Organspenden – schweren Herzens

  • Dienstag, 19. März 2013, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 19. März 2013, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 20. März 2013, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 20. März 2013, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 21. März 2013, 4:00 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 21. März 2013, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 23. März 2013, 14:05 Uhr, SRF 1

Jedes Jahr sterben 100 Patienten, die mit einem geschenkten Organ noch leben würden. Doch jede Massnahme zur Verbesserung des Notstands sorgt für zusätzliche Aufregung. Ängste, Moral und Unwissen ranken sich um die menschliche Grenzerfahrung. Wie weiter im Konflikt mit den lebensrettenden Organen?

Die Schweizer sind schlechte Organspender. Sie belegen im europäischen Vergleich einen der hintersten Ränge. Es gibt jedoch auch regionale Differenzen im Spendeverhalten: Die deutsche Schweiz liegt weit hinter dem Tessin und dem Welschland zurück. Dass jedes Jahr 100 Patienten infolge eines Organmangels sterben, müsste nicht sein. Schon die bessere Aufklärung, schätzen Experten, würde die Zahl der Spendewilligen verdreifachen.

Der Streit um die Zustimmungs- resp. Widerspruchslösung dauert an. Heute gilt das Prinzip der Zustimmung: Spender oder Angehörige müssen ausdrücklich zustimmen, ob ein Organ entnommen werden darf. Im Gegensatz dazu gilt in anderen Ländern wie z.B. Österreich die Widerspruchslösung: Wer nicht ausdrücklich widerspricht, dem dürfen im Todesfall Organe entnommen werden. Im Nationalrat sind diverse Motionen hängig, die auf die Widerspruchslösung für die Schweiz pochen. Jüngst hat der Bundesrat auch seine Ideen für ein revidiertes Transplantationsgesetz vorgestellt. Für Aufregung sorgt dabei die Absicht, bei Spendern medizinische Massnahmen für eine Organentnahme einzuleiten, solange diese noch leben.

Es überrascht nicht, ist die Grenzerfahrung des Sterbens und der Entnahme von Organen besetzt mit Ängsten und Ungewissheiten: Verursachen die Eingriffe Schmerzen? Wann ist jemand wirklich tot? Wie weit darf der Mensch über Leben und Tod bestimmen? Experten sehen den Ausweg im Streit um die lebensrettenden Organe in besserer Aufklärung. Dazu gehört die öffentliche Diskussion über diese sensiblen Fragen.

Karin Frei lädt zu sich in den «Club» Fachärzte, Betroffene und Angehörige, die über persönliche Erfahrungen, Fakten und Emotionen diskutieren.

Gesprächsgäste

Andreas Heller, hat Körper des toten Sohnes zur Organspende freigegeben
Jürg Steiger, Professor für Transplantationsimmunologie und Nephrologie, Universitätsspital Basel
Michelle Hug, lebt seit 2012 mit Spenderherz
Franz Immer, Arzt, Direktor Swisstransplant
Margrit Kessler, Präsidentin Schweizerische Stiftung SPO Patientenschutz , Nationalrätin Grünliberale/ SG

Buchtipp

Im Roman «Leben» von David Wagner leidet der Ich-Erzähler an einer tödlichen Leberkrankheit. Nur eine Organspende kann ihn retten. Nüchtern, aber mit Feingefühl schildert der Autor wie der Patient hofft und wartet. Es ist Wagners eigene Geschichte – damit gewinnt er den Leipziger Buchpreis 2013.

Beiträge

  • Moderatorin Karin Frei

    Moderatorin Karin Frei

  • Franz Immer, Arzt, Direktor Swisstransplant

    Franz Immer, Arzt, Direktor Swisstransplant

    «Wenn in der Schweiz gemacht würde, was gesetzlich vorgeschrieben ist, könnte die Sterberate auf der Organwarteliste halbiert werden.»

  • Andreas Heller, hat Körper des Sohnes zur Organspende freigegeben

    Andreas Heller, hat Körper des Sohnes zur Organspende freigegeben

    «Meinen toten Sohn für die Organentnahme freizugeben, war die härteste Entscheidung, die ich als Vater fällen musste. Trotzdem stehe ich voll dahinter. Wenn ich sterbe, darf man meine Organe aus meiner Sicht gerne haben, aber diese Entscheidung liegt auch bei meinen Angehörigen.»

  • Michelle Hug, lebt seit 2012 mit Spenderherz

    Michelle Hug, lebt seit 2012 mit Spenderherz

    «Das Herz, welches ich empfangen durfte, habe ich mit grösster Dankbarkeit entgegen genommen. Gerade junge, gesunde Leute sollten sich mehr mit diesem Thema befassen, denn sie wären ideale Spender.»

  • Jürg Steiger, Prof. für Transplantationsimmunologie, Basel

    Jürg Steiger, Prof. für Transplantationsimmunologie, Basel

    «Solidarität und Vertrauen sind nicht nur die Eckpfeiler einer Gesellschaft, sondern auch einer guten Medizin. Deshalb ist eine verbesserte Information über die Organspende und deren komplexe Abläufe sehr wichtig.»

  • Margrit Kessler, Präs. Schweiz. Stiftung SPO Patientenschutz

    Margrit Kessler, Präs. Schweiz. Stiftung SPO Patientenschutz

    «Als Pflegefachfrau habe ich Organspender bis zu ihrem Tod begleitet. Zusammen mit den Organempfänger habe ich mich über das ausserordentliche Geschenk gefreut. Vorbereitende operative Massnahmen an Organspender zu Gunsten eines Dritten, wie im Transplantationsgesetz vorgesehen, kann ich nicht akzeptieren.»

Mehr zum Thema