Medien und Flüchtlinge: Zwischen «Verbrüderung» und «Fremdenhass»

Seit Monaten beherrscht die Flüchtlingskrise die Schlagzeilen. Die Berichterstattung schwankt zwischen Empathie und Mitleid für die Vertriebenen und der Angst vor dem Zustrom von Flüchtlingen. Wie unabhängig ist die Berichterstattung? Inwiefern wird damit auch bewusst Politik und Stimmung gemacht?

Das Bild des ertrunkenen syrischen Knaben an der türkischen Küste oder die Meldung der mehr als siebzig in einem Kühlwagen in Österreich erstickten Flüchtlinge lösten weltweit Entsetzen und Mitgefühl aus. Bilder von unzähligen jungen Männern, die Grenzzäune niedertrampelten oder in der Silvesternacht in Köln Frauen belästigten, verursachten wiederum Ängste, Abwehrreflexe und Aggressionen.

Es wurde auch an der Richtigkeit der Bilder und Meldungen gezweifelt. Und den Medien wurde vorgeworfen, gewisse Informationen bewusst vorzuenthalten. Von «Lügenpresse» war die Rede. Die Medien als Manipulatoren, die Flüchtlinge als willkommene Manipulationsmasse?

Fakt ist: Die Flüchtlingszahlen steigen stetig an. Europa ist so stark gefordert wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Und mittendrin sind die Medien, die ebenso gefordert sind. Das Spektrum der Berichterstattung reicht von Redaktionen, welche Flüchtlinge ganze Zeitungen journalistisch gestalten liessen, bis zu Schlagzeilen, Titeln und Artikeln, die hetzerisch und fremdenfeindlich anmuteten. Wie berichten? Was zeigen? Wie viel? Welche Wortwahl? Emotional nahe am Menschen oder sachlich distanziert, vor allem mit Fakten und Zahlen hantierend? Wie machen es die Medien im internationalen Vergleich?

Zu diesen Fragen diskutieren unter der Leitung von Franz Fischlin im «Medienclub»:

Alice Schwarzer, Chefredaktorin «Emma», deutsche Publizistin und Essayistin
Daniel Binswanger, Redaktor und Kolumnist «Das Magazin»
Philipp Gut, stellvertretender Chefredaktor «Die Weltwoche»
Samir, schweizerisch-irakischer Filmemacher

Positionen

Alice Schwarzer: «Ich denke, gerade linke und liberale Medien haben den Fehler gemacht, problematische Entwicklungen des politisierten Islam zu verharmlosen. Dieses Vakuum ist der Raum für rassistische Hetze.»

Daniel Binswanger: «In der Schweiz bleibt bis anhin der Zustrom von Flüchtlingen überschaubar. Es gibt keine Flüchtlingskrise, aber die Flüchtlingspolitik ist dennoch hoch umstritten. Die Schweizer Medien sind zudem in ihrer Berichterstattung stark von ausländischen Mediendiskursen abhängig. Dies führt zu starken ideologischen Verzerrungen.»

Philipp Gut: «Viele Medien - gerade auch die öffentlich-rechtlichen - betrachten die Asylmisere durch eine rosa Brille. Das fängt schon bei den Begriffen an. Sie sprechen beschönigend von ,Flüchtlingen', auch wenn es um illegale Migranten geht.»

Samir: «Viele Medienmacher behaupten, dass die angebliche Toleranz der Linken zu den Flüchtlingsproblemen geführt hätte. Das ist eine Lüge, um den Rassismus zu schüren gegenüber Migranten. Dieselben Leute kritisieren nie die Kungelei des Westens mit dem frauenfeindlichen Regime in Saudi-Arabien. Nur die Linke kritisiert das radikalislamistische Regime, welches hinter der Niederschlagung aller freiheitlichen Kräfte steckt, und damit die Migration aus Syrien und dem Irak auslöste.»

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