Digitale Manipulation: Gefährden Facebook & Co. die Demokratie?

  • Dienstag, 10. April 2018, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 10. April 2018, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 11. April 2018, 2:20 Uhr, SRF 1
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Der Facebook-Datenskandal wirft neue Fragen auf: Können soziale Plattformen politische Entscheidungen beeinflussen? Unsere Spuren im Netz verraten viel über unsere Persönlichkeit und dienen zur Erstellung psychologischer Profile. Sind wir dadurch nicht nur durchschaubar, sondern auch manipulierbar?

Der Versuch russischer Akteure, die US-Präsidentschaftswahlen zu manipulieren, und die Affäre rund um das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge-Analytica haben in Amerika die Behörden auf den Plan gerufen. Diese Woche wird Facebook-Chef Mark Zuckerberg in Kongressanhörungen die Datenlecks erklären müssen.

Das soziale Netzwerk Facebook verknüpft weltweit Millionen von Menschen miteinander. Seit der Gründung 2004 durch den heutigen Milliardär Mark Zuckerberg zählt das Portal über 1,4 Milliarden aktive Nutzer im Monat. Persönliche Daten, die wir Nutzer durch Klicks und Likes im Netz hinterlassen, werden nicht nur gesammelt, sondern auch analysiert und verkauft. Und zum Teil zu undurchsichtigen Zwecken benutzt.

Mit psychologischen Profilen, erstellt aus den Datenspuren, die wir im Internet hinterlassen, sollen personalisierte, auf individuelle Charakterzüge zugeschnittene Propaganda-Botschaften möglich geworden sein, die unsere Meinung und unsere Entscheidungen beeinflussen. So sollen auch Wahlkampagnen auf der ganzen Welt zielgerichtet beeinflusst worden sein.

Doch trifft es zu, dass man mittels Online-Daten menschliches Verhalten algorithmisch vorhersagen und beeinflussen kann? Braucht es strengere Regeln beim Datenschutz oder sind wir selber für unsere Daten verantwortlich? Geben wir unsere Daten zu leichtfertig preis? Verlieren wir gar die Kontrolle über eine Technologie der «digitalen Gratis-Realität»?

Unter der Leitung von Barbara Lüthi diskutieren im «Club»:

Sandra Matz, Professorin für computergestützte Psychologie, Expertin Psychometrie, Columbia Business School New York
Hannes Grassegger, Journalist, Oekonom
Claude Longchamp, Politikwissenschaftler, Historiker
Dirk Helbing, Prof. für computergestützte Soziologie, ETH Zürich
Daniel Jörg, Leiter Digital Marketing & Research, Farner Consulting

Positionen:

Sandra Matz: «Die grossen Player wie Facebook oder Google können Menschen so beeinflussen, dass diese nicht mehr der eigenen Überzeugung folgen. Deshalb sollten Regierungen mehr Transparenz von den grossen Techfirmen verlangen: Wie und wofür werden die Daten gesammelt?»

Hannes Grassegger: «Daten sind der wichtigste Rohstoff des 21. Jahrhunderts, und es wird Zeit, dass sich der Einzelne seine Daten von den grossen Unternehmen wie Google und Facebook zurückholt. Unsere Gedanken und Gefühle sind Rohstoff, wir selber sind die Erdölquelle, aber wir sind nicht selber die Ölscheichs geworden.»

Claude Longchamp: «Man kann mit Big Data Stimmungen erzeugen, soziale Bewegungen forcieren. Aber dass Big Data Menschen und ihre Gesinnung verändern können, ist nicht bewiesen. Die Demokratie war jedenfalls noch nie in Gefahr durch Big Data»

Dirk Helbing: «Neue Technologien haben immer zur Destabilisierung von Gesellschaften beigetragen. Es wird also höchste Zeit, die selbst verschuldete digitale Unmündigkeit zu überwinden. Um uns von den digitalen Fesseln zu befreien, braucht es digitale Aufklärung.»

Daniel Jörg: «Ich manipuliere nicht, sondern ich wandle bestehende Bedürfnisse in Aktion um; sprich in einen Kauf, in eine Wahl, in eine definitive Entscheidung.»

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