft und wie intensiv wir uns sehen, spielt dabei weniger eine Rolle.»

Beiträge

  • Thomy Scherrer stellt die Gäste vor

    Darf man sich weigern Enkel zu hüten? Was lernen Grosseltern von ihren Enkeln und umgekehrt? Und wie hat sich das Verhältnis von Enkeln und Grosseltern in den letzten Jahren verändert? Über diese Fragen diskutiert Moderator Thomy Scherrer mit seinen Gästen.

  • Esther Knaus: «Grossmutter zu sein ist nicht mein Hauptziel.»

    Esther Knaus möchte ihre Enkel nicht regelmässig hüten. Wie oft man die Enkel sieht, sei nicht so wichtig. Wichtiger sei, dass die Enkel die Liebe der Grosseltern spüren.

  • Sascha Deboni: «Meine Grosseltern sind mir sehr wichtig.»

    Sascha Deboni hatte schon immer ein inniges Verhältnis zu seinen Grosseltern. Besonders schätzt er, dass er so viel von ihnen erfahre und lerne.

  • Heidi Witzig: «Ich freue mich jeden Mittwoch auf meinen Enkel.»

    Als Heidi Witzig Grossmutter wurde, war sie noch berufstätig. Die Historikerin erklärte ihrer Tochter, dass sie fürs Enkelhüten nicht zur Verfügung stehen könne. Doch es kam anders.

  • Bruno Käppeli: «Die Zeit mit den Enkeln ist super.»

    Bruno Käppeli liebt es, mit seinen Enkeln zu werken, in den Wald zu gehen, Ausflüge zu machen, zu spielen. Alles Dinge, die mit seinen eigenen Kindern zu kurz gekommen sind.

  • Monika Zech: «Ich verwöhne meine Enkel gerne.»

    Die dreifache Grossmutter schätzt es, dass sie ihren Enkeln mit einer gewissen Gelassenheit begegnen kann, weil die anspruchsvolle Erziehungsarbeit wegfällt.

  • Pasqualina Perrig: «Grosseltern vermitteln Familiengeschichte.»

    Die Generationenforscherin betont die Wichtigkeit der Grosseltern. Im Gegensatz zu den oft gestressten Eltern haben Grosseltern viel Zeit, sie vermitteln den Enkeln Werte und einen Einblick in die Familiengeschichte.

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