Kein Platz für Bären?

Der Problembär M13 macht den Menschen keine Probleme mehr. Sein Abschuss wird je nach Standpunkt als Erlösung oder als Tragödie empfunden. Fest steht nur eines – der nächste Bär kommt bestimmt. Das konfliktgeladene Verhältnis von Mensch und Grossraubtieren ist das Thema im «Club» mit Mona Vetsch.

Jäger haben im Auftrag des Kantons und des Bundes den Bären M13 im Puschlav abgeschossen, weil dieser für die Bevölkerung zu frech und zu riskant geworden sei. Trotz massiver Vergrämungsaktionen zeigte der dreijährige Bär kaum mehr Scheu vor den Menschen. Er drang in Siedlungen ein und näherte sich den Menschen am helllichten Tag. Auf seiner Nahrungssuche richtete er auch beträchtlichen materiellen Schaden an. Für die Behörden wurde sein Verhalten inakzeptabel und immer bedrohlicher. Sie handelten zum Schutz der Bevölkerung.

Das aber kritisieren Naturschutzorganisationen wie WWF und Pro Natura. Für sie kam der Abschuss des Bären zu früh. Es sei verpasst worden, die Bevölkerung richtig aufzuklären, um ein harmonisches Nebeneinander mit dem Bär zu ermöglichen. Auch hätten die Menschen ihre Bienenstöcke, Behausungen oder Schafherden besser schützen sollen. Deshalb sei der Bär letztlich das Opfer dieser Versäumnisse. Was ihm zur Last gelegt werde, rechtfertige seine Tötung nicht. Die Haltung der Naturschutzkreise und die dadurch entfesselte Polemik offenbaren nicht zuletzt auch einen tiefen Graben zwischen Stadt und Land.

Im «Club» mit Mona Vetsch diskutieren Tierschützer und betroffene Bergbevölkerung, Biologen und verantwortliche Behörden über den tobenden Streit um den Bären-Abschuss und das angeschlagene Verhältnis von Mensch und wilder Natur: Wie viele Bären, Wölfe und Luchse erträgt die Schweiz? Wann werden diese zum Problem? Ist durch Aufklärung und Schutzmassnahmen ein Nebeneinander von Mensch und Grossraubtieren bei uns möglich? Und - können die Interessen von Tierschützern und betroffener Bergbevölkerung jemals unter einen Hut gebracht werden?

Gesprächsgäste

Georg Brosi, Jagdinspektor Kanton GR
Reinhard Schnidrig, Eidg. Jagdinspektor
Andreas Moser, Biologe SRF
Mirjam Ballmer, Pro Natura, Verantwortliche Grossraubtiere
Alessandro Della Vedova, Gemeindepräsident Poschiavo

Beiträge

  • Moderatorin Mona Vetsch

    Moderatorin Mona Vetsch

  • Alessandro Della Vedova, Gemeindepräsident Poschiavo

    Alessandro Della Vedova, Gemeindepräsident Poschiavo

    «Wir hätten mehr Unterstützung gebraucht von Fachleuten. Als der Bär zu uns ins Puschlav kam, war es schon zu spät für Vorsorgemassnahmen. Die Emotionen im Dorf gingen hoch, die Menschen waren wütend und hatten Angst.»

  • Georg Brosi, Jagdinspektor Kanton GR

    Georg Brosi, Jagdinspektor Kanton GR

    «Wir haben alles versucht, um den Bären M13 von den Menschen fernzuhalten. Vergeblich. Wir mussten eingreifen. Es braucht auch die Akzeptanz der Bevölkerung, sonst funktioniert das Zusammenleben zwischen Mensch und Bär nicht.»

  • Mirjam Ballmer, Pro Natura, Verantwortliche Grossraubtiere

    Mirjam Ballmer, Pro Natura, Verantwortliche Grossraubtiere

    «Das Zusammenleben von Mensch und Bär in der Schweiz ist möglich. Es sind zu wenige Vorbereitungen getroffen worden, die den Abschuss von M13 hätten vermeiden können. Die versprochenen Massnahmen müssen endlich umgesetzt werden. Denn: der nächste Bär kommt bestimmt.»

  • Reinhard Schnidrig, Eidg. Jagdinspektor

    Reinhard Schnidrig, Eidg. Jagdinspektor

    «Die Frage ist nicht, ob wir Wölfe und Bären in der Schweiz wollen; sie kommen und sie werden bleiben. Wir unterstützen die Regionen bei der Vorbereitung auf das Zusammenleben mit ihnen. Aber: die betroffenen Regionen müssen mithelfen, sonst klappt es nicht.»

  • Andreas Moser, Biologe SRF

    Andreas Moser, Biologe SRF

    «Wenn man die Sicherheit fordert, wie man sie beim Bär verlangt, dann dürften keine Lastwagen schneller als 30 km/h durch Dörfer fahren.»