Ohnmächtige Vierte Gewalt, wenn das Publikum die Medien dirigiert

Online Foren von Newsportalen und soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook sind zu mächtigen Werkzeugen der Kommunikation geworden.

Diese Plattformen erlauben es dem Publikum, direkt und wortgewaltig seine Meinung kund zu tun und so eine Geschichte hoch zu kochen oder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Die Medien ihrerseits stürzen sich auf solche Reaktionen und verarbeiten sie weiter. Das generiert Aufmerksamkeit und garantiert Klicks und Leser.

Besteht dadurch die Gefahr, dass Medien nur noch das bringen, was das Publikum will? Werden aus Mücken Elefanten gemacht und stets dieselben Geschichten präsentiert? Bedeutet dieser Mechanismus auch das Ende von investigativem, unabhängigem und kritischem Journalismus, also das Ende der Medien als Vierte Gewalt im Staat?

Im «Medienclub» unter der Leitung von Franz Fischlin diskutieren:

Monica Fahmy, ehem. Journalistin, Autorin, Spezialistin für Wirtschaftskriminalität
Pedro Lenz, Journalist und Autor
Hansi Voigt, Gründer, CEO und Chefredaktor von «Watson»
Peter Röthlisberger, Chefredaktor «Blick am Abend»

Positionen der Gäste:

Peter Röthlisberger, Chefredakor Blick am Abend: «Wir wollen möglichst viel Austausch mit den Lesern, aber natürlich bestimmen wir allein, was und wie publiziert wird.»

Pedro Lenz, Schriftsteller und Journalist: «Gratiszeitungen füllen uns ab mit irrelevanten News, bis in unseren Köpfen kein Platz mehr bleibt für Wichtiges.»

Hansi Voigt, Gründer, Chefredaktor vom Newsportal Watson: «Zuschauerreaktionen und Klicks sind wichtig, jedoch nicht alles. Grundsätzlich ist ein Medium ohne lebendige Community ein totes Medium.»

Monica Fahmy, ehem. Journalistin, Autorin: «Als 4. Macht haben die Medien versagt. Klicks und Likes sind wichtiger als Inhalte. Dank Herzblut-Journalisten: Der investigative Journalismus ist noch nicht am Ende.»

Beiträge

  • Pedro Lenz

    Die Möglichkeit, ständig alles und jeden im Netz zu kommentieren, vermittle den Eindruck, die eigene Meinung sei jederzeit relevant, so der Autor Lenz. Plattformen signalisieren dem User zudem, seine banale Befindlichkeit sei von enormem Interesse.

  • Hansi Voigt

    Der Watson-Chefredaktor Hansi Voigt umreisst die Philosophie seines Portals und die Kontroll-Funktionen, welche bei unzulässigen Kommentaren greifen. Wer sich um seine Web-Community kümmere, der werde mit höherer Qualität der Statements belohnt.

  • Peter Röthlisberger

    Der Ringier-Mann umreisst anhand eines Filmchens über einen kleinen Eisbär, weshalb bewegte Bilder so verführerisch sind. Essentiell, so Peter Röthlisberger, sei jedoch der Inhalt und man versuche Leser mit sog. «Leimspuren» zu relevanten Artikeln zu lotsen.

  • Monica Fahmy

    Die ehem. Journalistin und Autorin Monica Fahmy berichtet anhand des Bildes der Kinderleiche des kleinen Flüchtlingsbuben am Strand, weshalb die «Sofa-Betroffenheit» vieler ein derartiges Ärgernis ist. Die Bewirtschaftung der enormen Betroffenheit habe nichts mit nachhaltigem Journalismus zu tun.

  • Zu Besuch im Ringier News-Room

    Für den Medienclub nimmt die Journalistin Christine Schulthess einen Augenschein auf der Blick-Redaktion. Wie werden Kommentare gefiltert und wann vom Netz genommen? Wo verläuft die Grenze zwischen dezidiertet Meinung und subtiler Beleidigung? Sehen Sie selbst.