Onlinezocken - zwischen Sieg und Sucht

  • Dienstag, 14. Juni 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 14. Juni 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 15. Juni 2016, 1:35 Uhr, SRF 1
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    • Donnerstag, 16. Juni 2016, 4:00 Uhr, SRF 1
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    • Freitag, 17. Juni 2016, 10:10 Uhr, SRF info

Das Internet lockt zum Geldspiel. Besonders in der Schweiz. Jährlich fliessen Hunderte Millionen Franken in die Kassen ausländischer Onlineanbieter. Das ist heikel, sagt die Politik. Weil die heimischen Casinos und der Bund nicht mitverdienen? Oder weil man Spielsüchtige so nicht schützen kann?

Die Schweiz ist für Onlinegewinnspiel-Anbieter ein lukratives Land. Hier wird ein Vielfaches mehr Geld investiert als im Ausland. Den Schweizer Casino-Betreibern ist dies ein Dorn im Auge. Zumal es für sie bisher verboten war, Gewinnspiele auch online anzubieten. Dies soll sich nun mit dem neuen Geldspielgesetz ändern. Mehr noch: Der Ständerat hat beschlossen, ausländische Onlineanbieter von Glücksspielen zu sperren. Argumentiert wird, dass suchtgefährdete Spielerinnen und Spieler so besser geschützt werden könnten.

Ist das der wahre Grund? Graben die Anbieter den Zockern nicht vielmehr eine Goldgrube, in die sie früher oder später fallen? Präventionsfachleute befürchten eine Zunahme von Spielsüchtigen. Schweizweit gibt es rund 120‘000 Personen mit einem problematischen Spielverhalten. Süchtige Online-Zocker verspielen oft nicht nur ihr Geld, sondern ihre ganze Existenz.

Die Schweizer Casinos kämpfen seit Jahren mit Umsatzrückgängen. Um den Rückgang zu stoppen, setzen sie auf das Internet. Mit der neuen Gesetzgebung profitieren die inländischen Casinobetreiber. Aber auch der Bund und mit ihm viele Institutionen: Denn die AHV sowie unzählige Vereine werden mit einem Teil der Glücksspielgewinne via Casinos und Swisslos mitunterstützt.

Eine Clubdiskussion über Spielsucht, Heuchelei und echte Sorge. Es diskutieren unter der Leitung von Karin Frei:

Renanto Poespodihardjo, Leiter Ambulanz für Verhaltenssüchte der Universitären Psychiatrischen Kliniken BS
Andreas Fröhli, Pokerspieler und Sekundarlehrer
Silvia Steiner, Leiterin Prävention «Sucht Schweiz»
Simon Planzer, Experte für Geldspielregulierung, Berater von internationalen Geldspiel-Anbietern
Marc Friedrich, Geschäftsführer Schweizer Casino Verband
Mario Gmür, Psychiater und Therapeut

Positionen

Renanto Poespodihardjo: «Sucht ist eine Erkrankung und keine Charakterschwäche. Mein Anliegen ist es, dass Betroffene sich ohne Scham oder Angst helfen lassen.»

Andreas Fröhli: «Online-Pokern ist nur international attraktiv. Ich glabe, käme das neue Geldspielgesetz, hören die meisten Schweizer Spieler auf oder werden gezwungen, aus dem Ausland zu spielen. Oder sie gehen mit einer ausländischen Computeradresse online.»

Silvia Steiner: «Sucht Schweiz ist nicht grundsätzlich dagegen, dass Menschen Geldgewinnspiele spielen wollen. Ein grosser Teil der Spieleinnahmen kommt der Gesellschaft zugute. Trotzdem findet eine Umverteilung von Arm zu Reich statt. Denn die Mehrheit der problematischen Spielern stammen aus finanziell schlechter gestellten Schichten.»

Simon Planzer: «Den Spielerschutz als Feigenblatt zu missbrauchen ist inakzeptabel. Dieser protektionistische Gesetzesentwurf dient einigen wenigen, aber sicher nicht den Interessen der Konsumenten und der Schweiz.»

Marc Friedrich: «Die Leute wollen spielen. Die Frage ist, gibt man ihnen einen kontrollierten oder einen unkontrollierten Rahmen. Wir, also die Schweizer Casinos, können einen kontrollierten Rahmen bieten und leisten zudem grosse Abgaben an die AHV.»

Mario Gmür: «Mit dem Onlineangebot wird das Casino in jede Wohnung verlegt. Wer zur Sucht neigt, wird noch süchtiger als im Casino.»

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gäste vor

    Das Internet lockt zum Geldspiel. Neu sollen nur noch Schweizer Casinos Online-Geldspiele anbieten dürfen. Damit könne man suchtgefährdete Spielerinnen und Spieler besser schützen. Fachleute befürchten, dass es noch mehr Spielsüchtige geben wird. Es geht aber auch um viel Geld: Bund, Kantone und Vereine profitieren von den Glücksspielen.

  • Renanto Poespodihardjo, Leitender Psychologe UPK Basel

    Der Psychologe therapiert Spielsüchtige. Er sieht in den Glücksspielen, die man online spielen kann, eine besondere Suchtgefährdung.

  • Silvia Steiner, Leiterin Prävention «Sucht Schweiz»

    Die Präventionsfachfrau glaubt nicht, dass der Spielerschutz seitens Geldspielunternehmen und Casinos richtig gewährleistet werden könne. Es bestehe ein Interessenskonflikt einerseits Umsätze zu generieren und gleichzeitig die Rolle des Spielerschutzes innezuhaben.

  • Simon Planzer, Berater von internationalen Geldspiel-Anbietern

    Der Jurist Simon Planzer beschreibt, wie andere Länder die Online-Geldspiele regulieren. Am Beispiel von Dänemark und Grossbritannien zeigt er auf, wie Spielerschutz und gleichzeitig Generierung von Einnahmen seiner Meinung nach funktioniert.

  • Marc Friedrich, Geschäftsführer Schweizer Casino Verband

    Neu sollen in der Schweiz ausländische Online-Glücksspielanbieter gesperrt werden. Der Vertreter der Schweizer Casinos legt die Gründe dar und erläutert, ob solche Sperren umgangen werden können.

  • Mario Gmür, Therapeut

    Für den Psychiater ist Spielsucht eine ebenso ernstzunehmende Krankheit wie Heroinabhängigkeit. Er beschreibt die sogenannte "Spielerkarriere".

  • Andreas Fröhli, Pokerspieler und Lehrer

    Andreas Fröhli ist Online-Pokerspieler. Er ist überzeugt, dass das Sperren ausländischer Online-Glücksspielanbieter das Ende für Schweizer Pokerspieler wäre und dass ausländische Anbieter auch einen Spielerschutz anbieten können.

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