Jugendstrafrecht – zu lasch und zu teuer?

  • Dienstag, 7. Oktober 2014, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 7. Oktober 2014, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 8. Oktober 2014, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 8. Oktober 2014, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 9. Oktober 2014, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 9. Oktober 2014, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 11. Oktober 2014, 14:05 Uhr, SRF info

Anstatt bestraft, würden junge Delinquenten verhätschelt und in Sondersettings für ihre üblen Taten gar noch belohnt. Praktiker widersprechen. Dennoch fordern Kritiker des Jugendstrafrechts mehr Härte und weniger Luxus. Gestritten wird polemisch und ideologisch. «Club» will die Fakten klären.

Das Jugendstrafrecht steht unter Beschuss – nicht erst seit dem Fall «Carlos». Obwohl Praktiker es verteidigen, seine pädagogische Ausrichtung loben und auf die Erfolge hinweisen, wird es immer wieder kritisiert. Die Vorstellungen, wie jugendliche Straftäter zurück in die Gesellschaft zu holen seien, driften weit auseinander. Einschlägige Studien negieren einen Zusammenhang zwischen der Härte einer Strafe und ihrem erzieherischen Erfolg. Dessen ungeachtet fordert Volkes Stimme Knast statt Therapie. Bei so viel Polemik geht das Gesetz allzu leicht vergessen. Dieses hält ausdrücklich fest, beim Bestrafen «den Schutz und die Erziehung des Jugendlichen» sowie «die Entwicklung seiner Persönlichkeit» hochzuhalten.

Dennoch gibt es stossende Lücken im Jugendstrafgesetz: So enden Strafen immer mit Vollendung des 22. Altersjahrs, selbst wenn einer ein besonders schweres Verbrechen begeht, wie 2008 der 17jährige Prostituierten-Mörder im Kanton Aargau. Und - es gibt keine bedingten Entlassungen wie bei den Erwachsenen und somit auch keine Bewährungshilfe. Um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, besteht Handlungsbedarf, räumen selbst die Befürworter des Gesetzes ein.

Mona Vetsch diskutiert im «Club» mit Praktikern, Experten und einem ehemaligen Heimzögling über die offenen Fragen.

Gesprächsgäste

Beat Burkhardt, Leiter Jugendanwaltschaft Basel-Stadt
Pascal Brenner, Leiter stationäre Jugendeinrichtung «Erlenhof» Reinach BL
Dominic Zinniker, Rekrut, Metallbauer, ehemaliger Heimzögling
Christine Liechti, Mutter eines Gewaltopfers
Luzi Stamm, Nationalrat SVP/AG, Rechtsanwalt

Beiträge

  • Mona Vetsch

    Das Thema, die Fragen, die Gäste:

  • Dominic Zinniker

    Die Konfrontation mit den eigenen Defiziten im Heim ist härter als das Absitzen im Gefängnis:

  • Christine Liechti

    Die unmittelbare Bestrafung des Täters wäre für uns eine Erleichterung gewesen:

  • Luzi Stamm

    Unsere Gesellschaft ist krankhaft tolerant:

  • Beat Burkhardt

    Wenn ein Jugendlicher und seine Eltern in unserem System nicht kooperieren, haben wir ein Problem:

  • Pascal Brenner

    Unsere Jugendlichen sind durch lange Geschichten und ein schwierieges Umfeld vorbelastet:

  • Kommen die Opfer zu kurz? (Club vom 3.9.2013)

    Täglich werden Unschuldige schwer verletzt, verprügelt, getötet. Oft ist das Hauptinteresse beim Täter – die Opfer leiden häufig still, erhalten kaum Genugtuung und kämpfen lebenslang mit den Folgen der Tat. Im «Club» diskutieren vergessene Opfer und Gewaltexperten.

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