Flüchtlinge: Ihr Alltag und ihre Perspektiven

  • Dienstag, 3. November 2015, 22:25 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 3. November 2015, 22:25 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 4. November 2015, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 4. November 2015, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 5. November 2015, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 5. November 2015, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 7. November 2015, 14:05 Uhr, SRF info

Die Flüchtlingsströme bewegen auch die Schweiz. Gemeinden wehren sich gegen die Willkommenskultur: zu grosse Probleme mit zu vielen Flüchtlingen aus zu fremden Kulturen. Das Zauberwort heisst Integration, kein Weg führt an ihr vorbei. Im «Club» stehen Chancen und Grenzen zur Debatte.

Wie viel Humanität erträgt die Schweiz? Die Frage begleitet die Herausforderung mit den Flüchtlingen, die bei uns um Aufnahme ersuchen. 40‘000 sind aktuell anerkannt, 30‘000 vorläufig aufgenommen und rund 57‘000 stecken in einem Asylverfahren. Ihre Integration ist ein konfliktreicher Prozess. Werte und Kulturen reiben sich, Anpassung und Abgrenzung geraten aneinander, Ankommende und Ansässige sind gefordert. Manche sind gar überfordert und ratlos vor lauter Konflikten im täglichen Zusammenleben.

Einig sind sich alle: Kein Weg führt an einer erfolgreichen Integration der Ankommenden vorbei. Das Zauberwort hat in den vergangenen Jahren jedoch an Strahlkraft verloren. Was den Gemeinden, den Schulen, den Behörden zuzumuten sei, scheidet die Geister und ist Anlass von ideologischen Streitereien zwischen Willkommenskultur und Abschottungshaltung.

Im «Club» unter der Leitung von Thomy Scherrer diskutieren Sozialvorsteherinnen, Integrationsexperten und ehemalige Flüchtlinge über ihre Erfahrungen mit der Integration, über Konflikte und Chancen im Zusammenleben.

Silvia Dingwall, hat afghanischen Flüchtling bei sich aufgenommen
Susanne Hochuli, Regierungsrätin AG/Grüne, Vorsteherin Departement Gesundheit und Soziales
Julia Morais, ehem. Integrationsbeauftragte Kantone BL und ZH
Martina Bircher, Sozialvorsteherin SVP Aarburg
Ivica Petrušić, Sozialarbeiter, ehemaliger Flüchtling

Positionen

Silvia Dingwall: «Ezmari, der afghanische Flüchtling, der bei uns lebt, ist ein fröhlicher, aber auch sensibler Mensch. Inmitten der Migrationsstatistiken und der Medienbilder über die Flüchtlingstragödie ist es für uns eine Bereicherung und ein Privileg, seine Geschichte kennenzulernen und seine Integration mitzuerleben.»

Susanne Hochuli: «Die Integration von Flüchtlingen ohne Engagement der Zivilgesellschaft ist unmöglich. Der Staat allein kann das niemals bewältigen.»

Julia Morais: «Integration ist keine Zauberei, sondern ein schrittweises aufeinander Zugehen mit Information, Spracherwerb, Arbeit und sozialen Kontakten. Die Schweiz hat darin sehr viel Erfahrung - nutzen wir sie!»

Martina Bircher: «Wir haben bereits heute riesige Herausforderungen mit der Integration von Flüchtlingen. Sie leben in Parallelgesellschaften, kosten uns viel Geld, aber auch Energie, sie in unsere Gesellschaft einzuführen. Sie werden ein Leben lang bei uns bleiben. Ich appelliere an die Verantwortlichen, bei der Zulassung Mass zu halten und an die Langzeitfolgen zu denken.»

Ivica Petrušić: «Das Zusammenleben zwischen Flüchtlingen und Schweizern kann nicht mit Polizei, Gesetzen oder den Schulbehörden allein geregelt werden. Für den Integrationsprozess sind Begegnung und Dialog ebenso wichtig, wobei auch hier die öffentliche Hand eine wichtige Rolle spielen muss.»

Beiträge

  • Thomy Scherrer stellt die Gästerunde vor

    Im «Club» unter der Leitung von Thomy Scherrer diskutieren Sozialvorsteherinnen, Integrationsexperten und ehemalige Flüchtlinge über ihre Erfahrungen mit der Integration, über Konflikte und Chancen im Zusammenleben.

  • Silvia Dingwall, hat afghanischen Flüchtling bei sich aufgenommen

    Silvia Dingwall hat vor vielen Jahren selber erlebt, was es heisst, als Fremde in die Schweiz zu kommen. Sie emigrierte von England über Australien in die Schweiz. Vor einem halben Jahr haben sie und ihr Mann den 21-jährigen afghanischen Flüchtling Ezmari Nabizadeh aufgenommen. Silvia Dingwall erzählt, wie Ezmari vom ersten Tag an einen unglaublichen Willen an den Tag legte, sich in die schweizerische Gesellschaft zu integrieren. Dies sei ihm mit seiner einnehmenden Persönlichkeit und durch die Hilfe von Einzelpersonen gelungen, obwohl er von den Behörden nur wenig Unterstützung erhalten habe.

  • Susanne Hochuli, Regierungsrätin AG/Grüne

    Susanne Hochuli hat selber eine angolanische Flüchtlingsfamilie bei sich aufgenommen. Sie bemängelt die späten Integrationsbemühungen der Behörden. Gerade bei der aktuell sehr hohen Anerkennungsquote müsste man viel früher ansetzen; z.B. mit Intensiv-Deutschkursen oder mit Kursen, die die schweizerische Kultur und weiteres Basiswissen vermitteln.

  • Julia Morais, ehem. Integrationsbeauftragte Kantone BL und ZH

    Julia Morais sagt, dass viele Flüchtlinge für eine lange Zeit zum Nichtstun gezwungen würden. Diese Zeit müsse viel besser genutzt werden. Sie plädiert für obligatorische Intensiv-Deutschkurse, aber auch für Coaches, die den Flüchtlingen von Beginn weg zur Seite stehen. Nur so könne eine gute Kulturvermittlung und auch ein idealer Einstieg in ein späteres Berufsleben gewährleistet werden, was wiederum die Gemeinden entlasten würde.

  • Martina Bircher, Sozialvorsteherin SVP Aarburg

    Martina Bircher beschreibt die Probleme in ihrer aargauischen Gemeinde Aarburg. Der Kanton hätte ihnen überdurchschnittlich viele Flüchtlinge zugewiesen. Zudem verfüge die Gemeinde über günstigen Wohnraum, welches zu einem Anziehungspunkt für jene Flüchtlinge werde, die ihren Wohnsitz bereits selber wählen dürften. Viele Flüchtlinge würden der Gemeinde voraussichtlich bis ins Alter zur Last fallen.

  • Ivica Petrušić, Sozialarbeiter, ehemaliger Flüchtling aus Bosnien

    Der Sozialarbeiter betont, dass nicht nur Integrationskurse für ein besseres Zusammenleben sorgen. Auch auf einer niederschwelligen Ebene wie z.B. in Sportvereinen sei es möglich, Kulturen einander näher zu bringen. Er stelle jedoch fest, dass es zunehmend schwierig sei, auch dort aufeinander zuzugehen, zu gross die Individualisierung unserer Gesellschaft.

  • Ezmari Nabizadeh, afghanischer Flüchtling

    Ezmari Nabizadeh lebt seit gut einem halben Jahr bei Silvia und Samuel Stucki Dingwall. Im Moment macht er eine Anlehre in der Firma Hess & Co. AG im aargauischen Döttingen, der letzten Sperrholzfabrik der Schweiz. Der Betriebsleiter Wolfgang Pink zeigt sich erfreut über den vorbildlichen Einsatz seines Lehrlings.

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